Stimmmarathon für Fans: "Den Popsch schütteln hilft"

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90 Minuten Anfeuerungsrufe pro Match und das bei insgesamt 19 Spieltagen während der EURO 2008: Eine Herausforderung für die Stimme der Fans. Ein guter Fan rüstet sich bereits jetzt, um der Heiserkeit zu entgehen, weiß Sprechtrainerin Ingrid Amon.

Wer seine ersten “Tooor”-Rufe im Garten übt, dürfe sich dabei ruhig auch lächerlich vorkommen. Beim Match selbst heißt es: “Nicht kontinuierlich brüllen, Pausen einlegen, in der Lautstärke variieren”, so Amon. Der Körper sollte dabei immer in Bewegung sein: “Popsch schütteln hilft am meisten.”

“Jetzt ist noch genügend Zeit. Täglich summen und singen, die Stimme mehr in Gebrauch nehmen”, rät Amon im APA-Gespräch. “Radio hören im Auto und mitsingen.” Immer leise anfangen, dann lauter werden. Beim Spiel müsse die Stimme bis hinunter zum Feld kommen: “Die Vokale lang dehnen, fast schon dabei singen”, so die Sprechtrainerin und macht es vor: “Tooor! Juhuuu!”

Um am Spielrand durchzuhalten, sollte man sich “eine Art Singsang” angewöhnen, wie es z. B. englische Fans machen, erklärt Amon. Sprechen alleine sei zu wenig: “Die Rufstimme hat ein größeres Frequenzspektrum.” Dabei sollte der Körper immer in Bewegung sein, das sei weniger anstrengend. Üben: “Ohhh” machen und den Körper schütteln. Weibliche Fans sollten laut Amon in ganz tiefer oder ganz hoher Lage rufen.

Gutes Schuhwerk sei wichtig für eine gute Erdung: “Auf Zehenspitzen wird man keine große Leistung bringen”, erklärt Amon. Je bewegter man in der Beckengegend sei und je besser man stehe, umso entlastender für die Stimme sei es. Kraft aus der Mitte-Tipp: Beim Anfeuern gut stehen, leicht nach vorne beugen, Hände knapp oberhalb der Hüftknochen stemmen und dort “ein bisschen Druck machen: Beim Rufen das Zwerchfell aktivieren, es unterstützt den lauten Ton”. Zur Probe eine imaginäre Kerze mit “fff” ausblasen.

“Auch viel trinken”, rät die Expertin. Und nein, keinen Alkohol, sondern Leitungswasser oder Fencheltee. Kaffee und Energie-Drinks seien kontraproduktiv, ebenso Minzbonbons. Amon empfiehlt Lutschpastillen aus der Apotheke, z. B. Isla-Moos. Auch heiß duschen, damit Dampf aufsteigt, sei gut: “Luftfeuchtigkeit ist stimmpflegend.”

Am Arbeitsplatz am Tag danach rät Amon: “Körper entspannen, aufrichten und aus einer tiefen Stimmlage sprechen. Das ist ein bisschen weniger Aufwand.” Ein gutes homöophatisches Mittel sei Arum triphyllium C 12: “Fünf Globuli in einem Viertelliter Wasser auflösen und jede Stunde einen Schluck trinken.” Und sowieso für diese Zeit: “Gleich im Vorfeld nicht zu viele Präsentationstermine annehmen.” Am Tag zwischen zwei Spielen sollten bewusst Stimmruhen eingelegt werden: “Eine halbe Stunde vor- und eine halbe Stunde nachmittags.”

Emotionen würden sowieso ein größeres Stimmpotenzial hervorrufen. Außerdem sollte man sich nicht genieren, wenn beim Match der Begeisterungssturm kommt und ruhig mitmachen: “Keine noble Zurückhaltung, das geht auf die Stimme”, meint Amon, die als profilierte Sprechtrainerin im deutschsprachigen Raum gilt. Eine EM habe man nicht jedes Jahr: “Die EURO wird Ihnen niemand nachtragen.” Wer mit Amons Hilfe trainieren will: Ihrem Buch “Die Macht der Stimme” liegt eine CD mit einem Basis-Aufwärmtraining bei. Drei Mal pro Woche anhören, mitmachen und Probegeheul loslassen.

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