"Schleimschlacht" im Tanzquartier Wien

Mit "Gootopia" bringt Doris Uhlich eine schleimige Performance in das Tanzquartier Wien.
Mit "Gootopia" bringt Doris Uhlich eine schleimige Performance in das Tanzquartier Wien. ©Alexi Pelekanos
Die österreichische Choreografin Doris Uhlich bringt mit ihrer neuen Arbeit "Gootopia" viel Schleim ins Tanzquartier nach Wien. In der Halle G des Museumsquartiers steht diese glitschige Masse kübelweise bereit.
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Gootopia im Tanzquartier Wien

Im Internet kursieren etliche Rezepte zum selber Herstellen von Slime. So viel, wie die österreichische Choreografin Doris Uhlich für ihre neue Arbeit "Gootopia" davon braucht, ist jedoch außergewöhnlich. In der Halle G des Museumsquartiers steht die schleimige, glitschige Masse kübelweise bereit. Im Laufe der 80-minütigen Vorstellung wird von einem Performer-Sextett ausgiebig davon Gebrauch gemacht. Am Freitag hatte die Schleimschlacht ihre Uraufführung.

Uhlich bringt "Schleimschlacht" ins Tanzquartier Wien

"Fluidität von Körpern und Körpergrenzen ist seit Längerem ein zentrales Thema des zeitgenössischen Tanzes. In 'Gootopia' wird das Phänomen des Fließens durch die Performance mit synthetisch hergestellten Schleimsubstanzen zu einem choreografischen Element im buchstäblichen Sinne", erklärte Uhlich im Vorfeld und erinnerte daran, dass der Mensch nicht trocken auf die Welt komme. Als man den Saal betritt, schwant einem, es könnte auch für die Zuschauer feucht werden - doch die Sorge erweist sich als unbegründet. Schwarze, am Boden befestigte Gummi-Wülste teilen Tribüne und Bühne sorgsam in Performance- und Zuschauer-Bereiche, und die Schleimspuren bleiben tatsächlich unter Kontrolle.

Peformer werden nackt auftreten

Die Performer sind nackt. Drei Männer und drei Frauen kümmern sich um die vorbereiteten glitschigen Substanzen, die als kompakte Masse ein wenig nach Vanillepudding aussehen und herrlich wabern. Sie können aber auch dünn ausgewalkt werden und Blasen schlagen oder rinnen als zähflüssige Kleidung über die Körper. Zu pulsierender Musik wird allerhand mit dem Schleim angestellt. Die Bühne wird zum Schleimspielplatz, und die stärksten Momente sind jene, in denen die glibberige Masse vollständig über Haare, Gesicht und Körper verteilt wird und den darunter steckenden Menschen in ein Schleimmonster verwandelt. Doch Grusel oder Ekel stellen sich nie ein. Bei den Zuschauern, die sich durch den Saal bewegen können, regieren Neugier und Interesse, wenn sich die Akteure in langsam zerrinnende Skulpturen verwandeln.

"Gootopia": Chroeografische Raffinesse

Choreografische Raffinesse vermisst man in "Gootopia". Nur für Augenblicke, etwa beim Rutschen durch einen von den übrigen Performern gebildeten Geburtskanal, kommen einem etwa die lustvoll-schockierenden Aufführungen der Wiener Aktionisten in den Sinn. Nur wenige Episoden wie das über den Boden Gleiten einer sechsteiligen, liegenden Menschenkette haben auch Poesie, anderes wirkt wie Mummenschanz: kindisch, beliebig und unnötig. Insgesamt gibt das zu wenig her, um die Frage "Schleim oder Nicht-Schleim" ernsthaft und tief gehend zu diskutieren. Am Ende gab es dennoch viel Applaus für Uhlich und ihr Team - und die ehrliche Hoffnung, dass an funktionierenden Duschen im Backstagebereich kein Mangel herrschen möge.

(APA/Red)

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