Späte Ehre für den "Papierenen"

In Wien ist am Donnerstag eine Gedenktafel für den "Wunderteam"-Kicker Matthias Sindelar enthüllt worden. Video: 

Sie ziert seit heute das Sterbehaus des Fußballers in der Wiener Annagasse. Gestiftet wurde die Tafel von der Wiener Austria, deren wichtigste Funktionäre auch zum heutigen Festakt erschienen sind.

Anwesend waren unter anderem Karl Blecha (Verwaltungsrat-Vorsitzender), Thomas Parits (Generalmanager), Markus Kraetschmer (Manager) sowie der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der den Vorsitz im Austria-Kuratorium innehat. Auch der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny nahm an der Enthüllung teil.

Matthias Sindelar, der “Papierene”, Österreichs wohl berühmtester, aber mit Sicherheit legendärster Fußballspieler, wurde am 10. Februar 1903 im mährischen Kozlau bei Iglau geboren. Als “Ziegelbehm” am Laaerberg in Favoriten aufgewachsen, kickte das schmächtige Jahrhunderttalent zuerst bei der Hertha, später bei den Amateuren, die sich ab 1926 Austria nannten. Als Kopf des “Wunderteams” erlangte Sindelar internationale Berühmtheit. Über die Ursachen seines mysteriösen Todes am 23. Jänner 1939 herrscht bis heute Rätselraten.

Seine körperlose Spielweise, die darauf abzielte, Körperkontakt mit dem Gegner tunlichst zu vermeiden, kreierte Sindelar nach einer für die damalige Zeit höchst riskanten Meniskusoperation. Danach spielte er stets mit Knieverband. Der geniale Regisseur war sowohl bei der Austria als auch im Nationalteam beileibe nicht unumstritten. Erst auf Druck der Presse stellte der ebenfalls legendäre Teamchef Hugo Meisl, jahrelang alles andere als ein Fan Sindelars, den Blondschopf aus der Quellenstraße auf.

Mit dem “Wunderteam” erlangte der “Papierene” Weltruhm. Mit Kantersiegen gegen Deutschland, die Schweiz, Belgien, Frankreich und Ungarn sowie dem sagenumwobenen 3:4 gegen England an der Stamford Bridge am 7. Dezember 1933, schrieben Sindelar, Schall, Vogl, Gschweidl, Zischek, Smistik, Hiden & Co Fußballgeschichte.

Matthias Sindelar spielte am 3. April 1938 beim berühmten “Anschlussspiel” im Praterstadion (Die “Ostmark” siegte über das “Altreich” locker und leicht mit 2:0) ein letztes Mal eine überragende Rolle und übernahm nach seinem Karriereende ein arisiertes Kaffeehaus in der Laxenburger Straße. Am 23. Jänner 1939 wurde Sindelar, gemeinsam mit seiner Freundin Camilla Castagnola, tot auf dem Bett seiner Wohnung in der Annagasse 3 gefunden. Als offizielle Ursache galt stets ein defekter Kaminabzug – doch um das Ableben des “Papierenen” ranken sich bis heute allerlei Gerüchte.

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