Salzburger Landeskliniken stellen Triageteam zusammen

Triageteam: Salzburger Landeskliniken droht völlige Überlastung.
Triageteam: Salzburger Landeskliniken droht völlige Überlastung. ©APA
In den Salzburger Landeskliniken stößt man derzeit aufgrund der steigen Zahl von Corona-patienten an seine Grenzen. Am Dienstag folgte nach einem Hilferuf an das Land Salzburg die Zusammenstellung eines Triageteams.
Kliniken droht völlige Überlastung

Die SALK haben inzwischen ein sechsköpfiges Triagierungsteam nominiert, das aus fünf Medizinern verschiedener Fachbereiche - darunter ein Internist, ein Intensivmediziner und ein Palliativarzt - und einer Juristin besteht, sagte SALK-Sprecher Wolfgang Fürweger am Dienstagvormittag zur APA. Dieses Team müsse dann entscheiden, welche Patienten noch intensivmedizinisch behandelt werden können.

Hier fehlen derzeit Betten für Nicht-Covid-Patienten

SALK-Sprecher Fürweger erläuterte auch, wo derzeit Betten fehlen, weil das Personal für Behandlung und Betreuung von Covid-Patienten benötigt wird: In der 1. Medizin stehen beispielsweise nur mehr 35 Prozent der Betten zur Verfügung, in der Onkologie sind es 85 Prozent, in der HNO 32 Prozent, in der Gefäßchirurgie 59 Prozent und in der Urologie 63 Prozent. "Man kann sagen, in den internistischen Fächern haben wir um rund 25 Prozent reduziert, in den chirurgischen Fächern um ein Drittel."

Wie dramatisch die Lage ist, schilderte den "SN" auch ein Spitalsarzt. "Es herrscht jeden Tag ein menschenunwürdiger Streit, wessen Patient zuerst operiert werden könne. Der mit dem Tumor oder der mit dem kaputten Herz."

Jüngste Patientin auf der Intensivstation derzeit 4 Jahre alt

Für Betroffenheit sorgte am Dienstag auch ein Bericht auf "ORF Salzburg", wonach die jüngste Patientin mit einer Covid-Erkrankung auf einer Intensivstation ein vierjähriges Mädchen ist. Das Kind leide nach einer Corona-Infektion an der Multiorgan-Entzündung PIMS, einer Covid-Folgewirkung. Gleichzeitig muss auch ein Fünfjähriger mit Covid-19 auf der Kinderintensivstation behandelt werden.

Neben dem Hilferuf der SALK an die Politik appellierte Fürweger heute auch an die Bevölkerung, die vorgeschriebenen Corona-Bestimmungen einzuhalten. "Es macht unsere Leute grantig, wenn etwa ein Arzt nach einem 12-Stunden-Dienst auf dem Heimweg noch im Supermarkt ein Frühstück besorgt und dort auf Menschen ohne Maske trifft. Am Anfang haben die Menschen geklatscht, aber so etwa ist jetzt wie eine Verhöhnung."

Haslauer will Spitäler rasch entlasten

Vor der für 15 Uhr angesetzten Pressekonferenz kündigte Haslauer via Aussendung an, die Spitäler sehr rasch zu entlasten und die Auffrischungsimpfung in Salzburg schon vier Monate nach der zweiten Dosis realisieren zu wollen. Darüber hinaus will das Land die zuletzt ohnehin stark hoch gefahrenen Impfkapazitäten noch einmal aufstocken.

Als Sofortmaßnahmen in den SALK soll dort nun eine Covid-Transferstation für stationäre Covid-Patienten aufgebaut werden, die zwar noch Corona-positiv sind, aber aus verschiedenen Gründen noch nicht nach Hause können und betreut werden müssen. Entlastung erwartet sich die Politik auch von einer Reha-Anstalt, die Patienten aufnimmt, die keine stationäre Betreuung in den Spitälern brauchen, aber ebenfalls nicht zu Hause versorgt werden können. In Abstimmung mit der Ärztekammer soll die Behandlung von Covid-Patienten auch dezentral durchgeführt werden.

Rufe nach hartem Lockdown in Salzburg

Am Nachmittag hat sich dann auch der grüne Koalitionspartner der ÖVP für einen möglichst schnellen harten Lockdown eingesetzt. "Wir brauchen Kontaktbeschränkungen", sagte LHStv. Heinrich Schellhorn in einer Videopressekonferenz. Der Bund müsse für Salzburg und Oberösterreich schnell weitere Maßnahmen setzen, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Schellhorn schlug vor, Gastronomie und Veranstaltungen für zwei Wochen zu schließen und die Maskenpflicht auf größere Versammlungen im öffentlichen Raum auszudehnen. Dazu solle in der Oberstufe wieder Home Schooling gelten und möglichst viel Arbeit auf Home Office umgestellt werden. "Es zeigt sich ganz klar, dass die bisherigen Maßnahmen nicht für eine Trendwende beim Infektionsgeschehen ausreichen." Mit Haslauer sei er hier aber nicht einer Meinung, sagte Schellhorn. "Der Landeshauptmann ist noch nicht so weit. Aber ich glaube, dass ein Lockdown unvermeidbar ist."

(APA/Red)

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