Sicherheitsrisiko Feuerzeug: Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in Wien

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen führen zu Verzögerungen - und Unmut.
Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen führen zu Verzögerungen - und Unmut. ©ap
Seit Wochen sind beim Straflandesgericht täglich Menschentrauben zu sehen. Das Präsidium hat verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet, weshalb beim Haupteingang auf der Landesgerichtsstraße und beim Hintereingang in der Wickenburggasse oft Dutzende Personen in langen Schlangen vor der Sicherheitsschleuse stehen. Und das führt zu Unmut.

Die “Group 4”-Mitarbeiter wurden seitens des Gerichts angewiesen, auch jene Personen, die bisher gegen Vorweis eines Lichtbildausweises ohne nähere Kontrolle die Schleuse passieren durften – Rechtsanwälte, Dolmetscher, Sachverständige und Gerichtsberichterstatter, die dem Sicherheitspersonal oft täglich begegnen und daher vertraut sind – näher zu inspizieren und diese in einer handschriftlich zu führenden Besucherliste zu erfassen. 

Zudem wurde der Kreis an Gegenständen, die als Sicherheitsrisiko eingestuft werden, offensichtlich ausgeweitet. Nicht nur Taschenmesser, Nagelfeilen und Regenschirme müssen nun beim Betreten des Grauen Hauses abgegeben werden.

Feuerzeug abgenommen: Gefahr für die Sicherheit

Am Donnerstag wurden einer ORF-Mitarbeiterin und einem “Standard”-Redakteur – beide offensichtlich Raucher – Feuerzeuge abgenommen, wobei die Journalisten einen schriftlichen Vermerk über den vorübergehend beschlagnahmten brandgefährlichen Gegenstand ausgestellt bekamen, den sie beim Verlassen des Gerichtsgebäudes wieder abholen und einstecken durften. Auch Deos und  Taschenspiegel wurden bereits aus dem Verkehr gezogen.

Dieses Prozedere führt naturgemäß zu Verzögerungen bei der Abfertigung der Warteschlange, in der sich naturgemäß auch Schöffen und auf freiem Fuß befindliche Angeklagte befinden. Die Folge: Verhandlungen im Grauen Haus beginnen mittlerweile oftmals mit erheblicher Verspätung. So konnte der Prozess um die Zivildiener-Affäre im Wiener AKH sowohl am Mittwoch als auch heute, Donnerstag, erst 30 Minuten nach dem an sich vorgesehenen Beginn starten, da Schöffen in der Warteschlange “festsaßen”.

Auch im Prozess gegen gewalttätige “Rapid”-Fans, der seit Anfang Oktober läuft, schaffen es die Angeklagten regelmäßig nicht pünktlich in den Verhandlungssaal, obwohl sie deutlich vor 9.00 Uhr vor dem Grauen Haus eintreffen.

Unmut wegen langen Warteschlangen

Bei Verteidigern, aber auch Vertretern der Richterschaft ist mittlerweile Unmut über diese Verzögerungen zu spüren. Die Situation führt auch zu skurrilen Szenen: So ist in der Warteschlange in der Wickenburggasse regelmäßig ein junger Mann mit einem Einkaufstrolley anzutreffen.

Der Bursch, der sich immer brav in die Schlange einordnet und nicht vordrängt, ist als Zivildiener beschäftigt und hat von der Polizei beschlagnahmte Wertsachen in das gerichtliche Depositenlager zu überstellen. Auf die Frage, was er denn heute in seinem offensichtlich prall gefüllten Wagerl mit sich führe, erwiderte er am Donnerstag nach minutenlanger Warterei freimütig: “Drogen.”

(apa)

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