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Schiele-Porträts im Belvedere

Die Schiele-Schau im Belvedere ist bis 13. Juni zu sehen.
Die Schiele-Schau im Belvedere ist bis 13. Juni zu sehen. ©APA
Im Belvedere wird die erste Museums-Schau ausschließlich mit Schiele-Porträts eröffnet. Das Bildnis "Wally" ist zwar nicht zu sehen, dafür gelten die Selbstporträts als Höhepunkt in einer Ausstellung von 95 Werken.
Egon Schiele: Porträts im Belvedere

Erstmals seit langem gibt es Neuigkeiten zu Egon Schiele, in denen nicht Provenienzen, Restitutionen oder falsche Zuschreibungen im Mittelpunkt stehen. Am Mittwochabend eröffnet das Belvedere in seiner Orangerie eine umfassende Ausstellung zu den Porträts und Selbstporträts des 1918 gestorbenen Künstlers, dem nur wenige Schaffensjahre vergönnt waren. “Fast ein Drittel seiner Ölgemälde befassen sich mit Porträts. Es ist unglaublich, dass es bis heute keine Museumsausstellung zu diesem Thema gab”, sagte Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco bei der Presseführung. Gemeinsam mit Jane Kallir, der Herausgeberin des Schiele-Werkverzeichnisses, hat sie die bis 13. Juni laufende Ausstellung kuratiert.

“Das Belvedere hat eine fast 100-jährige Beziehung zu Egon Schiele“, meinte Husslein-Arco, schon 1912 hätten sich etliche Aquarelle im Besitz der damaligen Österreichischen Staatsgalerie befunden. Der Ankauf eines Porträts von Edith Schiele durch Direktor Franz Martin Haberditzl sei 1918 der erste große Ankauf durch ein österreichisches Museum gewesen (2001 konnte auch Schieles Haberditzl-Porträt erworben werden). Von den ausgestellten 95 Werken stammen zehn aus der hauseigenen Sammlung, 22 sind erstmals in einer öffentlichen Präsentation in Österreich zu sehen.

Belvedere-Besucher sollen auch ins Museumsquartier

Manche Wünsche blieben allerdings unerfüllt. “Man bekommt nie alles, was man will. Das ist in der Kuratorenarbeit nicht anders als im Leben”, sagte Jane Kallir. Ein Porträt aus dem Guggenheim Museum erwies sich als zu fragil für den Transport, ein weiteres Edith-Porträt wollte das Gemeentemuseum Den Haag nicht verleihen. Und auch die “Wally” blieb dort, wohin sie erst vor wenigen Monaten zurückgekehrt war – im Leopold Museum. Man hoffe, dass die Belvedere-Besucher auch den Weg ins Museumsquartier fänden, sagte Leopold Museums-Sprecher Klaus Pokorny, und verwies auch auf die an seinem Haus für September vorbereitete Schiele-Schau “Melancholie und Provokation”.

Aber es gibt ohnedies genug zu sehen. Die mit 14 Briefen Schieles und einer mit zahlreichen Fotos versehenen Lebensgeschichte ergänzte Porträt-Schau punktet nicht mit Quantität, sondern mit der klugen Zusammenstellung der Werke. Durch die chronologische Abfolge lässt sich die Entwicklung von Schieles Stil in dem knappen Dutzend aktiver Jahre nachvollziehen. Bereits die Zeichnungen des 16-Jährigen, der als jüngster Schüler an die Kunstakademie aufgenommen wurde, verblüffen durch ihre Sicherheit und Ausdruckskraft. Sehr gelungen hängen die während des Studiums angefertigten Zeichnungen eines Medusa-Kopfes und einer Artemis-Büste neben den Gipsabgüssen, die als Vorbild gedient haben.

Schieles Selbstporträts als Höhepunkt

In den einzelnen Kapiteln stechen als Inseln jene Porträts heraus, die in mehreren Anläufen die gleiche Person zeigen – neben seiner Frau Edith etwa den Verleger Eduard Kosmack, den Kunstkritiker Arthur Roessler oder den Industriellen-Sohn Erich Lederer. Neben der perfekten Anwendung von Techniken wie Kohle- und Kreidezeichnung, Gouache, Aquarell oder Ölmalerei wird hier auch seine Könnerschaft in der Steigerung von expressiver Wirkung deutlich.

Den Höhepunkt der Ausstellung bilden Schieles Selbstporträts. “Vielleicht hat nur Rembrandt noch mehr Selbstporträts von sich gemacht”, sagte Kallir. Sie zeigen ihn als Heiligen, als Gefangenen, als Kranken, als pfeildurchbohrten Sebastian, als dämonische Gestalt mit gespreizten, dünnen Fingern, als arroganten Jüngling in bunter Pfauenweste (eine sehr schöne Leihgabe des Sammlers Ernst Ploil) oder in einem Doppelselbstporträt mit Wally als wissenden Seher. Mit wenigen Schritten kann der Besucher hier ein ganzes künstlerisches Universum durchmessen. Die Leuchtkraft dieser Sterne wird dafür sorgen, dass das Werk Egon Schieles noch lange weiterstrahlen wird. Ganz nach dem Schiele-Zitat, das auch in der Ausstellung Verwendung findet: “Kunst kann nicht modern sein; Kunst ist urewig.”

“Egon Schiele – Selbstporträts und Porträts”,

Ausstellung im Belvedere, Orangerie

17. Februar bis 13. Juni, tgl. 10-18 Uhr, Mi 10-21 Uhr

www.belvedere.at

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