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Sommernachtskonzert Schönbrunn: Regen-, Walzer- , Besucherflut

"Und Sie sind immer noch da", sagte Philharmoniker-Chef Clemens Hellsberg gerührt, als er sich mit "schlechtem Gewissen" beim Publikum erkundigte, ob Zugaben überhaupt zumutbar wären.

Denn das von ORF und 3sat live übertragene “Sommernachtskonzert Schönbrunn” stand wieder einmal unter einer hartnäckigen Regenwolke. Ersten Schätzungen zufolge fanden sich heute, Dienstag, Abend dennoch an die 60.000 Besucher im Schlosspark ein, um sich von Georges Pretre und den Wiener Philharmonikern in Walzerklängen wiegen zu lassen.

“So ein Publikum gibt es wirklich nur in Wien”, meinte Hellsberg. Und Pretre, der sich vor der höfischen Kulisse sichtlich wohl fühlte, presste noch den letzten Tropfen “Wiener Blut” aus den Strauss’schen Melodien. Als “Pretre” – was auf Französisch “Priester” bedeutet – werde er für gutes Wetter beten, hatte der Dirigent angekündigt. Besser als sein Gebet schien sein Musizieren zu wirken, das den Regen während Richard Strauss’ “Rosenkavalier Suite” zumindest kurzfristig zum Halten brachte. Doch selbst Johann Strauss’ “Spanischer Marsch” und Emanuel Chabriers “Espana” wollten unter den Regenmänteln und Schirmen nicht so recht südliche Stimmung aufkommen lassen – im Gegenteil, je weiter man programmlich nach Spanien reiste, desto schlechter die Witterung.

Zum fünften Mal fand das Open-Air-Konzert bei freiem Eintritt statt und mit Ausnahme des vergangenen Jahres war das Wetterglück den Philharmonikern bisher nicht hold. Auf den Ausweichtermin am kommenden Donnerstag wollte man es wegen der noch schlechter prognostizierten Lage allerdings nicht ankommen lassen. “Sommernachtskonzert bedeutet Regen”, gab sich Hellsberg geschlagen. Doch es kann auch zu einer schönen Tradition werden, sich nicht entmutigen zu lassen.

Mit Traditionen gebrochen wurde in diesem Jahr aber immerhin beim Titel des Konzerts. 2004, im Jahr der Österreichischen EU-Ratspräsidentschaft, als “Konzert für Europa” ins Leben gerufen, möchte man das “Sommernachtskonzert” nun zu einer spezifischen Wiener Institution werden lassen. Die sommerliche – oder auch nicht ganz so sommerliche – Alternative zum Neujahrskonzert. Nicht zuletzt hing der alte Name mit dem bisherigen Veranstalter, der Agentur Hey-U zusammen, der heuer nach Unstimmigkeiten mit den Philharmonikern erstmals nicht mehr dabei war.

Bei beiden großen Philharmoniker-Konzerten des Jahres am Pult war heuer der 83-jährige Georges Pretre – und freute sich spürbar darüber. Von seinem “Wiener Herz”, dass der französische Dirigent gerne betont, konnte er heute eine Menge ins Programm legen – selbst noch bei seinen Landsleuten, Emanuel Chabrier, Jacques Offenbach und Maurice Ravel. Die Barcarole aus “Hoffmanns Erzählungen” und Ravels “La Valse” schmiegten sich dann ebenso formschön an das kaiserliche Ambiente wie Strauss, Feuerwerk, Lichtspiele, und Aufnahmen aus dem Schlossinneren. Und wie die vielen kleinen Zipfel der Regenpelerinen an die ausgeleuchteten Tröpfchen.

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