Schloss Neugebäude erhält historische Gartenanlage zurück

Schloss Neugebäude in Wien-Simmering
Schloss Neugebäude in Wien-Simmering ©GNU FDL
Alles neu im Wiener Schloss Neugebäude: Vor dem verfallenden Renaissanceschloss in Simmering wird im kommenden Jahr der Park in Anlehnung an das historische Vorbild rekonstruiert. Die Eröffnung der Anlage ist für das kommende Jahr geplant.

Man orientiert sich dabei am Wegesystem der Renaissanceanalage und stellt die Gliederung des 12.500 Quadratmeter großen Parks in 18 Kompartimente wieder her. Die Ornamentik der je 21 mal 21 Meter breiten Gartenfelder wird sich allerdings modern präsentieren, wie am Mittwoch Umweltstadträtin Ulli Sima, Bezirksvorsteherin Renate Angerer (beide S) und Stadtgartendirektor Rainer Weisgram betonten.

“Es wird kein Park sein, in dem man flaniert und sich etwas anschaut”, unterstrich Sima bei der Präsentation des Konzepts. Das Areal soll im Gegenteil nutzbar für verschiedenste Bevölkerungsgruppen sein. Dementsprechend unterschiedlich werden die 18 Gartenfelder gestaltet. Diese seien gleichsam verschiedene Inseln, die jede ein Reich für sich darstelle.

Das übergreifende Thema in der Gestaltung soll allerdings die Welle sein, die bei den Sitzmöbeln und Grashügeln ebenso zu tragen kommt wie bei den beiden geplanten Wasserspielen. Als Erinnerung daran, dass Carolus Clusius vor Schloss Neugebäude im 16. Jahrhundert erstmals auf europäischem Boden die aus der Türkei stammende Tulpe ausgesetzt haben soll, wird diese Blumenart auch in der neuen Anlage eine dominante Rolle spielen.

Direkt neben der eigentlichen Gartenanlage, auf dem Gelände der einstigen Menagerie (dem historischen Vorläufer der heutigen Zoos), ist passend eine Hundezone vorgesehen, um den Park selbst vierbeinerfrei zu halten. Drei Tore der umzäunten Gartenanlage sollen als Zugang dienen und werden des Nachts geschlossen, um Vandalismus vorzubeugen.

Seit Hunderten Jahren gebe es an dieser Stelle keinen Park mehr, so Angerer. Deshalb sei nun eines wichtig: “Dass diesem Schloss die Würde zurückgegeben wird.” In jedem Falle könne man durch die Gartenanlage Kaiserebersdorf mit dem Ortskern Simmering verbinden. Und mit der Rekonstruktion des historischen Kalkputzes, die für das kommende Jahr vorgesehen ist, setze man einen weiteren Schritt in der Revitalisierung des Renaissancepalastes.

Schloss Neugebäude im Wiener Arbeiterbezirk Simmering gilt als das größte erhaltene Renaissanceschloss nördlich der Alpen – wobei “erhalten” hier nur bedingt gilt. Die Glanzzeit der Anlage liegt bereits Jahrhunderte zurück. Kaiser Maximilian II. begann den Bau im Jahre 1569 als Jagdschloss, dessen Tiergarten im 17. Jahrhundert noch als Sehenswürdigkeit galt. Der Name Neugebäude ist dabei als Pendant zum älteren Schloss Kaiserebersdorf zu verstehen. Im Zuge der Errichtung von Schloss Schönbrunn wurde Neugebäude allerdings teilabgetragen, um unter anderem der Gloriette als Fundus zu dienen.

Nach dem Tod Maximilians II. im Jahr 1576 wurde der Bau von seinem Sohn Rudolf II. weitergeführt. Er errichtete ein steinernes Schloss mit offenen Säulengängen und ließ die Anlage von einer Mauer mit zehn Türmen umgeben. 1607 wurden die Tiere der kaiserlichen Menagerie aus Schloss Kaiserebersdorf ins Neugebäude verlegt.

Im Jahr 1683 blieb es von den Türken verschont, da der Bau angeblich auf dem Gelände errichtet war, wo sich bei der Belagerung Wiens 1529 die Zeltstadt Sultan Süleyman I. befand. 1704 wurde es jedoch von den ungarischen Kuruzen geplündert. Danach wurde das Schloss wieder instand gesetzt und der Tiergarten neu aufgebaut.

Die große Zeit war jedoch bald vorüber: Mit dem Baubeginn von Schloss Schönbrunn wurde das Neugebäude seines Schmucks beraubt. Die Arkaden, Säulen und Kapitelle am Hauptgebäude wurden abgetragen und für den Bau der Gloriette verwendet. Säulen des südlichen Mittelrisalits finden sich in der römischen Ruine von Schönbrunn wieder. 1752 wurde auch die Menagerie in den neuen Tiergarten von Schönbrunn übersiedelt. Von 1775 bis 1918 diente das Schloss nur mehr als Waffen- und Pulvermagazin.

1909 erwarb die Stadt den von den Habsburgern ausgeschlachteten und dem Verfall preisgegebenen Bau. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden Stimmen laut, die den Abriss forderten. 1922/23 entstand auf dem Gelände des ehemaligen Fasangartens das von Clemens Holzmeister gestaltete Krematorium, der Rest verharrte im Dornröschenschlaf. 1943 bis 1945 war im Hauptgebäude ein Rüstungsbetrieb der Saurer-Werke untergebracht.

Zum endgültigen Sanierungsfall wurde Neugebäude durch einen Brand im Jahr 1993. Das Feuer richtete schweren Schaden an einem 100 Meter langen und 20 Meter breiten Trakt an. Erst 2002 setzten kurz vor dem endgültigen Zerfall Restaurierungsarbeiten ein. Ab kommendem Jahr soll die mittlerweile den rohen Ziegel präsentierende Anlage ihren ursprünglichen Kalkputz zurückerhalten.

Mittlerweile dient die Anlage als Sommerkino und -theater, wobei sich der Bezirk für weitere Nutzungsvorschläge offen zeigt. Immerhin finden sich noch Details wie ein Stall für 50 Pferde mit ornamentalem Ziegelboden, Säulen und Kreuzgratgewölbe im Originalzustand im Bau.

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