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Schweizer Forscher entwickelten neuen Impfstoff gegen Hirntumore

Das neue Präparat soll das Immunsystem dazu bringen, Tumorzellen gezielt abzutöten.
Das neue Präparat soll das Immunsystem dazu bringen, Tumorzellen gezielt abzutöten. ©DAPD Symbolbild
Schweizer Forscher haben einen Impfstoff gegen die tödlichste Form des Hirntumors entwickelt. Das Präparat soll das Immunsystem der Patienten dazu bringen, die Tumorzellen gezielt abzutöten. Es befindet sich gegenwärtig in einer ersten klinischen Studienphase.
40 Prozent der Krebsfälle könnten verhindert werden

Das Glioblastom ist die häufigste und tödlichste Hirntumor-Form, wie die Universität Genf am Donnerstag mitteilte. Wenn sich der Tumor im Hirn ausbreitet, verlieren Patienten ihre Gefühle und Sinneswahrnehmungen oder können nicht mehr gehen, sprechen und schreiben. Heutige Therapien können gegen die Krankheit nicht viel ausrichten. Neue Hoffnung gibt nun eine Studie eines Teams um Pierre-Yves Dietrich an der Universität und am Universitätsspital Genf. Im Fachmagazin “Brain” beschreiben die Forscher gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland einen neuen vielversprechenden Ansatz, um die Tumorzellen mit Hilfe des Immunsystems der Patienten zu bekämpfen. Zellen des Immunsystems durchkämmen unseren Körper pausenlos. Finden sie auf der Oberfläche einer Zelle ein unerwünschtes oder ein körperfremdes Molekül, töten sie die Zelle ab. Mit einer dosierten Abgabe solcher Moleküle, einer Impfung, kann das Immunsystem quasi auf die Zellen abgerichtet werden.

Impfstoff wird derzeit getestet

Dietrich und seine Kollegen haben nun auf der Oberfläche von Glioblastomzellen nach Molekülen gesucht, gegen die sich das Immunsystem richten lässt. Die Schwierigkeit: Um keinen Kollateralschaden anzurichten, dürfen die betreffenden Moleküle nur auf Krebszellen, nicht aber auf gesunden Zellen vorkommen. Weil jede Zelle auf ihrer Oberfläche tausende bis zehntausende Moleküle hat, glich diese Suche jener nach einer Nadel im Heuhaufen, wie es im Communique heißt. Schließlich fanden die Forscher zehn Oberflächen-Eiweiße, die nur oder vor allem auf Tumorzellen vorkommen. Aus diesen zehn Molekülen haben die Forscher einen Impfstoff hergestellt, der bereits in ersten klinischen Studien in Kanada und Großbritannien getestet wird. Die zweite Generation des Impfstoffs soll ab 2013 im Genfer Unispital getestet werden. Komplexer, aber nicht weniger interessant ist ein zweiter Therapieansatz, der mit den entdeckten Molekülen möglich wäre: Forscher könnten im Labor Immunzellen präparieren, die auf diese Angriffsziele spezialisiert sind. Der Patient bekäme dann eine Infusion dieser möglicherweise lebensrettenden Helferzellen.

(APA)

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