Slowakei finanziert Karadzic-Gedichte

Die Veröffentlichung von Gedichten des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic in einer slowakischen Literaturzeitschrift sorgt für Aufregung auf höchster politischer Ebene.

“Ich habe ein Problem damit, das Poesie zu nennen”, sagte der slowakische Außenminister Miroslav Lajcak am heutigen Donnerstag in Bratislava, wie die Nachrichtenagentur TASR meldet. Heimische Medien hatten zuvor berichtet, dass die staatlich geförderte Literaturzeitschrift “Dotyky” und das Blatt “Slovenske pohlady” Gedichte von Karadzic abgedruckt hatten.

Lajcak bezeichnete die Veröffentlichung der Gedichte als “bedauernswert”. Die slowakische Politik habe nichts damit zu tun, sagte er mit Blick auf die Staatsförderung für die Zeitschriften. Der Chefdiplomat und frühere internationale Bosnien-Beauftragte verwies auf die vielen tausend Menschen, die immer noch nach den sterblichen Überresten ihrer Väter, Ehemänner und Söhne suchten, deren Tod “mit dem Namen dieses Mannes verbunden ist”. Karadzic gilt als Auftraggeber des größten Massakers in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, der Tötung von 8.000 Bosniaken durch die bosnisch-serbische Armee in Srebrenica im Juli 1995. Ihm wird derzeit wegen Völkermords der Prozent vor dem Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal gemacht.

Lajcak äußerte sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem serbischen Amtskollegen Vuk Jeremic in Bratislava. Jeremic verwies auf eine entsprechende Frage ebenfalls auf das gegen Karadzic laufende Strafverfahren und versprach, dass die serbische Regierung in Hinkunft die Veröffentlichung von literarischen Werken Karadzic’ nicht finanzieren werde.

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