Salzburger Pfingstfestspiele: Tosender Applaus zum Abschluss

Gleich zwei Romeos bekam Angela Gheorghiu beim Galakonzert am Montag an die Seite gestellt: Juan Diego Florez und Benjamin Bernheim. Mit den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Marco Armiliato gab es ein Programm voller "Romeo und Julia" inspirierter Werke zum Abschluss der diesjährigen Pfingstfestspiele in Salzburg. Das Ensemble erntete tosenden Applaus.


Dass Angela Gheorghiu wählerisch ist, was ihre männlichen Gesangspartner angeht, dürfte bekannt sein. Ließ sie doch unlängst Jonas Kaufmann bei einer “Tosca”-Aufführung in der Wiener Staatsoper alleine auf der Bühne stehen. Vielleicht hat man ihr deshalb Juan Diego Florez und Benjamin Bernheim als Partner gegeben, als doppelte Sicherung quasi. Doch sie harmoniert mit beiden ausgesprochen gut. Jeweils auf individuelle Weise.

Bernheim und Gheorghiu sind ein strahlendes Paar in Gounods Duett-Madrigal “Ange Adorable” aus dessen Oper “Romeo et Juliette”. Besonders Bernheim gibt den charmanten Liebhaber, was hervorragend zu seinem klaren und hellen Timbre passt. Ihm ist seine Partnerin schnell verfallen und schmachtet ihm mit ihren astreinen Spitzentönen nur so entgegen. Dafür ein Handkuss. Im Gegensatz dazu schlägt bei Florez’ anschließender Soloarie “L’amour, l’amour” das südamerikanische Temperament durch. Mit leidenschaftlicher Kraft, die dennoch ganz leicht wirkt, beschwört er der Julia seine Liebe.

Die Wiener Symphoniker bestreiten ihr Debüt bei den Salzburger Pfingstfestspielen mit verschiedenen Symphonischen Werken rund um das berühmte italienische Liebespaar. Bei Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre zu “Romeo und Julia” brauchen sie etwas Anlauf, sind dann im bekannten Liebesthema aber vollends angekommen. Deutlich näher scheint Armiliato allerdings Bellinis Sinfonia aus “I Capuleti e i Montecchi” zu liegen, hier spürt man das italienische Temperament ab dem ersten Takt. Wie vielseitig das Orchester klingen kann, beweisen die Musiker dann ausgiebig in Prokofjews Suiten aus “Romeo und Julia” – den Besuchern der Vorabendvorstellung des Stuttgarter Balletts vermutlich noch deutlich im Ohr.

Einen Ausflug in die Filmmusik machen das Orchester und Angela Gheorghiu mit Nino Rotas “What is a youth” aus Franco Zeffirellis Film “Romeo and Juliet”. Das legt Gheorghiu sehr erhaben an und man fühlt sich entfernt an einen Bond-Song erinnert.

Zum Schluss singt sie mit Juan Diego Florez nochmals ein Duett aus Gounods Oper. War Benjamin Bernheim der charmante Gentleman, so ist Florez eindeutig der leidenschaftliche Liebhaber. Halbszenisch singt das Paar das Duett und die Funken fliegen nicht nur musikalisch. Zum tosenden Schlussapplaus liegen sich die beiden in den Armen. So lässt das Salzburger Publikum seine Solisten aber nicht gehen, es folgt jeweils eine Zugabe – Flores mit Gitarre, was ihm auch das letzte Zuschauerherz zufliegen lässt. Emotionaler hätten die diesjährigen Pfingstfestspiele wohl nicht enden können.

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