Österreich liefert Gas an Serbien

Die prekäre Gasversorgungslage in Serbien, das von dem Totalausfall der Lieferungen besonders hart getroffen wurde, hat sich in der Nacht auf Freitag nach den ersten Lieferungen aus Ungarn etwas gebessert, meldeten Belgrader Medien.

Auf der Suche nach neuen Bezugsquellen wolle Serbien auch mit Österreich über Gaslieferungen verhandeln. Der österreichische Gasbedarf sei gesichert, eine Möglichkeit für Gaslieferungen aus Österreich sehe man derzeit im Gegensatz zu Deutschland aber nicht, erklärte OMV-Sprecher Thomas Huemer auf APA-Anfrage. Deutschland beziehe ja nach wie vor russisches Gas über Weißrussland, während in Österreich gar kein russisches Erdgas mehr ankomme.

Der serbische Präsident Boris Tadic erklärte am Donnerstagabend, dass ein weiteres EU-Land Serbien mit etwa 1 Mio. Kubikmeter Gas täglich beliefern könnte. Es sei durchgesickert, dass die Gespräche mit Österreich geführt werden, berichteten serbische Medien.

Laut dem Chef des serbischen Gasversorgers Srbijagas, Dusan Bajatovic, wurde die Lieferung von täglich 3 Mio. Kubikmeter Gas aus Deutschland für die nächsten acht Tage fixiert. Weitere Lieferungen aus Ungarn, das bereits gestern Serbien mit Gas versorgte, werden täglich vereinbart. Laut der ungarischen Nachrichtenagentur MTI wird Ungarn auch am Freitag rund 2 Mio. Kubikmeter Gas an Serbien liefern.

Schon in der Nacht auf Freitag nahmen die gasbetriebenen Heizwerke in der nordserbischen Provinz Vojvodina den Betrieb wieder auf, berichteten die serbischen Medien. Im Laufe des Tages sollen auch die Heizwerke im zentralserbischen Jagodina und Cacak erneut den Betrieb aufnehmen können.

Die Versorgung von rund 60.000 Haushalten soll ab dem heutigen Nachmittag ebenfalls wieder gewährleistet werden können. Wie Belgrader Medien am Freitag meldeten, blieben etwa 300.000 Haushalte in ganz Serbien am Donnerstag ohne jegliche Heizung. Der tägliche Gasverbrauch von Industrie und Haushalten in Serbien beträgt rund 12 Mio. Kubikmeter Gas. Inzwischen hat die Wirtschaft den Gaskonsum größtenteils völlig eingestellt oder auf ein Mindestmaß gesenkt. Mit 6 Mio. Kubikmetern Gas könnte Serbien nach Meinung der Behörden nun den dringenden täglichen Bedarf decken.

Ein Großteil der Patienten aus den Spitälern in den Städten Kikinda und Pancevo in der Vojvodina sowie im zentralserbischen Gornji Milanovac wurde wegen der Schwierigkeiten nach Hause geschickt. In einem Stadtviertel der zentralserbischen Stadt Kragujevac ist von wütenden Einwohnern eine russische Flagge verbrannt worden.

“Für den Gasanschluss haben wir im Schnitt 4.000 Euro pro Haushalt ausgegeben. Dafür hätten wir mit Holz in den kommenden zehn Jahren heizen können”, meinte Radovan Mirkovic, einer der betroffenen Bürger für die Tageszeitung “Blic”. Erst Ende 2008 wurde der serbische Erdölkonzern NIS an den russischen Gasmonopolisten Gazprom verkauft. Im Gegenzug wurde der Bau der Gas-Pipeline South Stream durch Serbien vereinbart.

Im einzigen serbischen Gasspeicher in der Ortschaft Banatski Dvor (Vojvodina), der entsprechend einer vorjährigen Einigung mit der Gazprom in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll, fehlt es zur Zeit an den notwendigen Gasmengen. Täglich können aus dem Gasspeicher nach Angaben der Behörden daher nur 400.000 Kubikmeter Gas bezogen werden.

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