Russische Truppen in Cherson eingedrungen: Spur der Verwüstung

Ukraine-Krieg: Russische Truppen dringen in südukrainisches Cherson ein.
Ukraine-Krieg: Russische Truppen dringen in südukrainisches Cherson ein. ©APA/AFP/ANATOLII STEPANOV
Am Dienstag sind russische Truppen vom Westen in die südukrainische Regionalhauptstadt Cherson eingedrohen. Bis zum Nachmittag haben die Soldaten auch im Osten der Stadt Spuren der Zerstörung hinterlassen.
Zugang zu Asowschwem Meer verloren
Mariuopol eingekesselt

Die Ukraine kontrolliere noch das Gebäude der Stadtverwaltung, sagt Ministeriumsberater Wadym Denysenko.

"Die Lage ist sehr angespannt. Wir sitzen in Schutzräumen und sollen nicht rausgehen", sagte der APA ein Bewohner der Stadt, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht mehr genannt werden kann. Das Internet funktionierte am späten Nachmittag noch vor Ort.

Russische Truppen in Cherson eingedrungen

Er kenne die Pläne der russischen Truppen nicht, sie hätten womöglich schon früher einmarschieren können, zumal in Cherson keine größeren ukrainischen Truppenteile vorhanden seien. "Vielleicht fürchten sie Kämpfe im urbanen Raum und Cherson liegt für sie auch etwas abseits", sagte er in einem Telefonat. Die zentrale Marschrichtung sei in Richtung Westen in die Hafenstadt und Industriestadt Mykolajiw. Nach der Zerstörung der Autobahn vor einigen Tagen sei gestern eine Wagenkolonne aus zehn Mannschaftstransportern, vier Panzern und einigen Lastwägen an Cherson vorbei auf einer Landstraße in diese Richtung gefahren.

Gefechte in Cherson in der Südukraine

Über die Stärke der ukrainischen Territorialverteidigung in der Stadt wollte der Gesprächspartner der APA keine Angaben machen. Im Internet veröffentlichte Videos aus dem Westen und Osten der Stadt legten aber nahe, dass es zu Kampfhandlungen gekommen war. Am frühen Nachmittag brannte zudem eines der wichtigsten Shoppingzentren in der Stadt.

Die 300.000 Einwohnerstadt und Regionalhauptstadt der gleichnamigen Oblast liegt unweit der Dnjepr-Mündung, von der 2014 russisch annektierten Halbinsel Krim kommt man über Cherson und Mykolajiw in die Schwarzmeermetropole Odessa, die ein weiteres Ziel der russischen Militäroperation darstellen dürfte.

Videos, die am Montag und Dienstag aus dem Süden der südostukrainischen Oblast Saporischschja veröffentlicht wurden, zeigten allenfalls, dass es russische Besatzer äußerst schwer haben dürften, die Region dauerhaft zu halten. Sowohl in der Hafenstadt Berdjansk als auch in Melitopol, in beiden Städten dominierten bis zuletzt russischsprachige Ukrainer, kam es zu lautstarken Protesten gegen die russische Armee.

In Melitopol brüllten laut einem Video unbewaffnete Demonstranten "Nach Hause! Okkupanten! Faschisten! Mörder!" und stellten sich Militärfahrzeugen in den Weg. Sowohl Berdjansk als auch Melitpol hatten 2014 noch als "pro-russisch" gegolten. Die letzten acht Jahre haben die politische Situation jedoch sichtlich verändert.

(APA/red)

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Russische Truppen in Cherson eingedrungen: Spur der Verwüstung
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen