Siemens drückt nach Rekordjahr weiter aufs Tempo

Der Elektrokonzern Siemens will nach einem Rekordjahr weiter Fahrt aufnehmen. Der Auftragseingang von zuletzt 81,2 Milliarden Euro soll auch ohne Zukäufe deutlich zulegen, wie Siemens am Donnerstag in München mitteilte. Gestützt vom dicken Auftragspolster erwartet das Management zudem die Rückkehr zu einem moderaten organischen Umsatzwachstum. Das Ergebnis der fortgeführten Aktivitäten soll sich um mindestens 25 bis 35 Prozent verbessern.

“Wir kommen mit vollem Schwung aus der Krise. Unser Wachstum gewinnt an Fahrt”, erklärte Konzernchef Peter Löscher. “Das positive Momentum werden wir ins nächste Jahr mitnehmen. Es gilt Auftrag um Auftrag zu gewinnen.”

Im vergangenen Geschäftsjahr 2009/10 (30. September) steigerte Siemens das operative Ergebnis in seinen drei Kerngeschäftsfeldern Industrie, Energie und Gesundheit von 7,5 Milliarden Euro auf den Bestwert von 7,8 Milliarden Euro. Dabei ist eine milliardenschwere Abschreibung auf das Diagnostik-Geschäft bereits berücksichtigt.

Unter dem Strich kletterte der Gewinn um 63 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Dank der kräftigen weltweiten Konjunkturerholung konnte das Unternehmen den Umsatz nahezu stabil halten bei rund 76 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte um 3 Prozent zu auf 81,2 Milliarden Euro.

Die Aktionäre sollen von der guten Entwicklung durch einen kräftigen Dividendenanstieg von 1,60 auf 2,70 Euro je Aktie profitieren. Künftig will das Unternehmen zwischen 30 und 50 Prozent des Nachsteuergewinns an seine Anteilseigner ausschütten. “Mit der neuen Dividendenpolitik setzen wir für langfristig orientierte Anleger einen weiteren Anreiz, in Siemens zu investieren”, sagte Löscher.

Siemens will seinen Konkurrenten Marktanteile abnehmen. Mit seinen neuen Zielvorgaben unter dem Titel “One Siemens” setzt das Unternehmen auf effizienten Kapitaleinsatz und will auf Konzernebene schneller wachsen als seine wichtigsten Wettbewerber, teilte die Siemens AG am Donnerstag in München weiter mit. Vergleichsbasis dafür sei das nominale durchschnittliche Umsatzwachstum der vergangenen vier Quartale. Damit verabschiedet sich das Unternehmen von seinem alten Ziel, stärker als die Weltwirtschaft zu wachsen.

Unter anderem will Siemens bei künftigen Zukäufen Mindestanforderungen setzen. Zwei Jahre nach dem Kauf sollten die Neuzugänge den Geschäftswertbeitrag steigern und spätestens nach drei Jahren die Kapitaleffizienzziele erfüllen.

Die neuen Zielvorgaben lösen das bisher geltende Unternehmensprogramm “Fit for 2010” ab und sind im Gegensatz dazu zeitlich nicht befristet. Nach den neuen Vorgaben will sich Siemens vor allem auf zukunftsträchtige Märkte wie die Umwelttechnik und das Servicegeschäft sowie auf wachstumsstarke Schwellenländer konzentrieren. Dabei rücken Infrastrukturlösungen für Städte stärker in den Fokus.

Nach der Vorlage von Zahlen haben die Siemens-Aktien am Donnerstag vorbörslich zugelegt. Sie stiegen bei Lang & Schwarz um 1,9 Prozent, womit sie an der Dax-Spitze lagen. Am Vorabend hatten die schwergewichteten Titel in einem schwachen Gesamtmarkt zwei Prozent auf 83,16 Euro verloren.

“Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gut aus”, sagte ein Händler. Ein anderer sprach von soliden Bilanzdaten, schloss aber nicht aus, dass es im Tagesverlauf zu Gewinnmitnahmen kommen könnte. Die Siemens-Titel haben sich seit Jahresgewinn um rund 30 Prozent verteuert.

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