Salzburger Winterfest 2014 mit Akrobaten eröffnet

Zirkus-Impresario Georg Daxner hat sie vor seinem tödlichen Alpinunfall im Oktober ausgesucht und engagiert, und am Dienstag hat die französische Zirkustruppe Cie Akoreacro das Salzburger Winterfest 2014 in Erinnerung an den Festivalgründer eröffnet. "Klaxon" ist der Titel des neuen, turbulent-witzigen Spektakels, mit dem Cie Akoreacro das Premierenpublikum im Sinne Daxners begeisterte.


Bereits 2010 waren die Franzosen in einem Zelt im Salzburger Volksgarten zu erleben, und zwar mit dem Stück “Pffffff”. Auch in “Klaxon” ist es die bis in kleine Details ausgetüftelte, atemlos-flotte und dabei hochmusikalische Choreografie, mit der die sechs Artisten und fünf Musiker 75 Minuten lang bruchlos bei der Stange hielten.

Einzelne Artisten-Nummern, die auf Festivals gezeigt und angeboten werden, mögen virtuoser und spektakulärer sein, als die Kunststücke von Cie Akoreacro. Aber das Salzburger Winterfest ist seit 2001 dem französischen Cirque Nouveau verpflichtet, einer Zirkusform, in der eine Geschichte erzählt oder ein inhaltlich-ästhetischer Bogen gespannt wird über einen gesamten Abend. Ein Bogen, der sich schließen sollte – und genau das schaffte die von der russischen Zirkustradition beeinflusste Compagnie mit “Klaxon” auf die denkbar vergnüglichste Weise.

Ständig wuseln Musiker und Artisten im Rondell herum. Man blödelt und spielt mit kleinen Gags, lenkt ab von unvermeidlichen technischen Umbauten, streitet, mordet, fliegt, springt, trickst, hält bei Laune und musiziert wirklich gut. Nahtlos wechselt “Klaxon” vom skurrilen Witz über Muskelspielerei in die Poesie. Und dabei ist die Musik nicht Atomsphäre, Illustration oder klangliche Ergänzung zur Steigerung der Spannung, sondern substanziell integrierter Teil des Konzeptes der Compagnie Akoreacro unter der Leitung von Alain Reynaud. Äußerst präzis wird da gearbeitet, jeder Schritt, jeder Griff und jeder Ton sitzt, auch an den vermeintlichen Nebenschauplätzen.

Die erzählende Klammer einer Geschichte gibt es in “Klaxon” nicht. Es ist vielmehr das Timing, das außergewöhnlich virtuose Ineinanderfügen von humoresken und artistischen Elementen, mit dem die Zuschauer gepackt werden. Eindeutiger Publikumsliebling dabei war eine rasend flotte und zugleich sinnlich-sympathische Nummer in einem Reifen, und auch die Wurf-Salti, die Jonglage mit Besen und Vocal-Percussion oder das gefährlich spazieren fahrende Klavier (auf dem gerade Bach gespielt wird) haben Staunen gemacht.

In “Klaxon” gelingt es der Truppe, Elemente des klassischen Nummernzirkus mit neuen Formen der Artistik zu verschmelzen. Das Stück überzeugte vor allem durch seine formale Geschlossenheit, das lückenlos dichte Zusammenspiel von raffinierter, treibender Musik mit Bass, Cello, Akkordeon, Geige, Schlagzeug, Klarinette, Tuba und Klavier und einer kollektiv-virtuosen Körper-Performance mit kreativer Schauspielerei. Tosender Applaus für wirklich gute Unterhaltung.

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