Schlepper-Prozess in Wiener Neustadt geht weiter: Tag 23

Bei Schlepper-Prozess in Wiener Neustadt
Bei Schlepper-Prozess in Wiener Neustadt ©APA
Am Montag stand Tag 23 des seit März am Landesgericht Wiener Neustadt laufenden Prozesses gegen acht der Schlepperei angeklagte asiatische Asylwerber auf dem Programm - inklusive Vorspielen von Telefonüberwachungsmitschnitten und ergänzenden Einvernahmen.
Prozess-Tag 21
Tag 20 beim Prozess

Unter den Beschuldigten sind frühere Servitenkloster-Flüchtlinge und Asyl-Aktivisten. Nächster Verhandlungstag: Mittwoch. Ein 39-jähriger Textilarbeiter aus Pakistan, der laut Anklage in Österreich die “Zelle” der Schlepperorganisation geleitet hat, wurde neuerlich befragt.

Kein Geld geflossen?

Das Ergebnis aus der Sicht seines Verteidigers Clemens Lahner: “Das ist genau gar nix. Es ergibt sich aus dem gesamten Akt nicht, dass Geld geflossen ist (wenn Landsmännern bei der Durchreise durchs Bundesgebiet geholfen wurde, Anm.). Und das ist hier angeklagt.” Der Beschuldigte bestritt anhand der vorgespielten Telefonate nicht, dass er Landsleuten bei der Durchreise durch Österreich geholfen hatte.

“Habe geholfen – aus Menschlichkeit”

Dass er deswegen oft auch von in Griechenland aufhältigen Asiaten kontaktiert worden war, erklärte er so: “Alleine von meinem Dorf sind 3.000 Leute nach Europa gekommen, viele davon sind noch in Griechenland. Weil ich mich auf Englisch verständigen kann, habe ich geholfen. Aus Menschlichkeit. Ja, fünf, 10, 15 Euro habe ich bekommen. Aber Geschäft oder ‘Business’ habe ich keines damit gemacht. Oft habe ich sogar aus eigener Tasche für Tickets Geld dazubezahlt. Ich habe nicht gewusst, dass das zur Schlepperei gehört.”

Telefonprotokolle ohne Ergebnis

Belastendes war aus den mitgeschnittenen und jetzt im Gerichtssaal vorgespielten Telefonaten bisher nicht herauszuhören. So wurde von den Gesprächsteilnehmern immer wieder das Wort “schicken” verwendet, wie etwa “Ich schicke dir einen Burschen”. Dazu monierte Verteidiger Josef Phillip Bischof: “Von der Polizei wird ‘schicken’ mit einer Schleppungshandlung gleichgesetzt.”

Schlepperei-Drahtzieher nannte Kunden “Küken”

Den abgehörten Telefonaten des angeblichen Schlepperei-Drahtziehers war außerdem zu entnehmen, dass der 39-Jährige diejenigen, für die er Tickets besorgen sollte, “Küken” nannte. Die Einvernahme der übrigen Angeklagten konnte zur Anklageerhärtung ebenfalls nichts beitragen. Einige gaben zu, dass sie Landsleuten bei der Ein- oder Weiterschleusung nach bzw. durch Österreich geholfen hatten, aber sie hätten dies entweder unentgeltlich oder gegen Naturalien oder Trinkgeldbeträge getan.

(apa/red)

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