Ärzte am AKH ringen um Patienten-Honorare

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Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) ist ein ärzteinterner Verteilungskampf und die Honorare der Privatpatienten entbrannt. Die Klinikvorstände stehen dabei empörten Ärztekammerfunktionären gegenüber.

Anlass ist der neue, an die Stadt Wien abzuliefernde Infrastrukturbeitrag. Die Kammer warnt, dass sich die Primarii in der Folge einen größeren Teil vom Honorarkuchen sichern könnten.

Dabei hatte alles scheinbar harmlos begonnen: Der Verein der Klinikvorstände und Abteilungsleiter des AKH (ALKV), vertreten durch Rechtsanwalt Gabriel Lansky, gab in einer Aussendung bekannt, dass man den neuen, zwölfprozentigen Infrastrukturbeitrag zur Gänze selbst leisten werde. Die nachgeordneten Ärzte wolle man mit zumindest 40 Prozent der gesamten Sonderklassehonorare beteiligen.

Die Ärztekammer zeigte sich jedoch empört. Klaus Frohner, Referent für Sonderklassehonorare, sprach in einer Aussendung von einer “Jubelmeldung”, die eine bewussten Falschmeldung sei. Man lehne diese Regelung strikt ab, weil sie für viele Ärzte eine Verschlechterung darstelle. Derzeit gebe es nämlich Abteilungen, wo der Verteilungsschlüssel den nachgeordneten Ärzten einen größeren Anteil der Privathonorare verschaffe.

Alarmiert ist die Kammer, weil Vilmos Vecsei, Unfallchirurgie-Vorstand und Präsident des Klinikvorstände-Vereins, angekündigt hat, bestehende Verträge auflösen zu wollen und neue Vereinbarungen “im Sinne des oben beschriebenen Mindestsystems” anzubieten.

Jörg Hofmann, Referent für Öffenlichkeitsarbeit in der Wiener Kammer, sprach angesichts dessen von einem “wahnsinnigen Verteilungskampf, der jetzt tobt und toben wird”. Die Aussendung der Klinikchefs sei “der Gipfel der Unverfrorenheit”, meinte er zur APA.

Die Kammerfunktionäre wollen eine Regelung wie in den Wiener Gemeindespitälern. Dort bekämen die Primarii je nach Anzahl der nachgeordneten Ärzte teilweise viel weniger – in der Anästhesie etwa nur 24 Prozent vom Sonderklassehonorar.

“Die Tonlage der Ärztekammer ist sicher unangemessen”, meinte dagegen Anwalt Lansky gegenüber der APA. Die Klinikchefs seien um ein kooperatives Klima bemüht: “Insofern halte ich die Klassenkampftöne für ein wenig übertrieben.” Faktum sei, dass das Wiener Krankenanstaltengesetz nur für die Gemeindespitäler einen 40-Prozent-Anteil für nachgeordnete Ärzte vorsehe. Im AKH hätten sie dagegen – weil Bundesbedienstete – “einen Rechtsanspruch auf Null”. Von den Klinikchefs gebe es nun diesen Beschluss, was darüber hinaus gehende Regelungen nicht ausschließe. “Es kann jeder freiwillig alles hergeben”, so Lansky.

Im Wiener Rathaus betonte man, dass es sich um eine Auseinandersetzung innerhalb der Ärzteschaft handle, mit der man nichts zu tun habe.

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