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Serbischer Chefdiplomat: Kritik aus eigenen Reihen

Kaum hatte sich der Internationale Gerichtshof (IGH) für die kroatische Völkermord-Klage gegen Belgrad für zuständig erklärt, erfolgte die Reaktion des jungen serbischen Chefdiplomaten Vuk Jeremic auf den Fuß.

Belgrad werde Gegenklage wegen ethnischer Säuberung und Kriegsverbrechen während der kroatischen Militäroperation “Oluja” zur Rückeroberung der Krajina im Sommer 1995 einreichen, verkündete der Außenminister.

Dabei hat die Regierung in Belgrad allen Anscheins nach offiziell noch gar keine Entscheidung über eine Gegenklage gefasst. Der Rechtsvertreter Serbiens vor dem Internationalen Gerichtshof, Tibor Varadi, hatte am Dienstag zwar von der Möglichkeit einer Gegenklage Belgrads gesprochen, diese wäre aber eine politische Entscheidung. Auch Justizministerin Snezana Malovic sagte, darüber werde erst ein Beschluss gefasst werden.

Der seit Mai 2007 amtierende 33-jährige Chefdiplomat Serbiens sorgt immer häufiger für negatives Aufsehen. Dem einstigen außenpolitischen Berater von Präsident Boris Tadic, der in den 90ern in Cambridge Naturwissenschaften absolviert hatte, wird in Belgrad immer häufiger undiplomatisches Verhalten vorgeworfen. Im serbischen Außenministerium wird seit Monaten darüber gemunkelt.

Der einstige serbische Minister für den Kosovo, Slobodan Samardzic, beschuldigte den Außenminister kürzlich zum ersten Mal öffentlich, den Interessen Serbiens Schaden zugefügt zu haben. Kaum war die Einigung Belgrads mit den Vereinten Nationen über die Umgestaltung der UN-Mission im Kosovo (UNMIK) in den Bereichen Polizei, Zoll- und Justizwesen fixiert worden – und noch bevor Pristina zugestimmt hatte -, hatte sich Jeremic zu Wort gemeldet. Der Plan zur UNMIK-Umgestaltung werde den Vorschlag von Ex-UNO-Vermittler Martti Ahtisaari über eine “überwachte Unabhängigkeit” des Kosovo “begraben”, verkündete Jeremic selbstzufrieden.

Zwei Wochen später scheint die Umsetzung des Sechs-Punkte-Plans zur UNMIK-Umgestaltung äußerst fraglich. Die kosovarische Regierung sieht in ihm die Gefahr einer Teilung des jungen Staates und beharrt auf genauer Umsetzung des Ahtisaari-Plans. Auf ihn hatte sich die Ausrufung der Unabhängigkeit des Kosovo im Februar gestützt, aber auch die EU-Entscheidung über die Entsendung einer eigenen Rechtsstaatsmission in den Kosovo

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