Serbiens Außenminister: "Kroatien an Status Quo schuld"

Der serbische Außenminister Vuk Jeremic hat Kroatien beschuldigt, die Verantwortung für die stagnierenden Beziehungen zwischen Belgrad und Zagreb zu tragen.

Zagreb sei der “lauteste Befürworter” der kosovarischen Unabhängigkeit in den internationalen Gremien, unterstrich Jeremic. Er reagierte damit laut Belgrader Medienberichten auf die Feststellung des kroatischen Präsidenten Stjepan Mesic, dass die Beziehungen zwischen den zwei Staaten stagnierten.”Kroatien verhält sich Serbien gegenüber auf eine Weise, die für die Erzielung gutnachbarlicher Beziehungen in der Region absolut nicht passend ist”, unterstrich Jeremic.

“Kroatien ist das Land, das Serbien für den Völkermord verklagt hat. Die Klage wird vom Internationalen Gerichtshof (IGH) erwogen. Auch die Art und Weise, auf welche das Eigentum der Serben und das serbische Kapital in Kroatien behandelt werden, ist nicht eine passende”, meinte der serbische Außenminister gegenüber dem Fernsehsender B92.

“Die Weise, auf welche sich der kroatische Staat verhält, ist der Grund dafür, dass unsere Beziehungen eben solche sind”, so Jeremic. Der serbische Außenminister verwies Medien gegenüber auch darauf hin, dass der Botschafter Belgrads kürzlich nach Zagreb zurückgekehrt war.

Er war nach Serbien zurückbeordert worden, nachdem Kroatien im Frühjahr den Kosovo anerkannt hatte. Außerdem lehnt Belgrad die Unterstützung Kroatiens für den Plan des früheren Kosovo-Vermittlers Martti Ahtisaari zur “überwachten Unabhängigkeit” des Kosovo ab. Der Kosovo hatte im Februar einseitig seine Unabhängigkeit ausgerufen und wurde bis dato von 52 Staaten, darunter auch Österreich, anerkannt.

Der Internationale Gerichtshof (IGH) soll sich am 18. November zu seiner Zuständigkeit in der im Jahr 1999 eingereichten Genozid-Klage Kroatiens gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien äußern. Belgrad bestreitet die IGH-Zuständigkeit in diesem Fall. Die Bundesrepublik Jugoslawien, deren Nachfolgerin Serbien ist, war 1999 nämlich kein UNO-Mitglied.

In serbischen Wirtschaftskreisen wird kroatischen Behörden zudem anhaltend vorgeworfen, Investitionen serbischen Kapitals in den kroatischen Markt zu erschweren. Nach Angaben serbischer offizieller Stellen haben kroatische Firmen zwischen 2000 und 2006 in Serbien 328,6 Mio. Euro investiert, in Kroatien wurden bis Ende 2005 allerdings nur bescheidene serbische Investitionen im Wert von 130.000 Euro registriert.

Unter anderem wird auch auf die vergeblichen Bemühungen von Delta, der Firma des reichsten Serben Milorad Miskovic, für einen Einstieg in Kroatien hingewiesen. Im bilateralen Handel, der in den ersten sieben Jahresmonaten den Wert von knapp 600 Mio. Dollar verbuchte, musste Serbien ebenfalls ein Defizit in der Höhe von knapp 60 Mio. Dollar hinnehmen.

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