Steve McQueen und Jehane Noujaim sprechen über ihre Filme

86. Oscars: McQueen sieht Sklaverei-Film als Spiegel der Gegenwart
86. Oscars: McQueen sieht Sklaverei-Film als Spiegel der Gegenwart ©AP
Die beiden Regisseure Steve McQueenund Jehane Noujaim sind für den Oscar nominiert. Vor der Verleihung haben sie noch einmal über ihre Werke gesprochen.
Kritik zu 12 Years a Slave
Schauspieler ohne Oscar

Der Regisseur des für den Oscar nominierten Films “12 Years a Slave” will sein Werk auch als Reflexion heutiger Zustände verstanden wissen. “Für mich war das immer eine Parallele, es war ein Spiegelbild dessen, was heute in unserer Realität passiert”, sagte Steve McQueen am Mittwoch nach einer Vorführung seines Films im UN-Hauptquartier in New York.

McQueen über “12 Years A Slave”

Der Brite McQueen könnte Oscar-Geschichte schreiben und als erster schwarzer Regisseur Gold gewinnen. Sein brutales und zugleich tief berührendes Sklavendrama “12 Years a Slave” holte im Jänner den Golden Globe als bester Film. Es schildert den wahren Leidensweg des schwarzen Amerikaners Solomon Northup, der als freier Mann mit seiner Familie in New York lebt, bis er 1841 in den Süden des Landes verschleppt und auf Plantagen versklavt wird.

Es sei auffällig, wie wenig sich das US-Kino mit dem Thema der Sklaverei beschäftigt habe, sagte McQueen. Weniger als 20 Filme widmeten sich dem Thema. Der Regisseur rief zum Dialog auf, um das Bewusstsein für heutige Formen der Sklaverei zu schärfen. So seien weltweit 21 Millionen Menschen von Zwangsarbeit und Menschenhandel samt sexueller Ausbeutung betroffen. An der Vorführung nahm auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teil. Er sagte, der Film habe ihn sprachlos gemacht.

Regisseurin von “The Square” freut sich über Interesse

Der Gegensatz könnte nicht krasser sein: Am Sonntag läuft die ägyptisch-amerikanische Regisseurin Jehane Noujaim in Hollywood über den roten Teppich. Für ihre Oscar-nominierte Dokumentation “The Square” (“Der Platz”) stand sie Seite an Seite mit Demonstranten auf Kairos Tahrir-Platz, wurde verhaftet und riskierte ihr Leben.

“Eine Straße mit Tränengas ist mir irgendwie vertrauter als die Szene hier in Hollywood”, sagte die 39-jährige Filmemacherin im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Sie freut sich über das “enorme” politische Interesse der Hollywood-Gemeinde. “Viele hier verfolgen die Kämpfe in Ägypten, in Kiew und in Caracas mit. Das sind unglaubliche Beispiele für die Macht des Volkes”, sagt Noujaim. Auf diesen Grundsätzen sei auch Amerika gegründet worden.

Beim Empfang der nominierten Dokumentarfilmer im Akademie-Hauptquartier am Mittwochabend wurde weitere politische Dokumentationen vorgestellt. So konkurriert mit “The Square” auch der Film “The Act of Killing” um den Oscar. Das Dokudrama von Regisseur Joshua Oppenheimer dreht sich um das Gemetzel von Kommunisten in Indonesien nach einem Militärcoup im Jahr 1965.

Wir berichten am Sonntag live von den 86. Oscars.

(APA)

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