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Schießerei in Gebetshaus: Schuss auf Polizei bei Hausdurchsuchung

©APA
Um weitere Beweise gegen die Tatverdächtigen zu sammeln, wurden von der Polizei am Montag acht Hausdurchsuchungen durchgeführt. Eine verdächtige Persion gab dabei einen Schuss auf einen Polizisten ab.
Schüsse auf Polizei bei Sikh- Hausdurchsuchung

Im Zuge der Ermittlungen nach der Schießerei in einem indischen Gebetshaus in Wien sind am Montagnachmittag zwei Schüsse auf Cobra-Beamte abgegeben worden. Der 26-jähriger Amrit S. feuerte durch die geschlossene Holztüre seiner Altbau-Wohnung aus einer Glock zwei 9 mm-Kugeln auf die Beamten, die sich gegen 13.00 Uhr für eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Hausdurchsuchung vor dem Appartement im Parterre positionierten. Die Projektile pfiffen zum Glück zwischen den Sondereinsatzkräften durch ein Gangfenster und blieben in einer frei stehenden, unverputzen Mauer im Innenhof stecken.

Die Beamten und auch der Schütze blieben unverletzt, sagte Polizeisprecher Michael Takacs. Die Wohnung im Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus wurde unmittelbar nach der Schussabgabe gestürmt und der alleine anwesende 26-Jährige wurde festgenommen. Die Glock des österreichischen Staatsbürgers indischer Abstammung war ebenso wie eine weitere Schusswaffe registriert, weiters wurden in dem Appartement zahllose Stich- und Hiebwaffen, Munition sowie eine weiter Schusswaffe sichergestellt.

Amrit S. gehört laut Polizei so wie jene sechs mutmaßlichen Täter, die unmittelbar nach der Schießerei in dem Gebetshaus festgenommen wurden, der indischen Sikh-Glaubensströmung an. “Warum er geschossen hat, ist derzeit noch unklar”, so Takacs. Die Durchsuchung wurde durchgeführt, da man Verbindungen zu den bereits verhafteten Tätern vermutete. “Hier liegen wir offenbar richtig”, betonte der Polizeisprecher. Es habe einen Kontakt zu den sechs Verdächtigen gegeben, der genaue Zusammenhang zwischen den Männern müsse noch geklärt werden.

Zeitgleich wurden am Montag gegen 13.00 Uhr von Kräfte der Wega, der Cobra und AGM-Beamten unter Leitung des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) in verschiedenen Teilen Wiens acht Hausdurchsuchungen und eine freiwillige Nachschau an neun Adressen durchgeführt. Es handelte sich um Orte, bei denen eine Verbindung zu den sechs bereits Inhaftierten festgestellt wurde, darunter auch die Wohnorte der Verdächtigen. Bis auf die Hausdurchsuchung in Rudolfsheim gab es laut Polizei bei keiner anderen Gegenwehr. Ziel der koordinierten Aktion war es, weitere Beweise gegen die mutmaßlichen Täter zu erlangen, erklärte Takacs. Sichergestellt wurden in den durchsuchten Wohnungen unter anderem mehrere Waffen, Details werden erst nach einer genauen Analyse der Gegenstände bekanntgegeben.

Fest steht jedenfalls, dass eines der Fahrzeuge der mutmaßlichen Täter gefunden wurde – ein roter Nissan Almera. Mehrere Spuren, die auf mindestens drei der bereits verhafteten Täter hinweisen, wurden in dem Wagen nachgewiesen. Das Auto war in der Nähe des Gebetshauses geparkt. Auch die Wohnung von Amrit S. befindet sich nur wenige Gassen von dem indischen Ravi Dass-Tempel entfernt.

Einer der kurz nach der Tat festgenommenen Inder wurde am 5. Juni mangels Tatverdacht vorübergehend enthaftet, am Sonntag wurde über den 33-Jährigen erneut die U-Haft verhängt. In der Zeit dazwischen befand sich der Verdächtige in Schubhaft. Die Beweislage gegen den Mann hat sich laut Polizei durch die Fortführungen der Erhebungen erhärtet. Über das Motiv der Bluttat gebe es nach wie vor keine gesicherten Aufschlüsse. Dass möglicherweise ein Mordauftrag vorgelegen habe, könne man nicht bestätigen, betonte Takacs. “Wir schließen gar nichts aus.” Der Haupttäter, der auf die Prediger geschossen haben soll, befindet sich in einem Wiener Spital im künstlichen Tiefschlaf. Einer der Gebetshausbesucher dürfte ihm im Tumult mit der eigenen Waffe einen Kopfschuss zugefügt haben.

Am 24. Mai war während einer Predigt in einem Ravi Dass-Gebetshaus in der Pelzgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus der in seiner Heimat bekannte indische Prediger Sant Rama Anand (Nand) getötet worden. Der ebenfalls aus Indien angereiste Führer der Glaubensströmung Sant Niranjan Dass wurde durch zwei Schüsse lebensgefährlich verletzt, zehn weitere Anwesende – darunter vor allem die mutmaßlichen Täter – erlitten ebenfalls Verletzungen. Der Prediger Dass konnte das Spital am 3. Juni verlassen, er kehrte am selben Tag gemeinsam mit dem Leichnam von Anand zurück nach Indien.

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