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Sängerknaben klonen Mozarts Schädel

&copy APA
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„Kann ich bitte eine Uhr haben? Ich muss doch in einer Szene schauen, wie spät es ist!“ Der junge Sängerknabe lässt sich nicht abwimmeln. Schließlich nimmt er seine Rolle in der neuen Kinderoper „Mozart? Mozart!“ sehr ernst.

Alles andere als ernst sind im Moment jedoch seine 24 Kollegen, die kurz vor der Probe noch polternd quer durch den Salon im Augarten-Palais toben. Wie normale Burschen. Nur dass normale Burschen nicht demnächst zu einer einmonatigen Tournee nach Asien aufbrechen. Die APA war bei einer Endprobe dabei.

„Mozart? Mozart!“ von Tina Breckwoldt hat seine Uraufführung in Südtirol bereits hinter sich, jetzt wird eifrig der englische Text gelernt. „Wie geht’s weiter? Was sag’ ich jetzt?“ heißt es immer wieder mitten im Spielfluss. Doch Regisseurin Susanne Sommer nimmt es gelassen, freut sich über den großen Enthusiasmus der Sängerknaben. Wer den Jungenchor lediglich in Matrosenanzug und ernster Miene kennt, wird beim Anblick des Ensembles Augen machen. Hier trägt man Skaterhosen und Turnschuhe, Frauenkleider und Arztkittel. Eine bunte Mischung aus spielfreudigen Burschen zwischen zehn und 14 Jahren.

Rund um verschiedenste Mozart-Arien sowie das Requiem hat Breckwoldt einen humorvollen Krimi a la „CSI“ geschrieben. Nachdem sie vor etwa einem Jahr gebeten wurde, doch etwas zum laufenden Mozartjahr beizutragen, begann die Librettistin, sich „mit einem Augenzwinkern an das ausgelutschte Thema“ heranzutasten. „Damals lief gerade die Dokumentation über seinen Schädel, die eigentlich ohne Konsequenz blieb“, schildert sie im Gespräch mit der APA den schaurigen Ansatzpunkt.

Auch die Popularität der „CSI“-Serien fiel ihr auf, den letzten Anstoß gab noch „dieser koreanische Herr, der behauptet hat, Embryos geklont zu haben“. Wie all das zusammen passt? Im 15-seitigen Skript liegt die Antwort. Eine Handvoll Forscher hat sich daran gemacht, Mozarts Schädel zu klonen. Der Wiener Pathologe Doll und sein Kollege, der Klonforscher Brisbane aus Houston, der immerhin erfolgreich Haustiere klont, machen sich an die Arbeit.

Im Schädel selbst – der übrigens sowohl Augen als auch Kiefer bewegt – sitzt der junge Sängerknabe Matias und regt sich im Namen von Mozart furchtbar über alles auf. Statt eines Schädels hätte er viel lieber Hände. Misstrauisch verfolgt wird das Ganze von aufdringlichen Journalisten. Als die Öffentlichkeit von dem Experiment Wind bekommt, kommt es zum Tumult – wohl eine der Lieblingsszenen der Knaben. Während sie wie beiläufig und erstaunlich trittsicher ein Mozart-Stück nach dem anderen anstimmen, vergessen einige von ihnen bei den „Kampf“-Szenen, den Mund aufzumachen. Der Spaß steht im Vordergrund, das mit dem fehlenden englischen Text wird schon noch, sind sich alle einig.

Gesungen wird auf italienisch, der mit viel Wortwitz gespickte Text wird wahlweise auf Deutsch oder Englisch gesprochen. Sowohl Libretto als auch Inszenierung strotzen vor Ironie. So trägt ein Reporter ein T-Shirt mit der Aufschrift „Brahms“, der Pathologe hat die sterile Kopfbedeckung durch ein schwarzes Totenkopf-Tuch ausgetauscht. Und als sich der Assistent freut, dass mit dem Klon-Erfolg „endlich das Requiem fertig geschrieben wird“, erhält er von Mozarts Schädel eine bissige Antwort: „Wieso das Requiem? Das IST fertig!“

Besonderen Gefallen finden die Knaben an den echten medizinischen Instrumenten: Etwa einem Schädelbohrer oder der Amputationssäge, die allesamt von der Firma B. Braun Austria GmbH zur Verfügung gestellt wurden. Auch die original im AKH gemachten Computertomographien sind ein Blickfang. Das Spiel selbst fasziniert die Sängerknaben, „weil es einfach lustig ist“. Zum Klonen haben sie jedoch eine kritische Haltung. So meint der zwölfjährige Kevin Yang, der in der Figur des Reporters souveräne Gesangsdarbietungen leistet: „Klonen ist nicht ganz nett. Da spielt man ja irgendwie Gott.“

Ähnlich denjkt Matias Gonzalez, der während der halbstündigen Vorstellung ständig mit dem Kopf im Schädel steckt. Ein größeres Problem als Mozart zu spielen ist für ihn allerdings die Hitze unter der Verkleidung. Wie man sich als wild umstrittener Mozart-Schädel so fühlt? „Hauptsächlich verschwitzt.“

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