Stadtleben härtet gegen Krankheiten ab

Kulturen, die schon früh in Städten lebten, sind besser gegen Lepra und Tuberkulose geschützt. Das berichten britische Forscher um Ian Barnes von der Royal Holloway University in der Zeitschrift "Evolution".

Optimale Brutstätten für Krankheiten waren Städte schon immer aufgrund von Schmutz, Ratten, Flöhen und Menschenmassen. Genau das habe jedoch dazu geführt, dass Stadtmenschen dank des Überlebens der Widerstandsfähigsten im Lauf der Geschichte immer besser vor Infektionen gefeit waren.

Vorteil der frühen Hochkulturen

Die Forscher entnahmen Freiwilligen aus 17 Regionen in Europa, Asien und Afrika DNA-Proben. In diesen suchten sie nach einer Genvariante, die resistent gegen die beiden Krankheiten macht. Deutlich zeigte sich, dass die Nachfahren der frühen Hochkulturen, die schon früh Städte bauten, dieses Gen viel eher besaßen. Bei Menschen, die im Nahen Osten, Indien oder im europäischen Mittelmeerraum lebten, war das Resistenzgen fast immer vorhanden. Das Ergebnis sehen die Forscher auch als Erklärung für die globalen Unterschiede in den Krankheitsresistenzen.

Als “plausibel” bezeichnet Martin Siegel vom Kölner Institut für Gesundheitsökonomie die These. “Je dünner besiedelt eine Gegend ist, desto weniger Möglichkeiten haben die Erreger, sich zu übertragen.” Wie gut ein Mensch auf Krankheitserreger reagiert, dürfe jedoch vor allem von der Umwelt abhängen. “So ist erklärbar, dass Westeuropäer bei Reisen in Entwicklungsländer oft empfindlicher auf Keime im Trinkwasser reagieren als Menschen, die dort aufgewachsen sind”, so der Experte gegenüber pressetext.

Psyche braucht sozialen Halt

Ob dasselbe auch für die psychische Gesundheit gilt, ist allerdings zu bezweifeln. In den “Archives of General Psychiatry” berichtet Stanley Zammit von der Cardiff University, dass Schizophrenie im städtischen Umfeld weit häufiger vorkommt als am Land. Der Forscher untersuchte dazu Daten von über 200.000 Schweden. Schuld daran seien nicht Lärm, Reizüberflutung, die höhere Gewaltkriminalität und Bevölkerungsdichte, sondern die Anonymität und der fehlende soziale Zusammenhalt. “Je schlechter die sozialen Netzwerke eines Stadtviertels, desto häufiger nicht-affektive Psychosen”, so Zammit.

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