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Stilles Grab des Wolfgang P.

Es ist wirklich ein Ort der Stille, der Friedhof südlich von Wien, auf dem Wolfgang Priklopil begraben ist. Ab und zu ist ein Flugzeug zu hören.

Menschen sind nur selten zu sehen. Hie und da tauchen vereinzelte Besucher auf, um das Grab ihrer Lieben zu pflegen. Doch alle, die zum Friedhof kommen, wissen, dass hier der Entführer von Natascha Kampusch anonym in einer Familiengruft von Bekannten begraben liegt.

„Ja da drüben ist es, aber mehr möchte ich nicht dazu sagen“, so ein Pensionist zur APA beim Lokalaugenschein. Gesprächiger ist eine ältere Frau: „Die Natascha soll schon da gewesen sein“, berichtet sie vom Gespräch mit einer Freundin. „Ich geh fast regelmäßig hin, beim Vorbeigehen schau ich manchmal“, so die 64-Jährige. Aufgefallen sei ihr dort sonst aber noch niemand. Das Grab selbst sehe sehr unauffällig aus. „Wenn’s mir nicht jemand gesagt hätte, hätt’ ich’s von Anfang an nicht gewusst.“

Sauber und gepflegt liegt die letzte Ruhestätte von Natascha Kampuschs Entführer auf dem kleinen ländlichen Friedhof. Rosa Blumen schmücken das Grab, in den alten Laternen wurden elektrische Lichter montiert. Am Grabstein selbst steht eine halb abgebrannt Kerze. Eine Gärtnerei kümmert sich regelmäßig um die – laut Inschrift – alte Familiengruft, berichten die Besucher.

„Wir waren alle geschockt und verwundert“, erzählt die 64-jährige Frau von dem Moment, in dem die Neuigkeit von Priklopils Begräbnis seine Runde machte.

„Jeder hat sich gefragt warum ausgerechnet hier“, gibt man auch im Bürgermeisterbüro zu. Die Informationen über die eigentlich „geheime“ Gruft, sei gleich zu Beginn durchgesickert: „Offiziell wurde es nie bekannt gegeben. Aber im Ort wissen es alle.“

Grund dafür war sicher auch die für den „Landfriedhof“ unübliche Aufruhr. Zu Beginn seien immer wieder Kriminal- und Sicherheitsbeamte, aber auch Journalisten am Friedhof herumspaziert. Vor allem die Polizei hätte in der ersten Zeit öfter nach dem Rechten gesehen und kontrolliert, ob an den Gräbern alles in Ordnung ist, erinnert sich eine Friedhofsbesucherin.

Ruhe

Ein Jahr nach Natascha Kampuschs Flucht und dem Selbstmord ihres Entführer ist auf dem Friedhof schon lange die gewohnte Ruhe zurückgekehrt. „Es wird überhaupt nicht mehr davon gesprochen“, so das Bürgermeisterbüro. „Dass die Leute kommen und sagen ’Gemma Priklopil schauen’ – das gibt es nicht“, meint eine weitere Friedhofsbesucherin mittleren Alters, die noch schnell vor ihrem Urlaub auf einem Grab Blumen gießen will. „Außerhalb des Ortes, wissen nur wenige, dass er hier begraben ist.“

Natascha Kampusch als Entführungsopfer tue ihr leid. „Aber sie macht das beste daraus“. Mitgefühl zeigen die Bewohner aber auch für den Entführer der heute 19-Jährigen: Priklopil sei auf seine Weise auch ein armer Mensch gewesen, betonte die Frau. „Das, was er gemacht hat, ist nicht zu entschulden, aber dass Schaulustige auf den Friedhof kommen, das hätte er sich auch nicht verdient.“

Grabschändungen und Vandalismus seien auf dem Friedhof, überhaupt kein Thema, hieß es seitens der Gemeinde. Seit dem Begräbnis Priklopils sei „gar nichts“ passiert, es gebe keinerlei Probleme. „Einen Toten soll’ man in Ruhe lassen, ganz egal was ist. Er muss ja irgendwo sein“, ist eine der Friedhofsbesucherinnen überzeugt. „Er ist eine arme Seele, für die man beten muss.“

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