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Sagen Sie Grippe!

Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber.
Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber. ©APA
Gastkommentar von Johannes Huber. Das Coronavirus ist gefährlich. Schon der Name provoziert jedoch apokalyptische Vorstellungen. Von ganz anderen Dingen gar nicht zu reden.

Von 2851 Grippe-Toten berichtet die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Nein, die Zahl bezieht sich nicht auf China, wo bisher ziemlich genau so viele dem Coronavirus erlegen sind, sondern auf Österreich: Es handelt sich um die Zahl der Grippe-Opfer, die es hierzulande im Winter 2017/2018 gegeben hat.

Zugegeben: Es ist kaum zu glauben. 2851 entsprechen den Einwohnern einer durchschnittlichen Gemeinde. Und überhaupt: Laut AGES waren das vor zwei Jahren nicht einmal außerordentlich viele. 2016/17 soll es sich um 4436 gehandelt haben. In Österreich, wohlgemerkt.

Wenn man sich dem Thema von dieser Seite her annähert, verliert es viel von seinem Schrecken: Die Grippe ist offensichtlich eine gewöhnliche, alles in allem aber immer auch ernstzunehmende Krankheit. Die Sterblichkeit liegt bei unter einem Prozent. Bei jüngeren ist sie niedriger, bei Älteren und Patienten mit einer Immunschwäche höher.

Bei SARS beträgt die Sterblichkeit rund zehn Prozent, beim gegenwärtigen Coronavirus bis zu drei Prozent. Fragt sich nur: Warum ist die Angst vor diesem Virus so gigantisch groß?

These: Es fängt schon bei der Begrifflichkeit an. „Grippe“ löst keine besonders schlechten Gefühle aus. Fast jeder hat sie schon einmal gehabt, kaum jemand kann sich noch daran erinnern. Es handelt sich um einen Teil des Lebens. Im Übrigen wird in der Umgangssprache – wie hier in diesem Text - auf den Zusatz „Influenzaviren“ vergessen. Bei Corona ist „Virus“ Teil des gebräuchlichen Begriffs. Und „Virus“ klingt für den Laien wiederum ganz grundsätzlich bedrohlich. Kein Wunder: Der „Duden“ lehrt, dass die alten Römer mit dem sächlichen Hauptwort „virus“ Schleim, Saft oder Gift bezeichneten, also eher üble Dinge.

Abgesehen davon ist das Drumherum extra-beunruhigend: Medien berichten von „Hamsterkäufen“, Politiker sagen nahezu stündlich, dass kein Grund zur „Panik“ bestehe - und tragen damit erst recht dazu bei. Wobei sie es natürlich nicht einfach haben: Sie müssen reagieren, und die Maßnahmen, die sie setzen, ergeben einen echten Ausnahmezustand: Siehe das Polizeiaufgebaut, das diese Woche das Gymnasium in der Wiener Albertgasse abgeriegelt hat.

Jede Bürgerin, jeder Bürger, der das Virus in sich trägt, kann ohne Gerichtsverhandlung mit einem Freiheitsentzug belegt werden. Nur dass es dann nicht Sicherungshaft oder so heißt, sondern Quarantäne, die im besten Fall aus Hausarrest besteht und im schlimmsten Fall aus einem Aufenthalt in der Sonderstation eines Krankenhauses.

Das muss sein. Was das Coronavirus gefährlicher macht als es die erwähnten Sterblichkeitsraten verheißen, ist, dass es noch keinen Impfstoff gibt. Das bedeutet, dass viel mehr Menschen davon betroffen sein könnten als von einer saisonalen Grippe durch Influenzaviren. Das muss man sehen. Daher ist die Eindämmung so wichtig. Andererseits: Die durchschnittliche Überlebensrate beträgt 97 Prozent. Das sollte man auch bedenken, damit man die Nerven nicht ganz verliert.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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