Stars, Wahnsinn und Wildnis

©Christian Anwander
Star-Fotograf Christian Anwander aus Dornbirn hat die ganz Großen vor der Linse. Mit W&W sprach er über Celebritys, GNTM und den Wahnsinn der USA.    

von Anja Förtsch/Wann & Wo

WANN & WO: Daft Punk haben kürzlich ihr musikalisches Ende bekanntgegeben. Du hast eines der berühmtesten Fotos von ihnen geschossen. Würdest du sie jetzt ohne Helme auf der Straße erkennen?

Christian Anwander: Ja, ich würde sie erkennen. (lacht) Ich hatte mich vor dem Shooting tatsächlich gefragt, wie sie wohl auftauchen würden – mit Helm oder „in zivil“. Sie kamen aber ganz normal daher, der eine im Porsche, der andere in einer Limousine. Sie waren total nett, äußerst relaxed und absolut klasse zum Arbeiten.

WANN & WO: Wen hast du zuletzt geshootet?

Christian Anwander: Adam Driver, er war Kylo Ren in „Star Wars“. Ein großartiger Schauspieler, den ich schon sehr lange fotografieren wollte. Jetzt hat es endlich geklappt, was mich total gefreut hat.

WANN & WO: Sind dir bestimmte Shootings in all den Jahren besonders in Erinnerung geblieben?

Christian Anwander: Eigentlich bleibt jedes Shooting in Erinnerung. Weil es immer individuell ist und ich mit den meisten Leuten dabei auch eine tolle Zeit habe. Das schätze ich auch so an meinem Beruf: dass ich bei jedem Shoot den Charakter und die Energie des Menschen erfahren darf. Ich verbringe auch nicht jeden Tag mit Pierce Brosnan in Malibu oder mit Donald Sutherland in einer fetten Hotel Suite in Montreal, in der er sich für seine Rolle als J. Paul Getty vorbereitet und sich somit, während ich ihn fotografiere, rasiert – was natürlich ein klasse Bild geworden ist.

WANN & WO: Du bist aktuell auch als Gastjuror und Fotograf bei „Germany’s Next Topmodel“ zu sehen. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit bei „GNTM“ von deinen Shootings etwa für Magazine?

Christian Anwander: Der größte Unterschied ist, dass es Fernsehen und Entertainment ist. Somit geht es auch um den ganzen Prozess, wo ich natürlich als Fotograf auch gefilmt werde, während ich fotografiere. Alles in allem herrscht bei der Arbeit für „GNTM“ eine ganz andere Atmosphäre als bei einem meist sehr intimen Celebrity Shooting.

WANN & WO: Für die Dreharbeiten kamst du zurück nach Europa, seit 2005 lebst du in New York. Du hast mal erzählt, dass du dort anfangs in einer WG mit 13 Künstlern und nur zwei Fenstern gelebt hast. Hast du jetzt mehr Fenster?

Christian Anwander: Ja, ich habe jetzt drei Fenster und drei Mitbewohner. (lacht)

WANN & WO: Aber im Ernst: Wie schwer war es, sich durchzubeißen? Schließlich hat man dort mehr Möglichkeiten, aber eben auch mehr Konkurrenz.

Christian Anwander: Ja, es war schon schwierig zu Beginn. Und trotzdem möchte ich die Zeit nicht missen – „party hard, work even harder“. Die Stadt ist voller Überraschungen, es wird nie langweilig. Ich kann am Strand liegen, in den besten Studios fotografieren, in feinsten Lokalen essen, super Leute kennenlernen. Es hat aber auch eine absolut fantastische Country Side, die völlige Wildnis.

WANN & WO: Du vermisst Vorarlberg und Österreich als Orte zum Leben also gar nicht?

Christian Anwander: Ich war seit 2005 nicht mehr so lange in Europa wie jetzt. Es war toll, ich habe neue Freunde gefunden, mit den alten angestoßen und für meine Verhältnisse viel Zeit mit der Familie verbracht. Unsere kleine Tochter konnte die Omas, Opas, Tanten und Onkel kennenlernen, was spitze ist. Aber jetzt nichts wie weg von hier! Zurück in den Wahnsinn der Staaten, retour in den Dschungel und die Wildnis. Zumal jetzt auch die Politik relativ vernünftig geworden oder zumindest am Wege der Besserung ist.

WANN & WO: Dann war euer momentaner Aufenthalt in Österreich gar nicht geplant?

Christian Anwander: Nicht so. Wir sind kurz nach Pandemie-Beginn für die Dreharbeiten zu „GNTM“ nach Europa geflogen und von dort mit dem Zug nach St. Margrethen, wo uns meine Familie abholen sollte. Aber die wurden nicht über die Grenze gelassen! So mussten wir mit Gepäck am Arm, Baby in der Trage und Hund an der Leine zu Fuß über die Grenze spazieren. Das war schon sehr absurd. So wie das ganze Corona-Jahr 2020 eben. Aber wir sind als Familie glücklich.

Kurz gefragt

Wer war der erste Star, den du fotografiert hast?Andreas Kronthaler von Vivienne Westwood für Ten Magazine.

Wen würdest du noch gern fotografieren? Alle anderen.

Welche Person aus der Geschichte hättest du gern vor der Linse?Sigmund Freud und Ernest Hemingway!

Zur Person: Christian Anwander

Alter, Wohnort: 7. Juni 1984, New York, gebürtig aus Dornbirn
Familienstand: Lebt seit neun Jahren in einer Beziehung mit Freundin Mitra, eine gemeinsame Tochter Avalie Ray und Hund Benson
Celebritys und Magazine u.a.: Adam Driver, Daft Punk, Pierce Brosnan, Donald Sutherland, John Cale, Vogue USA, GQ, Esquire, Ten Magazine, uvm.

Die gesamte Ausgabe der Wann & Wo lesen Sie hier.

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