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Sozialwirtschaft: Warnstreiks und Kundgebungen auf der Wiener Mariahilferstraße

Auch eine sechste Urlaubswoche für alle wird gefordert.
Auch eine sechste Urlaubswoche für alle wird gefordert. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Mit Streiks und Kundegebungen auf der Wiener Mariahilferstraße will die Gewerkschaft der Sozialwirtschaft mehr Lohn und eine 35-Stunden-Woche durchsetzen. Die bisherigen Gespräche verliefen erfolglos.

In der Sozialwirtschaft gibt es von Dienstag bis Donnerstag Warnstreiks in rund 75 Betrieben an 150 Standorten. Außerdem werden in zahlreichen Betriebsversammlungen neue Streiks beschlossen. Darüber hinaus sind viele weitere Aktionen geplant, wie etwa eine Standkundgebung auf der Wiener Mariahilferstraße, bei der der Behindertenbereich seine Probleme darstellt.

Das kündigte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, der stellvertretende GPA-Bundesgeschäftsführer Reinhard Bödenauer, am Montag im Gespräch mit der APA als Folge der vorige Woche vorerst gescheiterten Kollektivvertragsverhandlungen im privaten Sozial- und Gesundheitsbereich an.

Streiks und Demos von Dienstag bis Donnerstag

Neben zahlreichen kleineren Organisationen sind von den Warnstreiks auch Teile der SPÖ-nahen Volkshilfe, des ÖVP-nahen Hilfswerks, der Lebenshilfe sowie des “Kuratoriums Wiener Pensionistenwohnhäuser” betroffen. Ein einberufenes Streik- und Aktionsteam der Gewerkschaft organisiert und koordiniert die Maßnahmen.

Bödenauer versicherte, dass Betreuung und Pflege garantiert seien, kein Patient oder Klient werde zu Schaden kommen. “Leib und Leben sind gesichert.” Allerdings schloss der Gewerkschafter Beeinträchtigungen nicht ganz aus. In der Behindertenbetreuung sollen etwa Behindertenwerkstätten vom Warnstreik betroffen sein. In der Pflege könnten einzelne Tagesbetreuungen ausfallen und in der Küche könnte es einfachere Essen mit kleineren Gerichten statt mehrgängige Menüs geben. Auch Teile der Kinderbetreuung werden ausfallen. Damit könnte es notwendig werden, dass sich Eltern kurzfristig eine eigene Betreuung für ihre Kinder organisieren müssen, erklärte Bödenauer.

Mehr Lohn und 35-Stunden-Woche

Der GPA-Verhandlungsführer hofft, dass mit diesen Aktionen so viel Druck erzeugt wird, damit die Arbeitgeber bei der nächsten Verhandlungsrunde am 18. Februar mehr Zugeständnisse machen. Er gestand aber zu, dass die Arbeitgeber bis zu einem gewissen Grad auch abhängig von ihrem Geldgeber, der Politik seien. Deshalb erwartet Bödenauer auch “ein klares Signal” von der Politik, die ja seit Jahren von einer notwendigen Aufwertung der Pflege spricht. Der Gewerkschafter betonte, dass er in den 25 Jahren, in denen er in diesem Bereich tätig sei, schon viele Versprechungen der Politik gehört habe, “aber mir fehlen die Taten.” So sei etwa der Pflegeregress für Heimbewohner abgeschafft worden, den Betrieben habe man aber nicht mehr Geld zur Verfügung gestellt.

Das Signal der Politik erwartet sich Bödenauer sowohl für die Forderungen der Gewerkschaft nach mehr Geld als auch für jene nach mehr Freizeit. Die Gewerkschaft fordert eine 35-Stunden-Woche und eine sechste Urlaubswoche für alle sowie mehr als drei Prozent Gehaltserhöhung. Die von den Arbeitgebern zuletzt angebotenen 2,8 bis 3,0 Prozent reichen den Arbeitnehmervertretern nicht aus. Auch im Vorjahr hatten sich beide Seiten erst nach Protesten und Warnstreiks nach sechs Verhandlungsrunden geeinigt.

(APA/red)

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