Selbstmordanschlag in Moskau: Auch Österreicher unter den Opfern

Nach dem Selbstmordattentat auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo ist die Zahl der Toten auf 35 gestiegen. Laut österreichischem Außenministerium befindet sich auch ein Österreicher unter den Todesopfern - vermutlich ein Linzer.
So passierte der Anschlag
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Grafik: Ort des Anschlags
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Stichwort: Flughafen Domodedowo
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Selbstmordanschlag in Moskau

Bei dem verheerenden Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo ist offenbar auch ein Österreicher umgekommen. “Es gibt konkrete Hinweise, dass sich ein Österreicher unter den Todesopfern befindet”, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Harald Stranzl, der APA am Dienstag auf Anfrage. Der Identifizierung sei aber noch nicht abgeschlossen, betonte Stranzl, so dass noch keine hundertprozentige Klarheit herrsche.

Weiters sei “nicht auszuschließen”, dass eine Österreicherin von dem Anschlag in irgendeiner Form betroffen sein könnte. Diese Person könnte sich auf dem Flughafen Domodedowo aufgehalten haben und sei nach Angaben eines ihrer Arbeitskollegen “im Moment nicht erreichbar”. Auch dem wird nachgegangen.

Die österreichische Botschafterin in Moskau, Margot Klestil-Löffler, sei von den russischen Behörden gebeten worden, bei der Identifizierung des möglicherweise getöteten Österreichers behilflich zu sein, sagte Ministeriums-Sprecher Stranzl. Man arbeite mit den russischen Behörden zusammen.

Laut der “Kronenzeitung” handelt es sich bei dem österreichischen Todesopfer um einen Linzer. Die “Oberösterreichischen Nachrichten” schrieben in ihrer Dienstag-Ausgabe: “Unter den Opfern ist auch ein Österreicher. Der Familienvater war beruflich in Russland und wollte über Moskau zurück in die Heimat fliegen.”

Die Identifizierung der Opfer des Bombenanschlags vom gestrigen Montag gestaltet sich aufgrund der Explosionswucht und durch umherfliegende Metallteile des Sprengsatzes schwierig. Man bemühe sich rasch Klarheit in Sachen des möglichen österreichischen Todesopfers herzustellen, hieß es aus dem Außenamt. Viele Tote und Verletzte seien noch nicht identifiziert.

Insgesamt starben bei dem Selbstmordanschlag 35 Menschen, darunter angeblich acht Ausländer. Das russische Notfallministerium teilte am Dienstag laut der Agentur AP mit, es handle sich bei den getöteten Nicht-Russen um einen Deutschen, zwei Briten sowie weitere Todesopfer aus Bulgarien, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan und der Ukraine.

110 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schweben in Lebensgefahr. Es bekannte sich zunächst niemand zu der Tat. Der Verdacht fiel aber auf militante Islamisten aus Tschetschenien, die auch schon früher Anschläge in Russland verübten.

Der russische Staatspräsident Dmitri Medwedew forderte in einem Zeitungsinterview die Bestrafung der Flughafen-Sicherheitsverantwortlichen. Es habe eklatante Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften gegeben, sagte Medwedew der Zeitung “Wedomosti”. Medwedew will auf einer Sitzung an diesem Dienstag mit Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB die Sicherheitslage erörtern. Zuvor hatte er auf Bahnhöfen und Flughäfen sowie an weiteren Verkehrsknotenpunkten eine erhöhte Sicherheitsstufe angeordnet.

Die Lage auf dem größten Airport der russischen Hauptstadt, Domodedowo, sei nun wieder ruhig, berichteten Medien. Der Betrieb laufe wieder geregelt.

Regierungen verurteilen Anschlag

Regierungen weltweit haben den Anschlag im Flughafen Moskau-Domodedowo mit mindestens 35 Toten und zahlreichen Verletzten scharf verurteilt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew kritisierte, dass Sicherheitsvorkehrungen offenbar zu lax gehandhabt wurden. Die Gesetze würden nicht konsequent genug eingehalten, sagte er. Wegen der aktuellen Lage sagte er kurzfristig seine Eröffnungsrede auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos ab, zu dem er am Dienstag fliegen wollte.

Staatschef Medwedew ordnete die Einsetzung eines “speziellen Sicherheitssystems” in allen Bahnhöfen und Flughäfen des Landes an. Die Polizei in Moskau wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, die Sicherheitsvorkehrungen in der U-Bahn und an den anderen Flughäfen wurden verstärkt. Ermittler beschlagnahmten Videos von den Überwachungskameras, die die Explosion aufgezeichnet hatten. Nach Medienberichten soll der FSB schon seit einer Woche über Anschlagspläne informiert gewesen sein.

US-Präsident Barack Obama nannte den Anschlag vom Montag “abscheulich”. Obamas Sprecher Robert Gibbs sagte, die USA würden die russischen Behörden in jeder möglichen Form unterstützen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich “entsetzt” über den “durch nichts zu rechtfertigenden” Anschlag. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte, er verurteile diese “entsetzliche Tat zutiefst”. Der Terrorismus sei eine “gemeinsame Bedrohung, der wir uns vereint stellen müssen”.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem “feigen Anschlag”. Merkel sprach Russlands Staatschef Medwedew ihr “tief empfundenes Mitgefühl” und den Opfern ihre Anteilnahme aus. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy forderte eine rasche Bestrafung der Drahtzieher des Anschlags. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu forderte eine internationale Reaktion gegen den Terrorismus. Kanadas Regierungschef Stephen Harper sagte, die Anwendung von Gewalt gegen unschuldige Menschen dürfe niemals toleriert werden. Australiens Premierministerin Julia Gillard verurteilte den Anschlag als “brutale Attacke”.

Die Explosion hatte die Ankunftshalle des internationalen Terminals getroffen. Russische Ermittler leiteten eine Untersuchung wegen eines “Terrorakts” ein, gefahndet wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax nach drei Verdächtigen. Am Anschlagsort wurde offenbar der Kopf des mutmaßlichen Attentäters gefunden. Es handle sich um einen Mann zwischen 30 und 35 Jahren mit “arabischem Aussehen”, berichtete Interfax unter Berufung auf Polizeikreise.

Augenzeugen berichteten von einem regelrechten Blutbad. “Ich war zehn Meter von der Explosion entfernt”, sagte Artem Schilenkow der Nachrichtenagentur AFP. “Auf einmal ist das Licht ausgegangen, schwarzer Rauch hat sich ausgebreitet. Es ist eine Panik ausgebrochen, alle hatten Angst vor einer zweiten Explosion.” Seinen Angaben zufolge waren unter den Opfern viele Taxifahrer, die auf Kundschaft gewartet hatten.

Der Russland-Beauftragte der deutschen Bundesregierung, Andreas Schockenhoff (CDU), warnte vor einer Polarisierung der russischen Bevölkerung in Folge des Anschlags. Es drohten Gewalt und Diskriminierung gegenüber Nicht-Russen, sagte er der “Passauer Neuen Presse”.

Video aus Moskau

Domodedowo moscow airport

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