Sonne - Kritik und Trailer zum Film

Yesmin, Bella und Nati sind junge, feierlustige Wienerinnen, die spontan ein Musikvideo in Burka drehen. Während sich Yesmins Mutter über den viral gehenden Hit echauffiert, findet ihr Vater das Video super und vermarktet das Trio bald als Act für muslimische Feste. Doch der Erfolg stellt die Freundschaft der Mädchen auf eine harte Probe, zumal alle unterschiedlich damit umgehen.

Es ist ein ebenso lautes wie krasses Statement, mit dem die 1990 geborene Wienerin Kurdwin Ayub heuer auf der Berlinale reüssierte und den Debütpreis für sich reklamierte. Ihr Spielfilmdebüt "Sonne" ist ein dreckiges, rohes, schnelles und stimmiges Stück Kino, ein Ausrufezeichen des jungen österreichischen Films. Bam Oida! Ab Freitag im Kino.

Sonne - Kurzinhalt zum Film

Alles beginnt mit drei Freundinnen, die mit ihren Handys ein Burka-Musikvideo drehen. Alle drei sind Wienerinnen. Yesmins (Melina Benli) Familie war einst aus Kurdistan geflüchtet, Bella (Law Wallner) hat jugoslawische Wurzeln, und Nati (Maya Wopienka) gilt wohl als "autochthon". Sie twerken, machen Scherze zu R.E.M.s "Losing My Religion". Alles harmlos, jugendlich. Als Yesmins Familie, gespielt von Ayubs Eltern, das Video entdeckt, keift die Mutter, während der coole Vater sich entschließt, die Mädels auf Feiern in der muslimischen Community als Act zu vermarkten.

So kommen die drei zu einer gewissen Berühmtheit. Doch die Freundinnen verändern sich. Während Bella und Nati kurdischstämmige Männer kennenlernen und sich tendenziell dem Islam zuwenden, rebelliert Yesmin, die bis dato stets Kopftuch getragen hat, in die gegenteilige Richtung.

Sonne - Die Kritik

Kurdwin Ayub erzählt in ihrem Spielfilmdebüt, das auf ihren Dokuerstling "Paradies! Paradies!" aus 2016 folgt, eine Geschichte von Menschen und von Lebenswelten, die ebenso alltäglich wie selten auf der Leinwand zu sehen sind. Die Filmemacherin mit Ausbildung an der Angewandten und der Akademie führt keine Integrationsdiskurse von außen, sondern zeigt die Welt von Jugendlichen, die eben auch "Migrationshintergrund" haben. Oder auch nicht. Eigentlich ist das eher wurscht.

Sie ist Vertreterin einer Generation von Menschen, in der nicht das Integrieren in vermutete Mehrheitsgesellschaften im Vordergrund steht, sondern in der Monoidentitäten ganz selbstverständlich keine Option sind. Doch nicht nur thematisch, auch stilistisch geht Ayub durchaus neue Wege. In aktueller Bildsprache sind im krassen Stilpluralismus Instagram und TikTok in den Fortgang ebenso nebenbei eingestreut wie grobkörnige Handyaufnahmen oder das Hochformat.

Und die Nachwuchsregisseurin verlässt sich in puncto Schauspielern ausschließlich auf Laiendarsteller. In den besten Szenen erinnert "Sonne" dabei in seiner Unmittelbarkeit an die Filmsprache von Altmeister Ulrich Seidl, der auch als Produzent hinter dem Projekt steht. Ihre Charaktere sind dabei alle menschlich. Auch wenn Yesmin als Hauptfigur klar im Fokus steht, gelingt Ayub doch ein vielköpfiges Porträt, in dem jedem und jeder eine gewisse Aufmerksamkeit zukommt und selbst die nervige Mutter über das Keifen hinaus Tiefe zeigen darf. Alles in allem also ein Debütfilm, der Lust auf das Folgende macht.

(APA/Red)

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