Risiko Schulweg: 70% der verunglückten Kinder zu Fuß

Polizei wirbt für Schulwegsicherheit in Wien
Polizei wirbt für Schulwegsicherheit in Wien ©APA
Jedes Jahr verunglücken zahlreiche Kinder am Schulweg. Vor allem das Zu-Fuß-Gehen stellt für Mädchen und Buben nach wie vor die größte Gefahr da. Der Schulweg muss daher geübt werden. Aber auch abseits der Schule ist der Straßenverkehr das größte Risiko für die Sicherheit der Kinder.
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Von den 444 Unfallopfern zwischen sechs und 15 Jahren im Jahr 2008 waren 299 als per pedes unterwegs, betonte Innenministerin Maria Fekter (V) am Montag bei einem Pressegespräch in Wien.

Am ersten Schultag verteilte die Ressortchefin gemeinsam mit Behördenvertretern von Stadt, Bezirk und Polizei bei einer Aufklärungsaktion an einer Hietzinger Schule kindgerechte Reflektoren an Taferlklassler und deren Mitschüler.

Im vergangenen Jahr endeten zwei Unfälle am Schulweg in Oberösterreich und der Steiermark tödlich, so Fekter. Kinder seien die schwächste Gruppe im Straßenverkehr, neben dem Schutz durch die Polizei, sei Präventionsarbeit durch Bewusstseinsbildung und Aufklärung wichtig. Im Rahmen der schulischen Verkehrserziehung würden 358.000 Kinder erreicht. Unter den Unfallopfern bei Schülern befanden sich 2008 auch 89 Radfahrer. Hier sei die Radfahrprüfung im Volksschulalter als Sicherheits-Maßnahme vorgesehen.

Buben sind offenbar deutlich gefährdeter als Mädchen: gegenüber 249 männlichen gab es 2008 nur 195 weibliche verletzte Schüler. Besonders häufig verunglückten Zehn- bis 13-Jährige. Unfälle am Schulweg gab es auch mit motorisiertem Untersatz: 20 verletzte Schüler waren Pkw-Insassen, 15 verunglückten mit dem Schulbus. Im Jahresvergleich hat die Zahl der Unfälle und Verletzten am Schulweg abgenommen.

In Wien soll heuer ein neues Konzept für einen sicheren Schulweg forciert werden: Das Prinzip “Schulbus zu Fuß”, bei dem die Sprösslinge in Kindergarten-Manier von Eltern im Gänsemarsch begleitet werden, sei unter dem Namen “Pedibus” in den USA, Kanada und Europa bereits verbreitet, betonte der Wiener ÖVP-Gemeinderat Bernhard Dworak. Auch in Eisenstadt werde das Prinzip, bei dem Buben und Mädchen an Sammelpunkten abgeholt werden und in Warnwesten gemeinsam zur Schule marschieren, schon umgesetzt. In Wien wurden anlässlich des Schulbeginns Elternvereine und zuständige Stellen verständigt, sie können und sollen solch Initiativen ins Leben rufen. “Auf die Zivilgesellschaft kommt es an”, betonte Dworak.

Vorteile bringe das Konzept “Schulweg zu Fuß” in verschiedenen Bereichen, zeigte sich der Gemeinderat überzeugt: “Die Kinder sind übergewichtig und sollen sich mehr bewegen.” Gleichzeitig würde ihnen richtiges Verhalten auf der Straße näher gebracht. Sinnvoll sei die Maßnahme für die ersten und zweiten Volksschulklassen bzw. Vier- bis Zehnjährige. Pro Bildungseinrichtung wären ein bis zwei unterschiedliche Routen denkbar, so Dworak.

Der Wiener Landespolizeikommandant Karl Mahrer appelliert bei der Pressekonferenz an das Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen: “Verhalten Sie sich, wenn Sie Kinder auf der Straßen sehen, so, als wären es Ihre eigenen”, betonte er. Gegenüber 2002 sei die Zahl der Unfälle und Verletzten am Schulweg in Wien um 25 Prozent gesunken. Im Vorjahr kam es zu 61 Zwischenfällen mit 63 Verletzten, sechs Jahre zuvor waren es 82 Unfälle 83 Verletzte. Rund 150 Kreuzungen in Wien werden gesichert, dabei seien 93 Zivildiener und zwölf Schülerlotsen im Einsatz.

Verkehrsministerin Doris Bures (S) mahnte am Montag in einer Aussendung zu mehr Rücksicht auf Kinder als kleinste und schutzbedürftigste Verkehrsteilnehmer. Zu Schulbeginn müssten neben Schülern auch die Autofahrer sensibilisiert werden, betonte sie.

Unfälle auch abseits des Schulweges

Unfälle am Schulweg sind allerdings nur für einen Bruchteil der im Straßenverkehrsunfälle von Kindern verantwortlich. Insgesamt 3.455 Personen unter 14 Jahren wurden laut Innenministerium 2008 bei Kollisionen verletzt, zwölf Mädchen und Buben starben. Sechs der Todesopfer saßen in einem Pkw, drei davon hatten keine Kindersicherung. Drei unter 14-Jährige starben am Weg zu Fuß, zwei verunglückten in einem Lkw, ein Opfer starb nach einem Bus-Unfall.

2008 nahm die Zahl der verletzten Kinder insgesamt um 5,1 Prozent ab. 42 Prozent waren in einem Pkw unterwegs, bei 25 Prozent handelte es sich Fußgänger, bei 20 Prozent um Radfahrer. Sieben Prozent verunglückten bei der Fahrt auf einem Moped oder Motorrad. Bei Anzeigen wegen fehlender Kindersicherung gab es gegenüber 2007 mit 9.031 Delikten einen Rückgang von 39 Prozent. Sieben Prozent der in einem Pkw verunglückten Kinder hatten keinerlei Sicherheitsgurt.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr auf Österreichs Straßen bei 39.173 Unfällen 50.521 Menschen zu Schaden, 679 wurden getötet. Das bedeutet einen Rückgang in allen Bereichen: bei den Unfällen (minus 4,7 Prozent) und Verletzten (minus 5,1 Prozent) sowie bei den Verkehrstoten (minus 1,7 Prozent). Bei den Verkehrstoten ist das der geringste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen vor 58 Jahren, so das Innenministerium. In den beiden anderen Bereichen handelt es sich um die niedrigsten Zahlen seit 1996.

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