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So sollten Medien mit Angst und Verschwörungstheorien umgehen

Unter anderm wurde der Umgang mit dem Thema Angst thematisiert.
Unter anderm wurde der Umgang mit dem Thema Angst thematisiert. ©pixabay.com (Sujet)
Angst und Verschwörungstheorien sind derzeit sehr aktuell. Wie Medien damit umgehen sollten, wurde am Montag diskutiert.

Damit, wie Medien Angst und Verschwörungstheorien begegnen können, haben sich am Montagnachmittag zwei ORF-"Dialogforen" auseinandergesetzt. "Information richtig dosiert und aufbereitet ist das beste Anti-Angst-Mittel", zeigte sich etwa Journalistin und Autorin Petra Ramsauer überzeugt. Das komplette Ignorieren von Nachrichten sei keine Lösung.

Berichte über Terroranschläge als Balanceakt

Allerdings sei die Berichterstattung über Terroranschläge immer ein Balanceakt. "Es ist schon sehr lange bekannt, dass Terror nur mit Medien passiert", sagte Ramsauer. Der Islamische Staat habe das Zusammenspiel von Terror und Medien perfide perfektioniert. Am wichtigsten ist ihrer Ansicht nach, dass der Name des Täters nicht genannt wird. "Wenn der Name nicht erscheint, nimmt es ihm und anderen, die das nachmachen möchten, das Gefühl, ich kann ein Held werden."

Auch der ORF habe entschieden, dem Attentäter des Anschlags in Wien weder Namen noch Gesicht zu geben, berichtete Waltraud Langer, Chefredakteurin der ORF-Magazine. "Wir geben ihm den Ruhm nicht", betonte sie. Wichtig sei auch, die Würde der Opfer zu wahren. "Ich bin sehr froh, dass es nur sehr wenige Medien gegeben hat, die gezeigt haben, wie auf uns geschossen worden ist", stimmte Andreas Wiesinger, der beim Terroranschlag in Wien verletzt wurde, zu. Auch er sieht die Gefahr, dass Medien die Angst der Menschen verstärken könnten.

Große Verantwortung auch in Bezug auf Verschwörungstheorien

Auch beim Thema Verschwörungstheorien, die im Zusammenhang mit der Coronakrise einen Aufschwung erleben, kommt Medien eine große Verantwortung zu. Natürlich müsse man Kritik, sei es an der Regierung oder an bestimmten Regelungen, ernst nehmen und diese transportieren, sagte Günther Mayr, Leiter der ORF-Wissenschaft. Wichtig sei aber immer, dass Fakten dahinter stehen und keine obskuren Quellen. "Wir greifen auf keine Quellen zurück, die wir nicht klar identifizieren können", betonte Mayr.

Auch die Philosophin Caroline Heinrich glaubt, dass nicht mit jedem eine Diskussion sinnvoll sei, letztlich könne man sich dadurch auch zum Handlager von Verschwörungstheoretikern machen. Allerdings müssten Medien Fragen, die auch von diesen Gruppen aufgeworfen werden, beantworten. Den Grund für den Aufschwung solcher Theorien sieht sie darin, dass es "ein Bedürfnis nach Autorität gibt und Verschwörungstheorien dieses Bedürfnis erfüllen".

Vertrauen durch Begegnung auf Augenhöhe

Um das Vertrauen der Leserinnen und Leser zu halten, sei es wichtig, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, zeigte sich Florian Gasser, stellvertretender Leiter der "Zeit Österreich" überzeugt. Bei der "Zeit" gehöre es etwa dazu, wirklich jeden Leserbrief zu beantworten und transparent darzustellen, wie die Recherche für eine Geschichte abgelaufen ist.

(APA/Red)

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