Seit Jahren wird gegen die Abschiebung von Hikmet K. gekämpft

Hikmet K. (ganz links) und seine Familie leben mit der täglichen Angst vor einer Abschiebung.
Hikmet K. (ganz links) und seine Familie leben mit der täglichen Angst vor einer Abschiebung. ©Screenshot Facebook
Bereits seit 2010 liegt gegen Hikmet K. und seine Familie ein gültiger Ausweisungsbescheid vor. Sie haben um humanitäres Bleiberecht angesucht und mittlerweile zahlreiche Unterstützer gefunden. Der 13-Jährige Hikmet besucht die AHS in der Fichtnergasse und gilt dort als Musterschüler. Er und seine beiden Geschwister wurden zwar mehrsprachig erzogen, haben jedoch noch nie in Aserbaidschan gelebt.

Auf Facebook macht derzeit ein Foto des Bundespräsidenten Heinz Fischer mit einer Schülergruppe die Runde. Einer der abgebildeten Buben ist Hikmet. Seine Eltern stammen ursprünglich aus Aserbaidschan, sind aber bereits vor Jahren illegal nach Russland ausgewandert, da sie in ihrer Heimat verfolgt wurden. Vor zehn Jahren reiste der Vater der Familie dann nach Österreich, zwei Jahre später kam die Mutter mit Hikmet nach. 2004 stellten sie einen Asylantrag, der bereits 2005 abgelehnt wurde. Seitdem wurden immer wieder Einsprüche angelegt und auch der Ausweisungsbescheid wurde noch nicht vollzogen. Die mittlerweile fünfköpfige Familie, Hikmets Geschwister Nermin und Mehdi sind beide in Österreich geboren, lebt mit der Angst vor einer Abschiebung nach Aserbaidschan. Ein Land, in dem sie keine Verwandten oder Freunde haben und das sie bereits vor mehr als 15 Jahren verlassen haben.

Bundespräsident Heinz Fischer kennt den Fall

Die Familie wird von der Diakonie betreut und hat in Wien viele Freunde, Bekannte und Unterstützer gefunden. Eine von ihnen ist Ilse Oberhofer, eine ehemalige ORF-Journalistin. Sie hat auf Facebook die Initiative „Hikmet muss bleiben“ gestartet und setzt sich bereits seit Jahren für die Familie ein. Als sie 2010 das Bild von Hikmet und Heinz Fischer zufällig auf der Homepage des Bundespräsidenten entdeckte, schrieb sie einen Brief an ihn, um ihn auf den Fall aufmerksam zu machen. In dem Antwortschreiben, das VIENNA.AT vorliegt, hieß es wörtlich, dass es sich um ein Thema handle, das Heinz Fischer „interessiert und auch menschlich berührt“. Der Familie direkt helfen könne er jedoch nicht: „Eine direkte Einflussnahme des Bundespräsidenten auf die Handhabung der maßgeblichen Vorschriften ist allerdings in unserer Rechtsordnung nicht vorgesehen; es steht ihm auch nicht zu, in der Gesetzgebung die Initiative zu ergreifen“, heißt es in dem Brief weiter. Das gemeinsame Bild ist übrigens bei einem Besuch Fischers in Hikmets Schule entstanden – der Bundespräsident war selber Schüler dort.

Hikmet gilt als Musterschüler

Kennengelernt hat Ilse Oberhofer Hikmet und seine Familie, als sie vor Jahren gebeten wurde, mit dem Jungen Deutsch zu lernen. „Er war ein guter und begabter Schüler, der nur leichte sprachliche Probleme hatte“, erzählt sie im Gespräch mit VIENNA.AT. Und diese Probleme konnte er leicht aufholen. Auch die Direktorin seiner Schule hat für die MA 35, welche zuständig ist für die Entscheidung über das humanitäre Bleiberecht, eine Stellungnahme geschrieben, in der sie betont, dass Hikmet ein guter Schüler ist. Aber die Sorge um die Abschiebung ging auch an ihm nicht spurlos vorbei: Als die Deutschkenntnisse seiner Eltern noch schlechter waren, musste er sie mehrfach bei Besuchen beim Psychiater begleiten und für sie dolmetschen. Er weiß also genau, was seinen Eltern in der Heimat zugestoßen ist und entsprechend kennt er auch ihre Befürchtungen für ein Leben in dem für die Kinder völlig fremden Land.

Abschiebung der Familie droht

Auch in Österreich hat die Familie nicht nur gute Erfahrungen gemacht: Die Botschaft Aserbaidschans stellt ihnen keine Pässe aus, da sie keine gültigen Papiere vorweisen können und die Fremdenpolizei hat sie mehrfach dazu gedrängt, Papiere zu unterschreiben, mit denen sie „freiwillig“ ihre Ausreise beantragen. Nun hofft die Familie auf zahlreiche weitere Unterstützer, denn in ähnlichen Fällen sorgte das Bekanntwerden von Einzelschicksalen für ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern. Eine Zukunft der Familie in Österreich hängt letztlich von einem Schriftstück ab, denn beide Elternteile haben bereits seit Längerem die Aussicht auf einen Job. Eingestellt werden können sie allerdings erst, wenn ihnen das humanitäre Bleiberecht gewährt wurde. (SVA)

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