Strache ist nicht ersetzbar

©APA/ROBERT JAEGER
Gastkommentar von Johannes Huber. Der Zickzackkurs des FPÖ-Chefs zur Wiener Gemeinderatswahl zeigt, wie dünn die Personaldecke seiner Partei ist.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erinnert mit seinem Zickzackkurs zur Wiener Gemeinderatswahl fast schon an Jörg Haider: Zur allgemeinen Belustigung hatte sich dieser Mitte der 2000er Jahre von der bundespolitischen Bühne ab-, zurück- und wieder abgemeldet. Strache verwirrt mit seinen Absichten zur Wiener Gemeinderatswahl 2020: Wird er als Spitzen- und damit wohl auch Bürgermeister-Kandidat ins Rennen gehen? Oder wird er es nicht tun? Es zu tun, sei nicht sein Ziel, ließ er Mitte Dezember in einem Interview mit der „Kronenzeitung“ wissen. Begründung: Im Zuge der Nationalratswahl sei ihm eine Verantwortung zuteil geworden, die er nun auch trage. Sprich: Er fühlt sich verpflichtet, Vizekanzler zu bleiben. Diese Woche teilte er in „Wien heute“ (ORF) jedoch mit, dass man grundsätzlich nie etwas ausschließen sollte: „Wir werden uns in aller Ruhe überlegen, mit welchem Team und wie wir in die (Gemeinderats-)Wahl hineingehen.“ Sprich: Strache könnte doch Bürgermeister-Kandidat werden.

Jetzt wäre es natürlich naheliegend, einzuwenden, dass es müßig ist, zu spekulieren. Ging es bei Haider einst jedoch nur um Launen und persönliche Befindlichkeiten, ist es bei Strache viel mehr: Nüchtern betrachtet ist die Sache ziemlich schwierig geworden für den 49-Jährigen und seine Partei.

Er selbst müsste nicht lange überlegen: Als Vizekanzler bekleidet er eine sehr attraktive Funktion. Nicht nur finanziell (Bruttomonatsgehalt: 19.262,70 Euro). Er befindet sich quasi auch in der Bundesliga und spielt ebendort ganz vorne mit. Bürgermeister von Wien wäre dagegen auch kein übler Job. Bei der Gemeinderatswahl 2015 war Strache im Lichte der Flüchtlingskrise aber viel näher dran als er es mittlerweile ist. Soll heißen: Würde er sich einmal mehr auf eine Kandidatur einlassen, müsste er zunächst wohl oder übel das Vizekanzler-Amt aufgeben und dann mehr denn je riskieren, nicht einmal als Bürgermeister der Hauptstadt zu enden; er stünde völlig ohne staatstragenden Job da.

Doch das ist noch nicht alles: Strache kann es als Landesparteiobmann (der er nach wie vor ist), nicht egal sein, wie die FPÖ bei der Gemeinderatswahl 2020 abschneidet. Und diesbezüglich hat er zwei Probleme: Nachdem er im Dezember angedeutet hatte, nicht zu kandidieren, häuften sich Berichte, es werde eine rot-schwarze Rathauskoalition kommen – mit Noch-Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) als Vizebürgermeister. Womit sich die Freiheitlichen plötzlich nur noch in einer Nebenrolle wiedergefunden haben.

Das kann Strache natürlich nicht egal sein. Was aber soll er tun? In seiner Not muss er sich selbst wieder als potenziellen Bürgermeister-Kandidaten darstellen. In seinen Reihen gibt es ansonsten niemanden, der diese Rolle in einer ernstzunehmenden Art und Weise übernehmen könnte.

Mag sein, dass auf freiheitlichen Plakaten neben Strache bereits zwei potenzielle Nachfolger für Wien zu sehen sind. Allerdings: Dominik Nepp, der eine der beiden, ist als nicht amtsführendes Mitglied der Stadtregierung weithin unbekannt. Und Johann Gudenus, der andere der beiden, ist als geschäftsführender Klubobmann der Parlamentsfraktion zwar weithin bekannt. Bekannt aber ist er als Scharfmacher, der Stimmung macht gegen Muslime und Leute wie George Soros, dem er auf Basis „stichhaltiger Gerüchte“ schon einmal vorgeworfen hat, Migrantenströme nach Europa zu unterstützen. Anders ausgedrückt: Gudenus empfiehlt sich allenfalls als Speerspitze einer Frontalopposition. Als Bürgermeister, der verbindend wirken sollte, kommt er nicht in Frage.

So gesehen wird deutlich, dass die FPÖ mit ihrem Eintritt in die Bundesregierung viel gewonnen hat, aber auch einen gewissen Preis bezahlen muss: Zumal Strache da wie dort schier unersetzbar ist, wird es eine Riesenherausforderung für die Partei, sich in Wien weiterhin zu behaupten.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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