Rollstuhlfahrer wollte sich mit Molotow-Cocktails rächen: Prozess in Wien

Prozess gegen Mann im Rollstuhl in Wien.
Prozess gegen Mann im Rollstuhl in Wien. ©APA/Sujet
Weil er angeblich von Gästen eines Lokals in Wien-Favoriten gehänselt und angestänkert wurde, hat ein 56-jähriger Rollstuhlfahrer zu einer unüblichen Form von Selbsthilfe gegriffen. Am Mittwoch wurde er zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Der Mann warf am Morgen des 28. August 2013 zuerst einen Pflasterstein gegen die Eingangstür des Cafe “Dublin” und schleuderte danach zwei mit Benzin gefüllte brennende Bierflaschen auf die Terrasse. Die Molotow-Cocktails hatte er bei sich daheim im Stiegenhaus hergestellt.

Er habe das Lokal nicht “abfackeln” wollen, versicherte der Mann dem Schöffensenat. Er habe sich bloß “an diesen Personen” rächen wollen, die ihm aus dem Schanigarten des Lokals oft unschöne Sachen nachgerufen hätten, wenn er dort mit seinem Rollstuhl vorbeifuhr. Er habe “a bissl an Schaden” anrichten wollen, “damit die net schon wieder um 8:00 Uhr in der Früh dort sitzen”. Daher sollten die im Freien aufgestellten Tische und Stühle in Flammen aufgehen, “aber ich hab’ erst nachher gemerkt, dass der Tisch aus Eisen war”.

Molotow-Cocktails als “Denkzettel”

Nicht nur deshalb misslang das Vorhaben, einen “Denkzettel zu verpassen”, wie sich Verteidigerin Heike Sporn ausdrückte. Die Eingangstür war aus Spezialglas, das sich nicht zertrümmern ließ. Zudem regnete es stark, sodass die Molotow-Cocktails nicht die beabsichtigte Wirkung entfalten konnten und rasch verpufften.

Als der 56-Jährige flüchten wolle, begegnete er ums Eck ausgerechnet zwei Polizisten, die eine Verkehrskontrolle durchführten und ihn anhielten. Der 18-fach Vorbestrafte – er sitzt infolge eines Unfalls seit 1997 im Rollstuhl – landete in weiterer Folge in U-Haft. Im gegenständlichen Cafe hat er übrigens seit geraumer Zeit Lokalverbot: Es gibt dort kein Behinderten-WC, weibliche Gäste hatten sich darüber beschwert, dass er die Damentoilette nutzte.

Die Vermutung der Vorsitzenden, dass er dort nicht mehr bedient wurde und vielleicht deshalb eine Wut hatte, wies der Angeklagte zurück.

Drei Jahre unbedingt für Rollstuhlfahrer

Der 56-jähriger Rollstuhlfahrer ist wegen versuchter Brandstiftung zu drei Jahren unbedingt verurteilt worden. Bei der Strafbemessung schlugen sich 18 einschlägige Vorstrafen erschwerend ins Gewicht.

Die Strafe war dem 56-Jährigen, der infolge eines Unfalls seit 1997 im Rollstuhl sitzt, zu hoch. Er meldete Berufung an.

(APA)

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