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Schockierende Zeugenaussage zu Malariatherapie in Wiener Heimen

Missbrauch, Kasernenhof und Malariatherapie: In den Wiener Heimen gibt es viel aufzuklären
Missbrauch, Kasernenhof und Malariatherapie: In den Wiener Heimen gibt es viel aufzuklären ©Bilderbox
Die Situation und fragwürdigen Behandlungsmethoden mit Malariatherapie in den Wiener Heimen hat der Wiener Kinder- und Jugendpsychiater Max Friedrich persönlich miterlebt. Er war als junger Arzt an der damaligen Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie ("Klinik Hoff") tätig.
Häupl will schnelle Klärung
Bewusste Infektion mit Malaria
Die Kommission

“Es hat ‘Fieberkuren’ gegeben, es hat Insulinschock-Therapien am laufenden Band gegeben, es hat Elektroschocks am ‘Band’ gegeben. Wir haben in den 1970er-Jahren noch immer Methoden gehabt, für die ich mich geschämt habe, aber ich konnte nicht aus”, sagte Friedrich am Dienstagabend bei der 45. Fortbildungswoche der Apothekerkammer in Saalfelden, bei der es dieses Jahr um Pädiatrie geht.Kinder – möglicherweise vor allem solche in Wiener Heimen – sollen an der Abteilung absichtlich mit Malaria infiziert worden sein. Friedrich, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien am AKH: “Es wurden damals alle psychisch auffälligen Personen an die Psychiatrie gebracht. Von 15 in einer Nacht Aufgenommenen sind zwei bis drei an der Klinik geblieben, weil sie ‘Forschungsgegenstand’ geworden waren. Die übrigen kamen auf die Baumgartner Höhe.” Für dieses Krankenhaus wurde das Kürzel “M” verwendet – für “Monte” (italienisch: “Berg”).

Kasernenhofton und Malariatherapie

Die damalige Chefin des Mädchenheimes am Wilhelminenberg sei in Reiterstiefeln und Reitergerte in den Stiefeln samt großem Hund an der kurzen Leine herum marschiert, erinnert sich Friedrich. Auch dort wurden Kinder möglicherweise fragwürdigen Therapien unterzogen.

Affären werden jetzt untersucht

Die Affären werden im Moment aufgearbeitet, auch von der MedUni selbst. Es wird jedoch angenommen, dass erst die Einführung von modernen Behandlungsmethoden in den frühen 80er-Jahren dem Treiben an den Wiener Heimen ein Ende setzte. Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien, hat heute den Startschuss für eine unabhängige Historikerkommission gegeben, die die Nachkriegsgeschichte der früheren Medizinischen Fakultät der Universität Wien nach fragwürdigen Methoden bei Forschung und fragwürdige Malariatherapie in den Wiener Heimen durchleuchten soll.

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