Sonntagsöffnung in Wien: Reaktionen auf Tourismuszone-Empfehlung

Können Wien-Touristen bald auch am Sonntag shoppen?
Können Wien-Touristen bald auch am Sonntag shoppen? ©APA/dpa
Über den Vorstoß der Wirtschaftskammer zur Einrichtung einer Tourismuszone samt Sonntagsöffnung haben sich am Montag Wiens Touristiker erfreut gezeigt. Auch der Handel reagierte mit Zustimmung - im Gegensatz zur Gastronomie.
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Unterstützung für den Vorschlag zur Sonntagsöffnung kam mittels Aussendungen sowohl von den Fachgruppen Hotellerie und Reisebüros als auch von der Gesamtsparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Kammer.

“Shopping am Sonntag gehört dazu”

“Damit die Anzahl der Gäste weiterhin steigt, müssen wir die Weichen stellen und noch attraktiver werden. Und dazu gehört definitiv die Möglichkeit für Wien-Besucher, auch am Sonntag einkaufen zu können. Denn Shopping gehört für den internationalen Touristen dazu wie die Butter aufs Brot”, befand Josef Bitzinger, der Obmann der Tourismus-Sparte.

Er hob hervor, dass auch Handel und Gewerbe an der Einigung beteiligt gewesen seien: “Die Position innerhalb der Wiener Wirtschaft war bisher uneinheitlich. Mit dem Vorschlag zur Einrichtung von Zonen zur Befriedigung des touristischen Einkaufsbedürfnisses spricht die Wirtschaft nun wieder eine gemeinsame Sprache.”

Oftmals Kritik von Touristen

Aus Sicht der Hotelbetriebe ist die Möglichkeit, auch am Sonntag zu öffnen, ein notwendiger Schritt zu einer zeitgemäßen, attraktiven Tourismusdestination, hieß es. “Die Wiener Hotelbetreiber erhalten von ihren Gästen immer wieder dasselbe Feedback: In vielen Punkten ist Wien top. Immer wiederkehrender Kritikpunkt ist, dass unsere Touristen am Sonntag in der Innenstadt nicht einkaufen können”, so Andrea Feldbacher, Obfrau der Wiener Hotellerie in der Wirtschaftskammer Wien.

Auch die Reisebüro-Branche jubelt: “Damit können wir endlich mit anderen Top-Destinationen gleichziehen und als ebenbürtige Weltstadt am hart umkämpften internationalen Markt punkten”, versicherte Gregor Kadanka, Obmann der entsprechenden Fachgruppe. Besonders der Gast aus dem arabischen und asiatischen Raum suche neben Kulturtourismus und dem Besuch der weltbekannten Sehenswürdigkeiten auch die Möglichkeit, sich ein außergewöhnliches Shopping-Erlebnis zu gönnen, wurde beteuert.

Auch Einzelhandel nicht gegen Zonen

Der Einzelhandel will sich der Zonenwidmung ebenfalls nicht verschließen: Um im internationalen Wettbewerb wettbewerbsfähig zu bleiben, begrüße er die Initiative, meinte der Obmann der Sparte Handel, Erwin Pellet: “Damit will die Sparte Handel ihren Mitgliedsunternehmen die Möglichkeit geben, zusätzliche Umsätze zu lukrieren.” Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es notwendig, die Betriebe zu unterstützen.

Erfreut zeigt sich Pellet auch über die von “gegenseitigem Verständnis und Respekt getragene Zusammenarbeit” in der eingesetzten Arbeitsgruppe: “Nur so konnten wir ein Ergebnis erzielen, das in allen betroffenen Sparten mit großer Übereinstimmung getragen werden kann.” Die angekündigte Befragung sei wichtig, “um einen möglichst großen Konsens in dieser wichtigen Frage zu erzielen”, so Pellet abschließend.

Lob vom Wirtschaftsbund

Der Wiener Wirtschaftsbund – an dessen Spitze Kammerpräsident Walter Ruck steht – spendete ebenfalls Lob. “Nun appellieren wir an alle Fraktionen und Sozialpartner, sich konstruktiv in einen wesentlichen Entwicklungsschritt der Stadt Wien einzubringen und sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen”, so Alexander Biach, der Direktor des Wiener Wirtschaftsbundes.

Dass die Zustimmung nicht fraktionsübergreifend vorhanden ist, wurde aber ebenfalls bereits klargestellt – nämlich durch den Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband Wien (SWV). “Die Wiener Wirtschaftskammer weigert sich vehement, den Willen der Wiener Händlerinnen und Händler anzuerkennen. Indem sie nun abermals die Interessen weniger, gut vernetzter Hoteliers über die Bedürfnisse der Wiener Einzelhändlerinnen und -händler stellt, beweist sie erneut ein Demokratieverständnis im Miniaturformat”, beklagte SWV-Direktor Peko Baxant.

Sonntagsöffnung: Gastronomie skeptisch

Und auch eine sozialdemokratisch geführte Fachgruppe, jene der Gastronomie, zeigte sich äußerst skeptisch: Mit “völligem Unverständnis” reagierte Obman Willy Turecek. Man sei nie in diverse Gespräche eingeladen worden, kritisierte er. Die laut Turecek größte Fachgruppe in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft sei gegen die Sonntagsöffnung.

Im Wiener Rathaus zeigte man sich vorerst abwartend. “Gesprächen verschließen wir uns grundsätzlich nie”, betonte ein Sprecher von Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ). Verwiesen wurde jedoch auch darauf, dass man derzeit für “flexible Lösungen” eintrete – also dafür, anlassbezogen eine Sonntagsöffnung zu ermöglichen. Diskutiert wird derzeit etwa, ob zum Song Contest im kommenden Jahr am Sonntag eingekauft werden darf.

(apa/red)

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