SPÖ schickt Andreas Schieder nach Brüssel

Andreas Schieder wird SPÖ-Kandidat bei der EU-Wahl.
Andreas Schieder wird SPÖ-Kandidat bei der EU-Wahl. ©APA/HANS PUNZ
Die SPÖ schickt den gescheiterten Wiener Bürgermeisterkandidaten Andreas Schieder in die EU-Wahl. Die Wahl lag nach dem Abgang von Christian Kern nahe.

Andreas Schieders politisches Seuchenjahr findet doch noch einen versöhnlichen Abschluss. Nach dem Scheitern am Weg zum Wiener Bürgermeisteramt und der Demontage als Klubobmann darf der 49-jährige Wiener die österreichischen Sozialdemokraten von der Spitze weg in die kommende EU-Wahl führen. Für den passionierten Außenpolitiker bedeutet das ein echtes Trostpflaster.

Einstimmig gewählt

Das hat das Parteipräsidium Sonntagmittag einstimmig nach dem Verzicht von Christian Kern festgelegt. Der zweite Listenplatz wurde an die Europaparlamentarierin Evelyn Regner vergeben. Formal abgesegnet wird die Liste bei einem Parteivorstand am 18. Oktober.

Rendi-Wagner würdigte Schieder als ausgewiesenen Europakenner, der zudem über Regierungs- und Parlamentserfahrung verfüge. Bei Regner wiederum wurde von der designierten Parteichefin deren langjährige Expertise im Europaparlament hervorgehoben.

Schieder selbst erklärte in einer ersten Stellungnahme, sich voll auf das Thema Soziales konzentrieren zu wollen: “Wer soziale Gerechtigkeit will, wird die SPÖ ankreuzen müssen.” Ein Handicap, nur ein Ersatzkandidat zu sein, sieht Schieder nicht. Wahlkampf sei ohnehin immer schwer, man müsse nun eben die Frage des sozialen Zusammenhalts in den Vordergrund stellen.

Schieder mit Auslandsexpertise

Schieders politischer Blick ging schon früh über die Landesgrenzen hinaus. In seinen 20ern stieg er bis zum Vizepräsidenten der Sozialistischen Jugendinternationale sowie später zum Präsidenten der Europäischen Jungsozialisten auf. Internationale Kontakte pflegt der reisefreudige Profi-Politiker seither beständig, in den vergangenen Jahren sorgte er sich zunehmend um die Kurden und legte etwa einen Balkan-Schwerpunkt in Albanien.

Früh galt der junge Schieder als Hoffnungsträger seiner Partei, kommunalpolitisch stand ihm der Aufstieg seiner Lebensgefährtin seit Studententagen und Stadträtin Sonja Wehsely, mit der er einen (erwachsenen) Sohn hat, im Weg. Folgerichtig konzentrierte sich Schieder auf den Bund. Nur kurz blieb er im Hohen Haus, Werner Faymann machte den studierten Volkswirtschafter zum Staatssekretär, zunächst unter anderem für Beamte, später dann mitten in der Hypo-Krise (mit)zuständig für die Finanzen.

Schlechtes Verhältnis zu Christian Kern

Das Verhältnis zu Parteichef Christian Kern, das vor dessen Einstieg in die Politik noch ausgezeichnet war, kühlte sich rasch ab. In den vergangenen Monaten wurde im besten Fall nebeneinander, aber nicht miteinander gearbeitet. Ohnehin gilt Schieder nicht als allzu einfach, verfügt er doch über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und neigt nicht immer zur Diplomatie.

Die unbefriedigende Situation im Parlament und die Verlockung, das Wunschziel Wiener Bürgermeisteramt zu erreichen, ließ Schieder heuer in eine schwer zu gewinnende Schlacht gegen Michael Ludwig um den Wiener Parteivorsitz bei den Sozialdemokraten ziehen. Die Niederlage des vom linken Flügel favorisierten Pragmatikers fiel deutlicher aus, als selbst die meisten in der Partei erwartet hatten. Schieder blieb zwar sein alter Job, Motivation und Standing waren aber schon einmal größer.

Kein Freund von Rendi-Wagner

Dass es politisch manchmal steiler bergab geht als noch kurz davor vermutet, musste der Vorsitzende der Naturfreunde miterleben, als Kern vor wenigen Wochen überraschend der Parteispitze den Rücken kehrte. Denn Nachfolgerin Pamela Rendi-Wagner, von der Schieder nicht der größte Fan zu sein scheint, montierte ihn kurzerhand ab. Hätte nicht Kern schon wieder hingeschmissen, diesmal die EU-Spitzenkandidatur, wäre Schieder wohl nichts anderes übriggeblieben, als den Rest der Legislaturperiode mit der mäßig bedeutenden Rolle des außenpolitischen Sprechers einer Oppositionspartei und der eines von vielen Stellvertretern der Klubobfrau abzudienen.

(APA/red)

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