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Rituale ebnen Wogen des Lebens

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Gerät sein Leben in Unordnung, ist die innere Ruhe gestört. Er wird aus der gewohnten Bahn geworfen. Rituale wirken dem entgegen.

Sie schaffen Ordnung, sortieren das manchmal heillose Durcheinander im Leben und helfen überdies tragische Erlebnisse zu verarbeiten. Rituale vermögen die Welt einfacher und handhabbarer zu machen. So banal das auch klingen mag.

Martina Lehner sind Rituale sehr wichtig. Die Bludenzer Stadtvertreterin sieht die hier gängigen regionalen Riten in religiösem Kontext. „Im Christentum sind hier vor allem heidnische Brauchtümer verankert“, weiß sie. Rituale beschreiben für sie Übergänge, sind Stütze und geben Sicherheit. Als Beispiel führt sie die Trauer an. „Trauerrituale vermitteln das Gefühl, in eine Gemeinschaft eingebettet zu sein.“ Im Alltag pflegt sie viele Gewohnheiten. Eine davon ist die Angewohnheit, langsam den Tag ausklingen zu lassen. „Auch wenn ich noch so spät heimkomme, benötige ich immer eine gute Stunde, den Alltag loszulassen und ganz anzukommen, ehe ich schlafen gehe.“

Silvia Comploj hat sich ihre Riten nach ihrem Lebensrhythmus zurechtgelegt. „Jeden Morgen frühstücke ich gemeinsam mit meinem Mann. Jeder liest seine Zeitung, dem ein kurzer Gedankenaustausch folgt“, schildert die langjährige Amateurschauspielerin. Einen festen Platz nehmen im Hause Comploj regelmäßige Konzert- und Theaterbesuche ein. „Kulturelle Riten, die bei uns wie auch Geburtstage groß geschrieben werden“, erklärt sie. Zum jährlichen Ehrentag hat sie es sich zur Gewohnheit gemacht, Gedichte für den Jubilar zu verfassen. Rituale, egal ob kirchliche, gesellschaftliche oder auch persönliche, gehören zum Leben. „Wie sie gepflegt werden, ist eine Sache der Individualität.“

„Rituale werden von Generation zu Generation weitergegeben.“ Das bestätigt auch Ofensetzer Markus Neyer. Nach altem Vorarlberger Ritual hält er sich beim Holzeinbringen streng an den Mondkalender. „Bei übergehendem Mond im Zeichen des Wassermannes, Zwillings oder Waage ist der ideale Zeitpunkt.“ Dann wird das Holz gehackt und im Schopf geschlichtet. Dieses Wissen nutzt er auch beim ersten Einheizen eines neuen Ofens. Als Beweis hat er schon des Öfteren die Gegenprobe angetreten. „Das Holz trocknete nicht und der Ofen heizte nicht wirklich effektiv“, weiß er. Zur Gewohnheit hat sich der Organisator der Handwerksausstellung gemacht, den Mondkalender allen seinen Kundschaften mitzuliefern.

„Rituale machen Sinn“

„Ein kleiner Hinweis, dieses alte Wissen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“

Für Architekt Zeljko Jerkovic machen Rituale – ganz allgemein betrachtet – Sinn und schaffen Ordnung. „Es gibt in allen Kulturkreisen Rituale und Bräuche, die sich nach Form und Inhalt zwar unterscheiden, aber immer eine gemeinsame Funktion innehaben.“ Menschen rund um den Erdball halten an Ritualen fest, bereiten sie liebevoll vor, feiern sie nach landesüblichen Gepflogenheiten und „schöpfen auch noch lange im Nachhinein aus ihrer Kraft und ihrem Zauber“. Alltägliche Rituale wie eine Kaffeepause mit Arbeitskollegen haben für ihn die gleiche Existenzberechtigung wie alljährliche Höhepunkte sowie das Weihnachtsfest im Kreise der Familie.

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