Seefestspiele Mörbisch mit "Eine Nacht in Venedig"

Nach "Anatevka" wieder klassische Operetten-Kost
Nach "Anatevka" wieder klassische Operetten-Kost
Nach einem Abstecher mit dem Musical "Anatevka" kommt bei den Seefestspielen Mörbisch von 9. Juli bis 22. August 2015 wieder klassische Operette auf die Bühne: Den magischen Karneval aus Johann Strauss' "Eine Nacht in Venedig" verlegt Regisseur Karl Absenger aus dem 18. Jahrhundert ins Heute - inklusive anlegendem Kreuzfahrtschiff, wie bei der Präsentation am Dienstag in Wien verraten wurde.


Zum fünften Mal steht die Verkleidungs- und Verwechslungskomödie von Strauss in Mörbisch auf dem Programm, zuletzt wurde sie 1999 auf der Seebühne inszeniert. Die damals “sehr tolle Aufführung” sei nun “Ansporn, was Tolles auf die Bühne zu stellen”, so Intendantin Dagmar Schellenberger, die für die Pressekonferenz zu ihrer dritten Saison passend zum Thema ins Italienische Kulturinstitut geladen hatte. Die 1883 uraufgeführte Operette dreht sich um den Herzog von Urbino, einem Frauenhelden, und dessen Leibbarbier Caramello, die in einer Karnevalsnacht in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Liebeswirrungen geraten.

Die durch Masken und Verkleidungen erzeugten Verwechslungen verlegen Absenger und Bühnenbildner Walter Vogelweider, die schon für “Anatevka” verantwortlich gezeichnet haben, bewusst in die Gegenwart. “Wir wollen mit der Produktion sagen: Zeigt euer wahres Ich, eure Seele das ganze Jahr über”, so Absenger, der mit seiner Inszenierung aus der Strauss-Operette “was ganz Anderes machen” und “eine Verbindung zwischen dem Publikum und der Bühne schaffen” will. “Das geht nur, wenn die Geschichte nicht vor 200 Jahren spielt, sondern heute.”

Ein Kreuzfahrtschiff als Kulisse verwundere vorerst vielleicht, so Absenger, der zugleich versicherte: “Wir spinnen auf hohem Niveau. Das heißt: Was wir uns ausdenken, können wir auch umsetzen.” Das Schiff, das an der Lagunenstadt anlegt und “von dem aus die Nacht in Venedig ihren Lauf nimmt” wird auf der erstmaligen Drehbühne von einer Stadtkulisse (inklusive dem 1902 eingestürzten und 1912 wiederaufgebauten Campanile) flankiert und zeigt bei Drehung sein Inneres. “Wir heben ab”, versprach Vogelweider, der mit “Verstand, Fantasie und Humor” alle Geschmäcker treffen will.

Etwaige Skepsis nahm Absenger vorweg: “Glauben Sie uns, wir machen etwas Neues, aber wir bleiben bei der Operette.” Die Kostüme steuert Susanne Thomasberger bei, als Dirigent gibt Andreas Schüller sein Mörbisch-Debüt. Aus dem Konglomerat an verschiedensten Fassungen, die Strauss hinterlassen habe, komme “eine sehr opulente, ganz neue, verlängerte Fassung” zur Aufführung, so Schüller.

Als Solisten stehen u.a. Herbert Lippert als glutäugiger Kapitän Belami, Roman Martin als Pappacoda und Mirko Roschkowski als Caramello auf der Bühne. Die hübsche Annina geben Elena Pustza und Annika Gerhards; als das Geschehen kommentierendes Senatoren-Trio treten Heinz Zednik, Ernst-Dieter Suttheimer und Joesi Prokopetz auf, wobei letzterer die gewitzten Wortwechsel textete. Zu Prokopetz stoßen mit Otto Jaus als Enrico und Verena Scheitz als Agricola zwei weitere heimische Kabarettisten dazu. Zwei ungewöhnliche Besetzungen gibt es in den Nebenrollen der Senatorengattinnen: Mit Marina Alsen, die bereits als Zwölfjährige in Mörbisch auf der Bühne stand, übernimmt die Tochter des Seefestspiele-Gründers Herbert Alsen ebenso eine Nebenrolle wie Intendantin Schellenberger höchstpersönlich, die dafür ihre Bühnenpause unterbricht.

Neben “Eine Nacht in Venedig” sind auch für 2015 weitere Veranstaltungen auf der Seebühne geplant, darunter das “Feuerwerk der Blasmusik” zum 50-Jahres-Jubiläum des Burgenländischen Blasmusikverbands. In der Neuen kleinen Spielstätte sind u.a. Kabarettabende mit Prokopetz bzw. Scheitz fixiert. Die diesjährige Saison hat 168.000 Besucher angezogen, wobei allein 127.000 “Anatevka” gesehen haben. “Damit haben wir die Trendwende geschafft”, zeigte sich Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ) als Vorsitzender des Festspiel-Präsidiums stolz. Als Erfolgsfaktoren nannte er nicht zuletzt Intendantin Schellenberger, den Bühnenumbau 2013 und die Stückauswahl, wobei “wir hoffen, heuer das Publikum auch für Operette zu gewinnen, nicht nur für Musical”.

(S E R V I C E – “Eine Nacht in Venedig”, Seefestspiele Mörbisch, 9. Juli (Premiere) bis 22. August 2015. Regie: Karl Absenger, Bühne: Walter Vogelweider, Kostüme: Susanne Thomasberger, Dirigent: Andreas Schüller. Mit u.a. Herbert Lippert, Mirko Rochkowski, Roman Martin, Elena Puszta, Heinz Zednik, Joesi Prokopetz.)

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