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Ruhiger Auftakt: Wiener Volkskundemuseum hat wieder geöffnet

Der Auftakt im Wiener Volkskundemuseum verlief eher ruhig.
Der Auftakt im Wiener Volkskundemuseum verlief eher ruhig. ©olkskundemuseum Wien
Am Freitag hat das Wiener Volkskundemuseum wieder seine Türen geöffnet. Der Auftakt verlief verhältnismäßig ruhig.

Schluss ist es mit der Ruhe: Nach Wochen der Zwangsschließung aufgrund des Coronavirus haben mit dem heutigen Freitag die ersten Museen wieder ihre Tore geöffnet. Verhältnismäßig ruhig lief der Auftakt im Wiener Volkskundemuseum ab, das bis Ende Juni bei freiem Eintritt besucht werden kann. Einige wenige nutzten Freitagvormittag trotz ungemütlichem Regenwetter das Angebot.

Neue Sicherheitsmaßnahmen im Volkskundemuseum

Im Kassa- und Shopbereich des Museums sind nun nicht nur Plexiglas-Trennwände zu finden, sondern auch eine informative Übersicht über die derzeitig gültigen Dos und Don'ts: Maske tragen, Abstand halten, keine Gruppen bilden, Atemhygiene einhalten und regelmäßig die Hände waschen. Dinge also, die viele ohnehin bereits in den vergangenen Wochen der Coronapandemie internalisiert haben. Grellgelbe Markierungen auf den Boden dienen als Erinnerungshilfen.

Dementsprechend ruhig konnten auch die ersten Gäste empfangen werden. Viele hatten zuerst das Hildebrandt Cafe im Haus als Ziel, das sich kurz vor Mittag recht gut gefüllt zeigte - natürlich bei entsprechenden Abständen zwischen den Gästen. Im Volkskundemuseum liegt die maximale Auslastung aufgrund der Vorgaben aktuell übrigens bei 70 Personen. Ein Zählsystem habe man aber nicht implementiert, da ohnehin selten diese Größenordnung erreicht werde.

2020 keine Sonderausstellungen im Haus

Für das Haus ist 2020 ein "Zwischenjahr", wie Direktor Matthias Beitl beim APA-Lokalaugenschein erklärte. Das bedeutet, dass es heuer keine Sonderausstellungen geben wird, sondern man sich auf die museale Arbeit und die Betreuung der Sammlung konzentriert. Man habe dafür mit Ende 2018 auch einen neuen Struktur- und Ideenprozess gestartet. "Fad ist uns nicht geworden", beschrieb Beitl die ersten Wochen im Jahr 2020 - bis Mitte März der Corona-Shutdown kam. "Planungstechnisch hatten wir damit eigentlich eine Punktlandung."

Natürlich spüre man die fehlende Nutzung des Hauses, etwa durch Vermietungen oder anderweitige Veranstaltungen. 25 bis 30 Prozent beträgt der Eigendeckungsgrad des Volkskundemuseums - viel davon falle weg. Dass man mit 15. Mai wieder öffnen werde, war aber insofern klar, als man mit der im Haus befindlichen Gastronomie eng verschränkt sei. "Das ist eine starke Symbiose. Insofern war klar: Wenn sie aufmachen, werden wir auch offen sein", so Beitl.

"Wenn Supermärkte aufmachen können, können es auch Museen"

Ohnehin steht für den Direktor außer Frage: "Wenn Supermärkte aufmachen können, können es auch Museen." Differenziert fiel seine Sicht auf die kulturpolitische Diskussion der vergangenen Wochen, die schlussendlich zum Rücktritt von Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) geführt hat, aus. "Ich will das gar nicht verteidigen. Aber es ist einfach ein extrem diverses Umfeld und eine komplexe Aufgabe", gelte es doch Interessen von Museen, Theater, Konzertveranstaltern, Kinobetreibern oder der freien Szene unter einen Hut zu bringen.

"Was ich jedenfalls gelernt habe: Kulturarbeit ist zu 80, 90 Prozent soziale Interaktion", so Beitl. "Und die war jetzt einfach weg!" Einer betroffenen Branche, dem Konzertleben, hat Beitl unterdessen eine kleine Schau im Eingangsbereich des Museums gewidmet. "Da frage ich aus der Zukunft wie es war, als es noch Veranstaltungen gab", schmunzelte der Direktor. Unter dem Titel "Those were the days..." sind u.a. einige Band-Shirts von Gruppen wie Kraftwerk versammelt.

Beitl rät, sich mehr der Fairpay-Debatte zu widmen

Kulturpolitisch sieht Beitl gerade angesichts der aktuellen Situation die Notwendigkeit, sich stärker der Fairpay-Debatte zu widmen. "Die wurde noch nicht mal andiskutiert." Es gehe einfach um die Frage, "zu welchen Bedingungen erwartet wird, dass etwas geleistet wird". Gerade bei Kulturvermittlern sei dies zuletzt stark schlagend geworden, habe es doch etliche sehr ernste Fälle im Zuge der Coronakrise gegeben. "Die Museen haben einen Bildungsauftrag. Andererseits haben die Kulturvermittler die schlechtesten Arbeitsbedingungen. Das geht nicht zusammen."

In Richtung der Regierung meinte Beitl: "Es geht ganz allgemein darum, dass wir endlich politisch und nicht nur kulturpolitisch, als Faktor der Wertschöpfung wahrgenommen werden. Wir müssen endlich erleben, dass Kultur gleichwertig mit anderen beruflichen Sphären behandelt wird." Das sei für die Betroffenen schließlich "kein Hobby". Auch für sein eigenes Haus, das als einzige Institution im aktuellen Regierungsprogramm namentlich erwähnt wird, erwarte er sich eine Lösung, um die Zukunft des Museums zu sichern. "Es muss nun endlich etwas passieren!"

(APA/Red)

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