Spitze Gefahr im See

Diese Spritzen fanden Daniela und ihre Helfer-Innen direkt am Molo. Den Fund teilte sie auch bei Instagram.
Diese Spritzen fanden Daniela und ihre Helfer-Innen direkt am Molo. Den Fund teilte sie auch bei Instagram. ©handout/privat
Mehr als 40 Heroinspritzen: Die hat Naturschützerin Daniela Kohler im See gefunden. Sie sagt: Das Problem ist im Ländle besonders groß.

Von Anja Förtsch

Daniela Kohler ist so einiges gewohnt. Seit Jahren sammelt die engagierte Bregenzerin von ihrem Stand-Up-Paddle-Board aus Müll aus dem Bodensee. „Da habe ich schon alles gesehen. Doch was ich zuletzt gefunden habe, hat mir wirklich die Sprache verschlagen“, berichtet Daniela W&W erschüttert. „Heroinspritzen. Und nicht nur ein paar, mindestens 40 Stück.“ Einige davon sogar mit offen ins Wasser ragenden Nadeln, ohne Schutzkappen.

Großes Problem im Ländle

Gefunden hatten Daniela und ihre MitstreiterInnen diese nicht etwa an einer versteckten Stelle, „sondern direkt am Molo“, so die Naturschützerin, „Ich habe schon vor so vielen Stränden und an so vielen Gewässern mit dem SUP Müll gesammelt. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt, nicht auf den Philippinen, nicht in Portugal.“ Dabei seien die aktuellen Funde gar kein Einzelfall: „Spritzen im See finde ich immer wieder. Aber so viele auf einem Fleck habe ich noch nie gesehen.“

Nicht totschweigen

Aber wie kommen so viele Spritzen an einer Stelle im See zusammen? Der Fundort habe sich direkt an einem Zufluss zum See befunden, sagt Daniela. „Möglicherweise wurden sie auf die Straße geworfen und dann mit dem Regen in den See gespült“, mutmaßt sie. Eine entsprechende Anfrage von W&W ließ die Stadt Bregenz aus Urlaubsgründen unbeantwortet. Daniela sei es bei dem Thema wichtig, nicht mit dem Finger auf Süchtige zu zeigen: „Drogensucht ist furchtbar, keine Frage. Ich verurteile diese Menschen nicht, sie tun mir leid. Man muss offen darüber reden, dass es Süchtige in Vorarlberg gibt – und eben auch Spritzen. Dann kann auch die Entsorgung besser geregelt werden.“

Was tun bei Spritzen-Funden? Das sagt der Ex&Hopp-Experte

„Wer es sich zutraut, kann eine herumliegende Spritze vorsichtig in die Hand nehmen – und besonders vorsichtig, wenn keine Kappe auf der Nadel ist“, so Hannes Judt (Foto), Sozialarbeiter bei der Drogenberatungsstelle Ex&Hopp in Dornbirn. Anschließend sollten sie zu einem Spritzenbehälter, zum Bauhof oder zu einer Drogenberatungsstelle gebracht werden. Wer unsicher ist, kann auch direkt den Bauhof oder eine Beratungsstelle anrufen. Fest steht für Judt: „Legale, offizielle Konsumräume würden die Spritzenfunde fix dezimieren.“

KOMMENTAR

„Sucht existiert“

Zwölf Drogenkonsumräume gibt es in der Schweiz, ganze 28 in Deutschland – und keinen einzigen in Österreich. Die Alpenrepublik eine Insel der Glückseligen ohne Drogenproblem? Mitnichten: Auch hierzulande existiert Sucht, existieren Süchtige, existieren Spritzen. Und in genau dem Punkt hätten Konsumräume einen entscheidenden Vorteil gegenüber Sammelbehältern: In einem solchen Raum würden die Spritzen genau dort bleiben, wo sie benutzt werden, denn der Weg zu einem Spritzenbehälter ist mitunter lang – vor allem nach dem Druck. Und nicht nur das: Die Süchtigen würden, was Infektionen angeht, etwas sicherer leben. So auch die einhellige Meinung vieler Experten. Die Verantwortlichen hingegen argumentieren mit der Rechtslage, die solche Räume nicht zulasse. Was wiederum Jus-Experten der Uni Innsbruck anders sehen: Ein solcher Raum sei möglich, heißt es von ihnen. Man müsste nur wollen – und sich eingestehen, dass auch in Österreich Sucht existiert.
- Anja Förtsch, Redakteurin

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