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Skispringen: Morgenstern holte sich erstes Einzel-WM-Gold

Thomas Morgenstern ist der große Abräumer der diesjährigen Skisprung-Saison.

Nach seinem erstmaligen Sieg bei der Vierschanzen-Tournee sowie seinem zweiten Weltcup-Gesamtsieg holte sich der 24-jährige Kärntner am Samstag auf der Normalschanze in Oslo auch noch die ihm noch fehlende Einzel-Goldmedaille bei Nordischen Weltmeisterschaften.

Zwei Jahre nach einer seiner vielleicht schlimmsten Erfahrungen hat Morgenstern nun endlich auch bei einer WM zugeschlagen. Den Sieg im Normalschanzenbewerb vor Augen war er 2009 im Auslauf gestürzt und der abendlichen Feier von Weltmeister Wolfgang Loitzl und dessen “Vize” Gregor Schlierenzauer ferngeblieben. Es hätte ein ÖSV-Triplesieg mit ihm an der Spitze werden können.

2011 steht er nun selbst ganz oben – und er siegte wie schon 2006 bei den Olympischen Spielen vor Andreas Kofler. Mit neuer innerer Einstellung, großer Gelassenheit, aber auch akribischem Feilen an seiner Ausrüstung hat sich Morgenstern im vergangenen Sommer die Basis für den erfolgreichsten Winter seiner Karriere geschaffen: Tournee-Sieg, Weltcup-Gesamtsieg und Einzel-WM-Gold sowie bisher sieben Weltcup-Saisonsiege – das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Der Triple-Olympiasieger hält nun bereits bei fünfmal Gold (vier Team-Titel) und einmal Bronze bei Nordischen Weltmeisterschaften.

Das Riesentalent des Thomas Morgenstern hatte sich schon in seinem erst fünften Weltcup-Springen gezeigt. Als 17-Jähriger feierte er am 11. Jänner 2003 in Liberec seinen ersten Weltcup-Sieg. “Ich war damals wie in einer anderen Welt, wie im Traum, es war einer der schönsten Momente meines Lebens”, erinnerte sich der Kärntner einmal. Sechs Jahre später sollte ihm WM-Gold am gleichen Schauplatz förmlich aus den Fingern gleiten.

Dass im Sport Triumph und Schmerz ganz nahe beieinander liegen können, hatte Morgenstern schon sehr früh erfahren müssen. Etwas mehr als zehn Monate nach seinem ersten Weltcupsieg stürzte er am 29. November 2003 in Kuusamo schwer. “Es war ein spektakulärer Sturz, da habe ich es sogar in die New York Times geschafft”, meinte er lachend. “Ich sehe das irgendwie als Startschuss für meine Karriere, da habe ich sehr viel daraus gelernt.”

Die Jahre im Spitzensport waren für ihn überhaupt eine große Lebensschule. Heute präsentiert sich Morgenstern, der es vorzieht, nicht mehr mit “Morgi”, sondern mit seinem Vornamen angesprochen zu werden, nicht zuletzt dank einer neuen mentalen Betreuung abgeklärt, ruhig und gelassen. “Stolz bin ich vor allem auf die Konstanz, die ich über die acht Jahre hatte. Ich war immer unter den ersten Sieben im Gesamt-Weltcup, abgesehen vom ersten Jahr, da war ich nur in circa zehn Springen dabei.”

Ausgerechnet bei der Vierschanzen-Tournee hat Morgensterns Weltcup-Karriere Ende Dezember 2002 in Oberstdorf begonnen. “Das war etwas ganz Besonderes, da reinzukommen und Vorbilder wie Goldberger, Höllwarth, Widhölzl in der eigenen Mannschaft zu haben.” Am Beginn sei er nervös gewesen, mit ihnen zu reden. “Wenn ich mir jetzt Bilder von damals anschaue, denke ich mir: ‘Hey, da ist einiges weiter gegangen bei dir.’ Das ist schön zu sehen.”

Seine erste Medaille holte der zweifache Weltcup-Gesamtsieger 2004 mit der Mannschaft bei der Skiflug-WM in Planica (Bronze), die erste(n) Goldmedaille(n) mit der Mannschaft bei der WM 2005 in Oberstdorf. “Dann ist eh schon Turin gekommen. Das war mein erster riesengroßer Erfolg – ich habe sozusagen mit dem größten Erfolg begonnen.” Dort schlug er Andreas Kofler von der Großschanze um die Lächerlichkeit eines Zehntelpunkts, holte Seite an Seite mit ihm auch noch Olympia-Gold mit der Mannschaft. Vier Jahre später gelang dies den ÖSV-Adlern, die seit 2005 in Mannschaftsbewerben bei Großereignissen ungeschlagen sind, auch in Vancouver/Whistler.

Das Talent des Kärntners hatte schon der frühere ÖSV-Cheftrainer Hannu Lepistö erkannt und ihn mit dem großen Matti Nykänen verglichen. Auch Toni Innauer sprach schon bald von einem “Rohdiamanten”. Geboren in Spittal/Drau, wohnhaft in Seeboden, lebt er seit heuer mit Langzeit-Freundin Kristina in seinem neuen Haus. Morgenstern lässt in allen seinen Statements keinen Zweifel daran, dass er ein echter Kärntner ist. Deftige, lockere Sprüche – mit seiner unbekümmerten Art hat er viele Fans gefunden.

Der Traum vom Fliegen hat ihn 2008, als er nach dem ersten Gesamt-Weltcupsieg auch erstmals zu “Österreichs Sportler des Jahres” gekürt wurde, zu einer Kurskorrektur veranlasst. Morgenstern ließ seine bereits begonnene Polizistenausbildung sausen und darf nun auch ohne Ski an den Füßen abheben: Er ist ausgebildeter Pilot.

Seine “Pilotenausbildung” auf den Schanzen der Welt hat freilich viel früher begonnen. “Ich bin über das Toni-Innauer-Skifest in Bad Kleinkirchheim zum Skispringen gekommen”, erzählte Morgenstern, der aus einer sehr sportlichen Familie kommt. U.a. war sein Onkel väterlicherseits, Alois Morgenstern, 1976 Olympia-Siebenter im alpinen Slalom. (APA)

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