So wird der neue ORF-Newsroom am Küniglberg aussehen

Wien-Hietzing ist Standort des ORF-Newsrooms.
Wien-Hietzing ist Standort des ORF-Newsrooms. ©APA/ORF/Roman Zach-Kiesling
Der Startschuss für die Bauarbeiten am neuen multimedialen ORF-Newsroom am Küniglberg in Wien-Hietzing ist vor cirka zwei Jahren gefallen. Inzwischen nähert man sich der Fertigstellung.

Das 303 Millionen Euro schwere Projekt befinde sich zeitlich und budgetär im Plan, betonte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und sprach von einem "spektakulären Campus" mit "state of the art"-Newsroomkonzept, das den Vergleich mit Google und Facebook nicht zu scheuen brauche.

ORF-Newsroom für über 400 Mitarbeiter

Noch würden sich die Mitarbeitenden dort freilich nicht wohlfühlen, stehen doch Paletten herum und hängen Kabel von den Wänden. Bis Ende des zweiten Quartals 2022 dürfte sich das aber ändern, wenn mit der Besiedelung am Küniglberg begonnen wird. Die insgesamt 411 vorgesehenen Mitarbeiter (337 in den diversen Redaktionen, 15 in einer aktuellen Grafik-Mannschaft, 49 in der Technik und zehn in der multimedialen Programmwirtschaft) werden sich auf 3.500 Quadratmeter Nettoraumfläche einfinden. Ein nach oben offenes Atrium ist mit Erlen bestückt und verbessert die Lichtverhältnisse. Zudem fungiere es als Verbindung zur Natur, wie der Architekt Paul Jung erklärte.

Im Erdgeschoß ist das Herzstück in Form des Newsdesks angesiedelt, der künftig für Monitoring, Verifikation, Kurznachrichten, aktuelle Online-Nachrichten, aber auch soziale Medien zuständig ist. In Blickweite befinden sich die Journalstudios sowie ein neues großes Newsstudio. Über eine Stiege gelangt man zu den multimedialen Ressorts, Sendungsteams und zu Ö3. In den Räumlichkeiten von Ö3 findet sich künftig auch ein Studio mit Aufnahmemöglichkeit in Bild und Ton für kleinere Bands. Im Obergeschoß ist zudem Platz für Ad-Hoc-Ressorts, wo etwa investigativ gearbeitet werden kann. "Am Newsdesk setzen wir auf maximale Multimedialität, bei den Sendungs- und Plattformteams zielen wir auf Diversität ab, um keinen Einheitsbrei zu erzeugen", erklärte Wrabetz.

Wien aus dem ORF-Newsroom heraus zu sehen

Der multimediale Newsroom bietet den ORF-Mitarbeitenden künftig einen phänomenalen Blick über Wien. "Sicher einer der besten Büroblicke, die man haben kann", meinte Projektleiter Pius Strobl. Für zusätzliche Aufenthaltsqualität soll eine rund um den mit Glasfassaden ausgestatteten Newsroom angelegte Terrasse mit angrenzenden Grünflächen sorgen. An einer Begegnungszone vorbei gelangt man zu Ö1. Der Sender ist räumlich entkoppelt vom Hauptbau. "Die Besonderheit von Ö1 spiegelt sich in einem eigenen Gebäude wider, das aber dennoch in Nähe zum Newsroom ist", erklärte Wrabetz. Dort sind ausgewählte Studios zusätzlich mit der Möglichkeit der Bildproduktion ausgestattet.

Einen Teil des neuen Mediencampus können die ORF-Mitarbeiter bereits demnächst aufsuchen. Ab 6. August soll der Probebetrieb der neuen Kantine starten, bevor sie Ende August ihren regulären Betrieb aufnimmt.

Wer steht an Spitze des ORF-Newsrooms?

Bei einem an die Führung anschließenden Gespräch bekräftigte der ORF-Generaldirektor, die Führungspositionen für den multimedialen Newsroom noch heuer und damit knapp vor der Amtszeit des nächsten Generaldirektors oder auch der nächsten Generaldirektorin besetzen zu wollen, "damit mit Beginn des nächsten Jahres jeder weiß, wofür er oder sie verantwortlich ist". Im September soll die Geschäftsordnung vorgelegt und im Anschluss die jeweiligen Führungspositionen ausgeschrieben werden. Dabei wolle Wrabetz auf transparente Ausschreibungen, die Mitwirkung von Redakteuren sowie die Einbindung des Betriebsrats setzen.

Prinzipiell solle der Newsroom nicht nur dazu dienen, die bestehende Produktpalette weiterzuentwickeln, sondern auch Raum und Kapazität durch Synergien für neue Produkte zu schaffen. Ein derartiges neues Produkt sei etwa die Präsenz des ORF auf TikTok. Damit werde man Anfang September starten, kündigte Wrabetz an. Zwei Präsentatoren - eine Frau und einen Mann - habe man bereits gefunden.

ORF-Player vorgesehen

Auch ein Werbevideo für den geplanten ORF-Player, das Wrabetz ursprünglich im Zuge einer VÖZ-Veranstaltung präsentiert hatte, wurde am Montag gezeigt. Daraus gehen das Design, aber auch mehrere Kanäle des Players hervor. So bietet die Fläche "Newsroom" Livestreams aus aller Welt und rund um die Uhr. Bei "Sport" werde jedem Sport seine Bühne gegeben, womit Randsport gestern sei, wie es im Video heißt. "Sound" verspricht Audio neu gedacht und beinhaltet unter anderem Podcasts. Bei "Live" dürfte man die jeweiligen Programme verfolgen können, wobei auch Kommentar- und Teilen-Funktionen vorgesehen sind. "Okidoki" wird als "digitaler Abenteuerspielplatz für Drei- bis Neunjährige beschrieben, während "Space" ein Raum für Kunst, Kultur und Kreative sei. "U30" soll als Labor für die Zukunft des Fernsehens fungieren. Bei "Topos" ist schließlich die Wissenschaft und Bildung beheimatet.

Wrabetz verlangt ORF-Gesetzesnovelle

Nur mit einer ORF-Gesetzesnovelle kann sich der Player vollständig entfalten, da bisher nicht "online only" und "online first" produziert werden darf und Inhalte mit wenigen Ausnahmen nur sieben Tage abrufbar sein dürfen. Gerald Fleischmann, Kanzlerbeauftragter für Medien (ÖVP), erachtete diese zuletzt für Herbst 2022 realistisch. Wrabetz sieht das als zu spät an und forderte erneut, dass die Novelle "rasch geschaffen werden muss". "Es wird aber einen gewissen Vorlauf brauchen, um Einvernehmen über die Zukunft des Medienmarktes mit anderen Marktteilnehmern, insbesondere dem VÖZ, zu schaffen", glaubte der ORF-Chef. Nach der Generaldirektorenwahl am 10. August wolle er zügig Gespräche führen und den Gesetzgeber unterstützen.

Zu der in der Vorwoche bekannt gewordenen Kandidatur von ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer äußerte sich Wrabetz nur knapp. Er wolle nicht jeden Bewerber einzeln kommentieren. Zumal kenne er noch nicht ihr Konzept. In der Vergangenheit betonte er, dass sich niemand vor einer Kandidatur - auch nicht aus dem eigenen Unternehmen - fürchten müsse.

(APA/Red)

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