SPÖ: Kopf-an-Kopf-Rennen mit ÖVP

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPÖ und ÖVP, ein Debakel für die Freiheitlichen, ein starkes Abschneiden der Grünen und einen sensationellen Erfolg für den selbst ernannten Aufdecker Hans-Peter Martin hat am Sonntag die EU-Wahl in Österreich gebracht.

Laut ORF-Hochrechnung von 17 Uhr kamen ÖVP und SPÖ jeweils auf 34 Prozent, die Liste Martin auf 14 Prozent, die Grünen auf 11,3 Prozent und die Freiheitlichen auf 6,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung sank von gut 49 auf 40 Prozent.

In der Plus/Minus-Rechnung hat die ÖVP mit einem Plus von 3,3 Prozentpunkten die Nase vorne, die Sozialdemokraten konnten 2,3 Prozentpunkte zulegen, die Grünen zwei Prozent. Ein gewaltiges Minus von 17,3 Prozentpunkten mussten die Freiheitlichen hinnehmen. Die Neulinge schlugen sich ganz unterschiedlich. Während Martin triumphierte, kam die Linke Liste gerade einmal auf 0,6 Prozent.

Was die Spitzenposition angeht, ist bei einem Auszählungsgrad von 51,1 Prozent noch alles offen. Derzeit wäre die ÖVP minimal vorne, könnte somit ein Mandat mehr (7/+-0) als die SPÖ 6 (-1) erhalten. Aber noch ist alles offen, da die Schwankungsbreite bei plus/minus 1,5 Prozent liegt. Klar ist, dass neben Martin auch die frühere Journalistin Karin Resetarits ins EU-Parlament einziehen werden. Gute Chancen hat auch die bisherige Nationalrats-Abgeordnete Evelin Lichtenberger, die hinter Johannes Voggenhuber auf Platz zwei der Grünen kandidierte.

Bei den Freiheitlichen wird es auf die Vorzugsstimmen ankommen, ob Spitzenkandidat Hans Kronberger oder der Listendritte Andreas Mölzer in Brüssel und Straßburg arbeiten darf. Dies wird frühestens morgen inoffiziell zu erfahren sein.

In ersten Reaktionen zeigten sich die Vertreter der großen Parteien recht zufrieden. VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka meinte:

„Wir sind wahrscheinlich eine der ganz wenigen Regierungsparteien in Europa, die bei dieser Wahl zulegen konnten”. Seitens der SPÖ erklärte Bundesgeschäftsführerin Doris Bures, dass Spitzenkandidat Hannes Swoboda und sein Team ab heute gestärkt für ein soziales Europa eintreten könnten. Zusätzlich gebe es erstmals seit 1983 keine schwarz-blaue Mehrheit mehr.

Triumphal fiel die Reaktion des eigentlichen Wahlsiegers Martin aus. „Es ist ein Sieg für die mutigen Bürger”, kommentierte der Journalist sein Ergebnis bei der EU-Wahl. Die hohe Zustimmung für ihn sei auch ein Zeichen gegen die „Rufmordkampagnen” in Richtung seiner Person.

Klarerweise glücklich waren auch die Grünen, denen erstmals bei einer Bundeswahl das Überspringen der Zehn-Prozent-Marke gelang. Bundesgeschäftsführer Franz Floss sieht daher ein „historisches Wahlziel” erreicht, als Wermutstropfen empfindet er, dass sich Hans-Peter Martin vor seiner Partei klassieren konnte.

In der FPÖ herrschte gedrückte Stimmung – Bundesgeschäftsführer Arno Eccher meinte, man müsse das Wahlergebnis analysieren. Am Dienstag wird sich der FP-Bundesvorstand mit der Wahlniederlage auseinandersetzen.

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