Ski alpin: Janka siegte vor Cuche

Nichts wurde es aus dem erhofften Abfahrts-Triumph durch Trainingsdominator Michael Walchhofer. Die Schweizer feierten am Samstag auf der "Birds of Prey" in Beaver Creek durch Carlo Janka und Didier Cuche, der nur zwei Hunderststel hinter seinem Landsmann ins Ziel fuhr, einen Doppelsieg.
Bilder der Abfahrt

Der Skisport hat mit Carlo Janka seinen neuen Superstar gefunden und Österreich eine neuerliche Abfahrtsniederlage erlitten. Während der sensationelle Schweizer Allrounder einen Tag nach seinem Kombitriumph am Samstag in Beaver Creek vor Didier Cuche, Aksel Svindal und Bode Miller gleich einen Schweizer Doppeltriumph in der Königsdisziplin anführte, musste sich Österreichs Topfavorit Michael Walchhofer mit Platz fünf zufrieden geben. Damit stehen Österreichs Speedfahrer nach zwei Saison-Abfahrten noch immer ohne Podestplatz da.

Das auf das Fehlen des verletzten Cheftrainers Andreas Evers zurückzuführen, war aber ebenso kein Thema wie das Folgen jener Spekulation des Platzsprechers, der im Ziel der Raubvogel-Abfahrt vor Rekord-Zuschauerkulisse über ein nun bevorstehendes Köpferollen bei den “Austrians” fabuliert hatte. Vielmehr wurde vor allem Walchhofer, der nach seinen zwei Trainingsbestzeiten als großer Favorit gegolten hatte, offensichtlich von den deutlich gestiegenen Temperaturen aus dem Konzept gebracht.

Denn während es an den Vortagen um die minus 20 Grad und extrem aggressive Schneeverhältnisse gehabt hatte, war es auf der rund 3.000 m hoch in den Rocky Mountains liegenden Strecke am Renntag mit minus 7 Grad geradezu lau. “Es war heute bei weitem nicht mehr so bissig. Vielleicht bin ich eine Spur zu weit gegangen und war etwas zu sensibel unterwegs”, bestätigte der 34-jährige Salzburger.

Vor allem die Steilhang-Ausfahrt misslang dem Ex-Weltmeister ordentlich. “Dieser Fehler hat sich dann bis ins Ziel ausgewirkt!” Der Doppelsieg der Eidgenossen fuchste Walchhofer sehr. “Dass die einen Doppelsieg haben und ich nicht mitreden kann, zipft mich an”, sagte der Altenmarkter. Er müsse nun Geduld haben. “Die Form stimmt, die Ergebnisse nicht. Jetzt gilt es, in Europa auch Ergebnisse zu bringen.”

Ähnliche Probleme hatte auch Klaus Kröll. Österreichs immer noch nach der Form suchender Weltranglisten-Zweiter wurde nur 15. “Ich weiß auch nicht, was heute los war, es wären meine Bedingungen gewesen. Ich hatte Grip-Probleme, Abstimmungsprobleme, habe ewig lange gebraucht, um um die Kurve zu kommen,” rätselte der Steirer. “Wir haben viel Arbeit vor uns!”

Für Kröll sprang zumindest ein wenig Mario Scheiber ein. Der zum ÖSV-Langzeitverletztentrio zählende Österreicher fuhr mit Startnummer 35 auf Platz zehn und jubelte über sein bestes Ergebnis seit dem Comeback. “Ich bin sehr glücklich. Die Verletzungen haben es noch schwerer gemacht”, freute sich der 26-Jährige, der wegen neuerlicher Knieprobleme (Knorpelschaden) auf einen Riesentorlauf-Start am Sonntag verzichtet und heim flog. Eine eventuelle Operation schloss Scheiber nach diesem Spitzenresultat aber aus.

Janka etablierte sich mit seinem ersten Abfahrtstriumph ausgerechnet auf einer der schwersten Strecken der Welt zum Fahrer des Augenblicks. In seinen fünf Saisonrennen hat der erst 23-jährige “Iceman” aus Graubünden nun zwei Siege und vier Podestplätze herausgefahren und führt mit 360 Punkten in der Gesamtwertung vor Cuche (319) und Benjamin Raich (201), der aber auf einen Abfahrtsstart verzichtet hatte.

Nach vier Siegen in sechs Rennen sind die Schweizer auch in der Mannschaftswertung klar voran. “Seit ich Riesentorlauf-Weltmeister bin, weiß ich, dass ich ganz vorne mitfahren kann”, erklärte Janka ruhig während Teamkollege Cuche meinte, Jankas Talent sei ein Gottesgeschenk.

Und Janka ist auch am Sonntag im abschließenden Riesentorlauf der große Favorit, er ist in dieser Disziplin Weltmeister. Der nervenstarke, aber meist auch scheinbar emotionslose Schweizer kann da in die Fußstapfen von Hermann Maier treten, der als bisher einziger Rennläufer in Beaver Creek drei Rennen in Serie gewonnen hat.

Maier ist nach seinem Rücktritt diesmal zwar nicht mehr in seinem “Wohnzimmer” dabei, wurde am Samstag von den tausenden Zuschauern aber dennoch heftig akklamiert. Beim ersten TV-Break wurden zu Ehren von Maiers bevorstehendem Geburtstag die “Höllenglocken” von AC/DC geläutet, ein Bild des Salzburgers eingespielt und an seine acht Erfolge auf der “Birds of Prey” erinnert. Schon bald soll auch ein Streckenteil nach Maier benannt werden.

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