Seit 20 Jahren kommt der Nobelpreis vom Bisamberg

© Atelier Rücker
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809 Laureaten inklusive der zwölf jüngsten Zugänge zählt das Nobelpreis-Komitee bis dato als Träger ihrer hoch begehrten Auszeichnung. 156 Originalurkunden stammen dabei aus der Feder der Kalligraphin Annika Rücker: "Ich glaube, das ist Weltrekord."

Seit 20 Jahren entwirft die in Schweden geborene Tochter eines Österreichers die Urkunden in den Bereichen Physik, Chemie, Wirtschaft und Literatur. “Heuer sind sie besonders schön geworden”, freut sich Rücker in ihrem Atelier in Hagenbrunn am Fuße des Bisamberges gegenüber der APA über ihre gerade abgeschlossenen Arbeiten. Sie werden am 10. Dezember in Stockholm verliehen.

Eine Ledermappe mit einem Monogramm des Preisträgers auf der Vorderseite, ein Bild eines schwedischen Künstlers und das Diplom inklusive Begründung – alles farblich abgestimmt, so gestaltet sich das Endprodukt. Lederproben, Farbkopien der Kunstwerke und Schriftentwürfe auf Rückers Schreibtisch zeugen von der Arbeit der vergangenen sechs Wochen. Sie waren die Grundlage für die acht Urkunden (heuer gab es jeweils drei Preisträger in Physik und Chemie), die Ende November per Spezialversand nach Stockholm gingen.

“Ich fange in der Sekunde an, in der ich im Radio höre, wer den Preis bekommen hat”, so Rücker. Zu diesem Zeitpunkt müsse sie fit sein, viele schlaflose Nächte liegen vor ihr. “Ich fange an, Schwarz-weiß-Entwürfe zu machen. Zuerst von den Monogrammen, dann von den Texten.” Auf Zehntel Millimeter genau werden der Abstand der Buchstaben und Wörter, die Größe von Buchstaben und die Anordnung des Textes ausprobiert. Der in Schwedisch gehaltene Text für das Diplom wurde Rücker zuvor aus Stockholm zugeschickt. Gleichzeitig wartet sie auf Unterlagen von den Künstlern – auch sie beginnen ihre Arbeit erst mit dem Tag der Bekanntgabe der Nobelpreisträger Anfang Oktober.

“Ich arbeite auch mit Blattgold”, verweist Rücker auf Elemente auf der Urkunde des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreisträgers, dem US-Ökonomen Paul Krugman. Auf die Farben des jeweiligen Bildes abgestimmt ist auch die Schrift. Zur Demonstration mischt die Kalligraphin die Aquarellfarben, tunkt ihren Pinsel hinein und füllt damit ihren Gänsekiel. Mit Leichtigkeit führt sie die Feder über ein Stückchen Büttenpapier. “Ich kann nicht einmal einen ganzen Buchstaben schreiben ohne abzusetzen.”

Ihre Spezialität seien die Farbschattierungen: fließende Übergänge in den Strichen der einzelnen Buchstaben. Dabei ist das Farbenspiel auf der Urkunde ein echtes Original, geübt wird nur in schwarz-weiß, mit der Farbe geht es gleich auf das Dokument. “Ich darf keine Fehler machen.”

Nun reist sie erst einmal nach Stockholm, schließlich ist sie jedes Jahr zu den Festlichkeiten rund um die Verleihung eingeladen: “Schön sind die Empfänge vorher, wo ich jedem Preisträger die Hand schütteln kann – auch das ist eine große Ehre.”

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