"Servitenviertel" droht Zukunft ohne Serviten

Der Servitenorden will sich nach 370-jähriger Präsenz aus seiner Niederlassung in Wien-Alsergrund zurückziehen. Das bekannte Wiener "Servitenviertel" könnte mit der 1639 gegründeten Niederlassung des Ordens seinen Namensgeber verlieren.

Grund für den Rückzug sind “zunehmend eingeschränkte finanzielle und personelle Ressourcen”, wie der Provinzial der Tiroler Servitenprovinz, P. Gottfried Wolff, im Gespräch mit “Kathpress” bestätigte. Der Orden könne im “überschaubaren Zeitrahmen der nächsten zehn bis 15 Jahre den Wiener Konvent” nicht ausreichend besetzen, heißt es in einer Erklärung der Provinzleitung. Den Serviten sei bewusst, dass durch die Schließung des Klosters “viele Menschen enttäuscht und verletzt werden”; auch für die Ordensgemeinschaft sei es “ein schmerzlicher Prozess”. Man wolle sich aber um eine gute Nachfolgelösung für den Konvent und die Pfarre in Wien bemühen.

 

Im Wiener Servitenkloster leben heute noch vier Ordensmänner. Sie betreiben ein Studentenheim sowie eine kleine Asylwerber-Unterkunft und sorgen insbesondere für die Seelsorge in der Pfarre Rossau. Auch aus der Pfarrseelsorge im 9. Bezirk wollen sich die Serviten mit der Aufgabe des Klosters zurückziehen.

 

Als Termin für die kanonische Schließung des Klosters hat das Provinzkonsilium den 31. August genannt. Über die Zukunft der kirchlichen Präsenz im Servitenviertel wird es nun weitere Gespräche geben. Denkbar ist, dass die Erzdiözese die Pfarre übernimmt oder – wie 2006 nach dem Rückzug der Serviten aus dem tschechischen Kloster Gratzen (Nove Hrady) – eine andere geistliche Gemeinschaft in das Kloster einzieht.

Die Initiative “Pro Serviten” will sich mit der Entscheidung der Serviten nicht abfinden. Sie hat nach dem Bekanntwerden der Schließungspläne vor zwei Wochen eine Unterschriftenaktion zum Verbleib der Serviten in Wien gestartet, mittlerweile wurden bereits mehr als 1.200 Unterstützungserklärungen gesammelt. “Der Name Servitenviertel ist in der Bevölkerung verankert”, meint Dietmar Hübsch von der Initiative: “Das kollektive Bewusstsein in der Rossau gäbe es ohne die Serviten so nicht”. Die Initiative, die auch von Bezirkspolitikern unterstützt wird, will den Servitenorden von einer Weiterführung des Klosters in Wien überzeugen und hat sich mit Briefen u.a. an Provinzial P. Wolff und den Generalprior des Servitenordens, P. Angel M. Ruiz Garnica, gewendet.

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