Scott Stapp mit 2. Solo-Album: "Die Leute sollen den Künstler in mir sehen"

Scott Stapp ist sich seiner Fehler in der Vergangenheit bewusst.
Scott Stapp ist sich seiner Fehler in der Vergangenheit bewusst. ©Universal Music
Der ehemalige Creed-Frontmann gibt ein "Lebenszeichen" von sich: Mit "Proof of Life" präsentiert Scott Stapp sein zweites Solo-Album - und versucht damit nicht zuletzt, sein geläutertes Selbst unter Beweis zu stellen.

Scott Stapp spaltet wohl die Gemüter. Ein Lebensverächter, der, das Schwert der Christlichkeit schwingend, wieder den Weg der Besserung und Tugend gelobt? Oder ein Rocker, der sich einfach nur von ganz unten wieder hinauf zu singen versucht, Marke „gebt ihm doch eine Chance”?

Fakt ist: Mit “Proof of Life” geht Stapp mit sich selbst ins Gericht. Das Jahrzehnt auf der Überholspur mit Creed, eine der US-Kultbands der 2000er-Jahre, ging nämlich bei weitem nicht spurlos an ihm vorbei. Ob es zuviel Druck, zu viel Erfolg, oder von allem ein bisschen war: Stapp beschritt in den vergangenen  Jahren einen Weg der langsamen Selbstzerstörung, gepflastert mit Drogen, Alkohol-Exzessen, Depressionen und religiösen Hirngespinsten. Das gipfelte nicht nur darin, dass sich seine Bandkollegen von ihrem Frontmann lösten – Scott Stapp trieb sich selbst beinahe in den Selbstmord. “Es gab eine Zeit in meinem Leben, da dachte ich, ich hätte wirklich alles verloren. Es gab keine Musik mehr. Und ich habe geglaubt, ich komme da nie mehr heraus, ” verrät der 40-Jährige im Interview.

Scott Stapp und die Läuterung

Heraus kam er schließlich doch noch. Und unterzog sich einem langen Prozess der Selbstreflexion. “Ich habe gewusst, dass ich in diesen Jahren echt viel Mist gebaut habe. Mich damit auseinanderzusetzen war wohl der schwierigste Teil – aber letztendlich geht es im Rock’n’Roll ja um die Konfrontation. Ich wollte den Menschen meine Geschichte erzählen – und zeigen, dass ich trotz allem noch Musiker bin. Die Leute sollten wieder den Künstler in mir sehen.”

Scott Stapp machte sich daran, seinen selbstzerstörerischen Leidensweg in Worte zu fassen. Er schrieb die Autobiografie “Sinner’s Creed” – die Geschichten daraus finden sich nicht zufällig auch auf seinem zweiten Solo-Album “Proof of Life” wieder. “Das war das ehrlichste Album, das ich je gemacht habe. Es lässt keinen Raum für weite Interpretationen – diese Platte erzählt von mir und von dem, der ich sein möchte. Es hat sich richtig angefühlt, das musikalisch mit der Welt zu teilen.”

Und da war ja noch Jesus …

Scott Stapp röhrt und gröhlt also wieder; “Proof of Life” kommt zunächst mit viel Rock und Grunge-Elementen daher, wird beim genauen Hinhören dann aber doch recht poppig und fast schon ein wenig zu gängig. Die Reaktionen sind gespalten – Fans des 40-jährigen Rockers werden dem Nachschub positiver gegenüber stehen, Skeptikern wird der Pathos-Gesang wohl ein wenig zuviel werden. Mit der Single-Auskopplung “Slow Suicide” schoss Stapp  – der in den vergangenen Jahren stets glühend unterstrichen hat, kein “Christlicher Rocker” zu sein – auf Platz 1 der Christian Billboard Charts.

Dass er erkannt hat, dass Jesus ihn (scheinbar) liebt, besingt Stapp viel und gerne auf seinem neuen Werk. Singles wie “Jesus Was A Rockstar” sind wohl ein wenig zu viel des Guten – der Groove auf der Platte zeigt aber, dass Scott Stapp zumindest wieder auf einem besseren Weg zu sein scheint.

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