Steirer bekommt im AKH Gedanken gesteuerte Armprothese

Operative Vorbereitungen für einen gedankengesteuerten künstlichen Arm hat das Wiener AKH durchgeführt.

Mit Hilfe einer „bionischen Prothese“ soll ein 20-jähriger Steirer, der beide Arme verloren hat, wieder über mehr Bewegungsmöglichkeit verfügen. Die künstliche Gliedmaße soll auf Nervenimpulse reagieren, über die die sechs eingebauten Motoren und ein Miniaturcomputer angesteuert werden. Um diese Weiterleitung der Gedanken zu ermöglichen, wurden die restlichen Nerven aus dem Arm in die Brust verpflanzt.

„Das Ziel ist es, sich immer näher an die physiologische Greifform anzunähern“, sage Prof. Dr. Manfred Frey von der Abteilung für Wiederherstellende und Plastische Chirurgie am AKH Wien am Mittwoch. Gesteuert werden soll der künstliche Arm über die Impulse der noch vorhandenen Nerven, die über die Haut mit Elektroden abgetastet werden. Ein Mikrocomputer verarbeitet die Signale und wandelt sie über Motoren in Bewegungen um, die möglichst fließend ablaufen sollen. „Das Gehirn glaubt noch immer, dass der amputierte Arm vorhanden ist. Somit spielt es für die Impulserzeugung im Gehirn keine Rolle, dass die Nerven zum amputierten Arm nun mit anderen Muskeln verbunden sind“, erklärte Frey, der die Operation geleitet hat. Um die Verbindung mit dem neuronalen Netz des menschlichen Körpers zu ermöglichen, verlagerten die Experten fünf Nerven von der Schulter des jungen Patienten, die ursprünglich zum Arm und zu der Hand führten, zu einzelnen Bereichen der Brustmuskulatur.

Nach ungefähr sechs Monaten, wenn die verlagerten Nerven in die Brustmuskeln eingewachsen sind, sollen die ankommenden Nervenimpulse von Elektroden über der Haut des dazugehörigen Muskelabschnittes aufgenommen und an den Miniaturcomputer in die etwa 2,5 Kilogramm schwere Prothese, die aufgesetzt wird, weitergeleitet werden. Auf diese Weise werden vom Kunstarm Bewegungen ausgeführt, die durch Impulse vom Gehirn über die Nerven an der Schulter und von dort zu den Brustmuskeln weitergeleitet wurden.

Wenn der Patient daran denkt, seinen Arm zu heben, „wird sich auch die Prothese entsprechend bewegen“, meinte Prof. Dr. Oskar Aszmann, der ebenfalls an der Operation teilgenommen hat. Bis die verlagerten Nerven in die Brustmuskulatur eingewachsen sind und dort selektiv die einzelnen Bereiche ansteuern werden, bedürfe es aber noch einer intensiven physikalischen Therapie.

Das Endziel ist ehrgeizig: Mit Hilfe des neuen – linken – Armes soll der Steirer auch Dinge greifen können, wobei die Oberfläche der Prothese auch auf zu starken Druck reagieren soll. Damit soll vermieden werden, dass die Motoren quasi ununterbrochen laufen und etwa ein Glas zerdrückt würde.

Bei der sechsstündigen Operation anwesend waren auch die US-Mediziner Prof. Dr. Todd Kuiken und Prof. Dr. Gregory Dumanian aus Chicago. Sie haben diese Art des Eingriffs weltweit erstmals im Jahr 2002 durchgeführt.

Die Versorgung mit bisherigen Armprothesen zeigte sich in der Vergangenheit als wenig zufrieden stellend, da die Steuerung der vielen aktiv beweglichen Gelenke der Prothese für den Patienten zu komplex waren und die technischen Möglichkeiten nur eingeschränkte Bewegungsabläufe zuließen. Der 20-Jährige Patient hatte bei einem Starkstromunfall im vergangenen Jahr beide Arme verloren.

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