Spencer - Kritik und Trailer zum Film

Das ruhige Drama "Spencer" dreht sich um drei schicksalhafte Tage im Jahr 1991. Beim Weihnachtsfest auf dem königlichen Landsitz steht Prinzessin Diana kurz vor der Trennung von Prinz Charles. Die US-amerikanische Schauspielerin Kristen Stewart imitiert in der Hauptrolle die leidende Diana perfekt. In dem stark dramatisierten Film spielt sie Diana als psychisch schwer angeschlagene Frau, die den Landsitz Sandringham House als Gefängnis empfindet, Visionen hat und sich nach unbeschwerten Zeiten ohne die Einschränkungen des königlichen Protokolls zurücksehnt.

Klingt es nach marxistischer Filmanalyse, wenn man es in Zeiten einer Pandemie und eines kippenden Weltklimas für denkbar uninteressant hält, dass ein Film zwei Stunden lang das leidende Gesicht einer verwöhnten Oberschichtvertreterin zeigt, deren Albdruck es ist, einmal pünktlich zum Essen zu erscheinen, wenn die Familie an Weihnachten zusammenkommt? Wer sich von derlei Banalitäten angesprochen fühlt, wird den Lady-Diana-Kniefall "Spencer" lieben. Ab Donnerstag im Kino.

Spencer - Kurzinhalt zum Film

Der chilenische Regisseur Pablo Larraín konzentriert seine filmische Hagiografie vollkommen auf Lady Diana, lässt anderen Figuren oder Konstellationen praktisch keine Einstellung. Diese Last muss Kristen Stewart tragen. Der Hollywoodstar imitiert auch durchaus stimmig die verdrucksten Bewegungen der Thronfolgergattin mit gebeugten Schultern und dem charakteristischen Blick von unten. Ein in Gestik und Mimik perfektes Imitat. Mehr zu tun gibt es dann mit Ausnahme weniger charmanter Einzelszenen aber auch nicht für die 31-Jährige in "Spencer", Dianas Mädchennamen.

Schließlich konzentriert sich die zweistündige "Erzählung" vollkommen auf die kurzen Weihnachtsfeiertage 1991, für die die britische Königsfamilie in Sandringham House zusammenkommt. Neben Diana und Charles (Jack Farthing) sind die beiden jungen Söhne William und Harry (Jack Nielen und Freddie Spry) dabei - und selbstredend die Queen (Stella Gonet), die trotz strenger Mimik dank weisen Spruchs letztlich doch als Gute erscheinen darf in diesem Panoptikum des vermeintlichen Grauens. Her Majesty darf dann nicht zu kritisch dargestellt werden.

Aber letztlich sind bis auf Dianas Vertraute Maggie (Sally Hawkins) all diese Figuren reine Staffage, Requisiten für das Trauerminenspiel der egozentrischen Titelfigur, der Disziplin oder Verantwortung in einer staatstragenden Rolle fremd sind. Und so werden die vermeintlich besinnlichen Feiertage zum Wendepunkt in Dianas Leben, nach denen sie sich zur Trennung von Charles entschließen wird und zum Ausbruch aus dem engen Korsett als Royal.

Spencer - Die Kritik

Das erzählt "Spencer" dann aber schon nicht mehr, konzentriert sich Larraín, der mit "Jackie" bereits ein Biopic über eine prominente Frau der Geschichte vorgelegt hat, doch ganz auf die klaustrophobische Atmosphäre der Weihnachtsfeiertage, an denen Dianas größter Kampf darin besteht, sich gegen die vorgegebene Kleiderwahl zum jeweiligen Dinner aufzulehnen. Das sind eben die wahren Dramen dieser Welt, die sonst viel zu wenig Beachtung finden.

Sollte man nach "Spencer" tatsächlich noch nicht genug haben, so gibt es weitere Leinwandwerke über die Revoluzzerin im teuren Designerfummel. 2013 erschien "Diana" des deutschen Regisseurs Oliver Hirschbiegel, in dem Naomi Watts die Königin der Herzen verkörperte, der aber ein Flop wurde. 1997 erschien bereits "Diana & Me", in der eine gleichnamige Australierin, gespielt von Toni Collette, ihre Namensvetterin besuchen möchte - wobei die Filmpremiere nach dem Tod der Titelheldin abgesagt wurde. Und für Freunde von Unterhaltung abseits seichter Herzschmerzromantik gibt es selbstredend seit 2020 "The Crown" auf Netflix, wo Diana von Emma Corrin verkörpert wird.

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(APA/Red)

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